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Diva-Verleihung: "Für dich, mein Puppele"

Mit Standing Ovations wurde Alain Delon von den 500 Gästen aus dem Showbiz begrüßt. Bei der Diva-Verleihung im Deutschen Theater in München verfiel man in Vergangenheitshuldigung. Neben den üblichen Verdächtigen waren auch junge Wilde da und eine aufgeregte deutsche Schauspielerin mit der Trophäe für den Ehrengast.

Von Kathrin Buchner

In einer eher schlechten Zeit für das Entertainment-Business muss man sich eben selbst inszenieren und den Geist unsterblicher Stars beschwören. Und so war es der Abend der großen Zeitsprünge: Verleger Ulrich Scheele, der Initiator des Deutschen Entertainment Preises, spannte den Bogen von Mozart zu Christina Stürmer (beides österreichische Popstars), Moderator Jan Josef Liefers kam von Schiller zu Schweighöfer (letzterer brillierte in der Rolle des Dichters), und von Beethoven zu Silbermond. Wie Liefers allerdings diese Verbindung von Beethovens Geburtsstadt Bonn zu Silbermonds Heimat Bautzen schaffte, lässt sich kaum nachvollziehen.

Schauspieler Jan Josef machte gute Figur als Moderator

Ist auch nebensächlich. Denn in Liefers Moderation fand man etliche gewagte Sprünge. Dafür war sie erfrischend, selbstironisch und spontan. Platte Fragen wertete er charmant auf mit dem Hinweis "das steht so auf meinem Zettel", streute kleine Gags ein "wie schaffe ich den Überblick von Küblböck zu Musik?" und improvisierte Frotzeleien mit Leander Haußmann über die gemeinsame Zeit an der Schauspielschule. Genauso locker improvisiert gestaltete auch Detlev Buck die Laudatio auf Kollege Haußmann, der mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurde. "Eine Rede für jemand zu schreiben, den man sehr mag, setzt mich komplett unter Druck", bekannte Buck.

Niedecken und Christiane Stürmer, Silbermond und Maffay

Ansonsten gab es eher ungewöhnliche Laudatoren-Preisträger-Kombinationen, was der Veranstaltung durchaus Charme verlieh: BAP-Chef und bekennender Casting-Show-Gegner Wolfgang Niedecken, der den"skrupellosen Umgang mit jungen Leuten" beklagte, aber trotzdem Austro-Superstar-Gewinnerin Christina Stürmer Respekt zollte und den Newcomer-Award an sie übergab. Die freute sich besonders über die Anerkennung im großen Nachbarland, "der erste Preis in Deutschland zählt zehnfach", so Stürmer. Stefanie und Andreas von Silbermond sprachen die Lobrede auf Peter Maffay, dem Künstler des Jahres, und bekundeten, sie seien gerade auf die Welt gekommen als Maffay sein zwölftes Album veröffentlichte.

Schweighöfer, der junge Wilde, ist bester Schauspieler

Produzentin Uschi Reich, nur in Fachkreisen bekannt, drückte Matthias Schweighöfer die Auszeichnung als bester Schauspieler des Jahres in die Hand. Der bedankte sich nuschelnd, ein wenig verwirt-verwegen und verabschiedete sich gleich danach für Dreharbeiten nach Marokko. Dr. Dieter Wedel, von Moderator Liefers flapsig eingeführt als "einer der den Doktortitel nicht braucht, damit sich Frauen vor ihm ausziehen", übergab die DIVA für die beste Schauspielerin an Bettina Zimmermann, die sich für ihre Karriere bei den Eltern bedankte und die bronzene Statue wie ein Baby im Arm schaukelte.

Überhaupt konnte der Berben-Clan voll absahnen: Bettina Zimmermanns Freund Oliver Berben bekam den Publikumspreis für die ZDF-Produktion "Die Patriarchin", in der seine Mutter Iris Berben die Hauptrolle spielte, die sichtlich bewegt mit ihrem Sohn an der Hand auf der Bühne stand.

Spuren hinterlassen in ihrem Schaffen: Martina Gedeck und Gottfried John

Während die Verleihung der Publikumspreise eher Insider-Geplänkel war, wurde es erst wieder spannend mit dem Sprung in die "Hall of Fame". Darin werden Künstler aufgenommen, die mit ihrem Schaffen Spuren hinterlassen haben und mit ihren Leistung immer wieder Aufsehen erregt haben. Für ihre "ungeheure Wandlungsfähigkeit" bekam eine herrlich verwirrte und sehr bewegte Martina Gedeck den "German Award 2006". Demnächst ist sie in der bereits mit einem Bayerischen Filmpreis ausgezeichneten Produktion "Das Leben der Anderen" zu sehen und in der Houellebecq-Verfilmung "Elementarteilchen", die auf der Berlinale Premiere feiern wird. Ob Jungschauspieler Ken Duken für die Laudatio ausgewählt wurde, weil er einen ebenso für Hollywood tauglichen Namen wie der Preisträger des "European Award 2006" Gottfried John hat, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall war die Rede wenig persönlich und mehr abgelesen. John ist neben Hanna Schygulla der einzige Schauspieler aus dem Dunstkreis Fassbinders, der es zu internationaler Anerkennung gebracht hat.

Ganz oben, ganz unten und wieder da: Helen Schneider

Sehr emotional war der Auftritt von Rocklegende Helen Schneider, die in ihrer bewegten Karriere früh ganz oben, aber eine geraume Zeit auch ganz unten war, und in ihrer Freude über die Anerkennung als weltweite Künstlerin von flüssigem Deutsch übergangslos ins Englische verfiel.

Sophie von Kessels großer Auftritt

Nach großem Applaus für Schneiders brilliante Gesangsperformance kam der große Höhepunkt des Abends. Eine ganz in schwarz gekleidete Sophie von Kessel betrat die Bühne. Ihr tiefes Dekollté bebte und die Hände zitterten als sie die mit Platin überzogene und mit einem Diamanten bestückte Ehren-DIVA-Statue an Alain Delon übergab. Dass die beiden sich gut kennen, wurde spätestens beim Kuss Delons, der Kessels Lippen traf, klar. Die deutsche Schauspielerin spricht nicht nur ein exzellentes Französisch, sie spielte 2003 auch neben Delon die weibliche Hauptrolle in der französischen Fernsehserie "Frank Riva".

Delon weiß, wie man in Deutschland punktet

Delon machte dann den ganz großen Sprung, beschwör seine goldenen Zeiten und traf den Nerv des deutschen Publikums: "Als ich Romy kennen lernte, war ich 20, und wir liebten uns leidenschaftlich. Sie hat mich zum Star gemacht" und als er mit den Worten schloss "für dich, mein Puppele" waren sie wieder da, Mozart, Schiller und auch noch Delon. Aber quo vadis deutsches Showbiz?