FILM Regisseur Kurt Hoffmann ist tot


Er war der Entdecker von Lilo Pulver und hat einige der beliebtesten Filme der deutschen Nachkriegszeit gedreht: Kurt Hoffmann. Am Montagnachmittag starb der Regisseur im Alter von 90 Jahren in München.

Er war der Entdecker von Lilo Pulver und hat einige der beliebtesten Filme der deutschen Nachkriegszeit gedreht: Kurt Hoffmann. Am Montagnachmittag starb der Regisseur im Alter von 90 Jahren in München, wie der Produzent Hans Albich, ein Freund der Familie, der dpa mitteilte. Hoffmann drehte mehr als 40 Spielfilme, darunter Klassiker wie »Quax, der Bruchpilot« mit Heinz Rühmann (1941) sowie »Das Wirtshaus im Spessart« (1957) und »Ich denke oft an Piroschka« (1955) mit Lilo Pulver. Für sein Schaffen erhielt er unter anderem den Ernst-Lubitsch-Preis.

Hoffmann wurde 1910 in Freiburg/Breisgau geboren und wuchs in Berlin auf. 1939 debütierte der Sohn des Ufa-Kameramanns Karl Hoffmann (»Die Nibelungen«) als Regisseur mit »Paradies der Junggesellen«. Die Hauptrolle übernahm Heinz Rühmann, mit dem er insgesamt sieben Filme drehte. Seine größten Erfolge feierte Hoffmann jedoch im Nachkriegsdeutschland, darunter Literaturverfilmungen wie Thomas Manns »Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull« (1957).

Unvergessen ist vielen die Liebesgeschichte »Ich denke oft an Piroschka« mit Gunnar Möller und Lilo Pulver. Für die Schauspielerin war Hoffmann eine »Wahlverwandtschaft«, sein Tod sei für sei ein großer Verlust. »Jetzt hat uns wieder einer von den langjährigen Freunden verlassen, und bald ist keiner mehr übrig«, sagte Pulver am Montag der dpa. »Er hat mich erfunden, denn er hat immer genau gewusst, welche Rollen und welche Kameramänner am besten für mich waren.«

Hoffmann drehte allein mit Lilo Pulver zehn Filme. Nach ernsteren Werken wie »Das verlorene Gesicht« mit Marianne Hoppe kehrte er zum Unterhaltungsfilm zurück - wie zum Beispiel mit der Klamotte »Fanfaren der Liebe«, die Billy Wilder später zu »Manche mögen¿s heiß« verarbeitete. Nach Erfolgen wie »Schloss Gripsholm« (1963) und der Eric-Malpass-Verfilmung »Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung« (1968) wurde es stiller um ihn. »Die Geschmacksrichtung änderte sich«, sagte Hoffmann.

»Ich mache meine Filme nicht für die Kritiker, sondern für das Publikum«, war seine Devise. Und das Publikum honorierte sie, wie etwa 1985 bei einer Retrospektive beim Münchner Filmfest. »Wie schwer die Kunst der leichten Unterhaltung auch immer sein mag - bei Kurt Hoffmann spürt man nie diese Anstrengung, diesen Kampf«, hieß es in der Würdigung zum Bayerischen Filmpreis, den er 1995 für sein Lebenswerk erhielt.

1971 drehte er noch »Der Kapitän« mit Rühmann. Der nur durchschnittliche Erfolg des Films bewog den scheuen Hoffmann zum Rückzug aus dem Kinogeschäft, 1976 folgte noch der TV-Episodenfilm »Sonntagsgeschichten«. Danach war er, wie die »Welt« es nannte, »der wohl bekannteste Vergessene des deutschen Nachkriegsfilms«.

Caroline Bock, dpa


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