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Filmstart "Megamind" Blaue Birne gegen Strahlemann


Superschurke Megamind hat gesiegt. Sein Erzrivale, der strahlemannlächelnde Capeträger Metroman liegt am Boden. Doch ohne einen würdigen Kontrahenten wird es dem intergalaktischen Blaukopf schnell langweilig. Kurzerhand bastelt sich Megamind einen neuen Rivalen.

Darf’s noch ein Supermann mehr sein? Die 3D-Trickfilmkomödie "Megamind" präsentiert gleich drei jener komischen Typen mit Umhang und Strumpfhosen, die seit Jahren über die Leinwand flattern. Hauptfigur ist der titelgebende Megamind, der trotz seiner intergalaktischen Herkunft ein recht spilleriges Wesen ist. Dafür hat er einen blauen Kopf in Form einer Glühbirne und ist eine Intelligenzbestie. Sein Grips hat aber bisher noch nicht ausgereicht, seinen Erzfeind Metroman zu besiegen.

Doch Metroman ist der Gute in diesem am 2. Dezember anlaufenden Filmspaß - der vielleicht zu parodistisch vertrackt ist, um die kindliche Zielgruppe bei Laune zu halten. Die Geschichte geht so: Als Babys wurden Megamind und Metroman auf die Erde gebeamt, landeten aber in unterschiedlichen Milieus. Metroman wuchs zum strahlenden Helden heran und stieg mit Zahnpasta-Lächeln, Super-Muckis und -Kinn zum Beschützer und Super-Schnucki der Bewohner von Metro-City auf. Und genauso lange arbeitet sich der seit Kindheit und Schule stets zu kurz gekommene Loser Megamind daran ab, dem souveränen Liebling der Massen eins auszuwischen.

Als es Superschurke Megamind tatsächlich überraschend gelingt, Metroman von der Bildfläche verschwinden zu lassen, lässt der blaue Giftzwerg noch eine Weile die Muskeln spielen. Und merkt dann, dass ihm mit dem Verschwinden seines Gegners der Antrieb fehlt. So bastelt er sich mit Metroman-DNA aus einem unterbelichteten Normalo ein neues Spielzeug, das er Tighten nennt. Leider hat seine Kreation nicht die Klasse des Vorgängers und trampelt wie ein tollwütiger Godzilla durch die Gegend. Megamind, der inzwischen in der Maske eines braven Bibliothekars zarte Bande zur kessen Reporterin Roxanne geknüpft hat, muss seine Rolle überdecken.

Der siegreiche Underdog bastelt sich einen neuen Gegner

Wem dieser Gut-Böse-Dreh bekannt vorkommt, hat wahrscheinlich den kürzlich gelaufenen Trickfilm "Ich - Unverbesserlich" gesehen, in dem ebenfalls ein selbsterklärter Oberbösewicht resozialisiert wird. Aber auch an die Superhelden-Saga "Incredibles" erinnert diese launig-überdrehte Komödie, die zudem Insiderwitze aus früheren Superman-Verfilmungen und Anspielungen auf die kommende Comic-Verfilmung "Green Lantern" verwurstet.

Alles supi? Zwar dürften die Synchronstimmen von Bastian Pastewka, Oliver Kalkofe und Oliver Welke nicht an die Originale von Will Ferrell und Brad Pitt heranreichen. Doch zackige Dialoge, ein klasse Soundtrack mit alten Pop- und Rockheulern à la "Michael Jacksons "Bad", witzige Nebenfiguren wie Megaminds Assistent sowie die gelungene Schlusspointe lassen fast vergessen, wie oft dieser Super-Eintopf aus dem Hause Dreamworks schon aufgewärmt wurde.

Das 3D-Format dagegen ist erneut kein Argument, um an der Kasse einen Aufschlag zu zahlen, denn auch in 2D sind die Flugnummern rasant. Langweilen wird sich in dieser augenzwinkernden Sause niemand - sofern er über zehn Jahre alt ist. Denn Knirpsen dürfte die mit viel Tamtam untermalte Entlarvung des Bösen als narzisstische Neurose ein bisschen zu hoch sein.


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