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Wichtiger Filmpreis Luxusreisen als Bestechung, kein Entscheider schwarz: Heftige Kritik an den Golden Globes

Emily in Paris
Die Netflix-Serie "Emily in Paris" hat zwei Golden-Globe-Nominierungen bekommen - zum Erstaunen vieler Kritiker
© ©Netflix/Courtesy Everett Collection / Picture Alliance
Kurz vor der Verleihung der Golden Globes am Sonntag sorgt ein Bericht der "L.A. Times" für Ärger. Den Veranstaltern wird Intransparenz und Bestechung vorgeworfen.

Sie gelten als wichtigster Filmpreis Hollywoods nach den Oscars: die Golden Globes. Traditionell werden die goldenen Kugeln bei einem Gala-Event von der Vereinigung ausländischer Journalisten in Hollywood, der Hollywood Foreign Press Association (HFPA), vergeben. Doch genau die steht jetzt kurz vor der Verleihung am Sonntag in der Kritik. Es ist von Bestechung die Rede, und davon, dass keiner so richtig weiß, wie sich die HFPA eigentlich zusammensetzt – und wie man dort Mitglied wird.

Aufgedeckt hat das ein großer Report der "Los Angeles Times", der hart mit der HFPA ins Gericht geht. Es ist vor allem die Intransparenz, die Kritik hervorruft. So hat die Zeitung herausgefunden, dass sich unter den 87 Mitgliedern, die über die Preisvergabe entscheiden, offenbar keine einzige Person mit schwarzer Hautfarbe befindet. Ein Skandal auch deshalb, weil es bereits bei der Bekanntgabe der diesjährigen Nominierungen Protest gab, da zahlreiche Produktionen von schwarzen Filmemacher*innen oder mit schwarzen Hauptfiguren übergangen wurden.

"Wir wurden wie Könige und Königinnen behandelt"

Am offensichtlichsten wird das am Beispiel der Netflix-Show "Emily in Paris". Die Comedyserie war bei Kritiker*innen eigentlich wenig beliebt, trotzdem sackte sie überraschend zwei Nominierungen ein. Das hochgelobte Vergewaltigungsdrama "I May Destroy You" von HBO mit schwarzem Cast wurde hingegen nicht nominiert. Jetzt kam heraus: Über 30 HFPA-Mitglieder wurden von den "Emily in Paris"-Machern ans Set nach Paris eingeflogen und dort in einem Luxushotel untergebracht. "Wir wurden wie Könige und Königinnen behandelt", zitiert die "L.A. Times" einen der Journalist*innen. Wenngleich Einladungen an Filmsets durchaus üblich sind, wirkt das Ganze zumindest im Nachhinein unglücklich.

Wichtiger Filmpreis: Luxusreisen als Bestechung, kein Entscheider schwarz: Heftige Kritik an den Golden Globes

Die HFPA selbst beteuert, an den fehlenden schwarzen Mitgliedern zu arbeiten – wie genau, ist nicht bekannt. Im "Times"-Report ist auch die Rede davon, dass viele Mitglieder gar nicht im Filmjournalismus tätig seien, und dass es renommierten Filmkritiker*innen von großen Publikationen im Ausland es oftmals unmöglich gemacht wird, die Tür zur HFPA aufzustoßen. Das gibt auch deshalb zu denken, weil die HFPA ihre Mitglieder, anders als etwa die Oscar-Academy, für ihre Arbeit entlohnt. 1,9 Millionen Euro wurden von der Non-Profit-Organisation im vergangen Jahr an die Mitglieder verteilt – eine stolze Summe, auch wenn die HFPA betont, dass es sich um branchenübliche Gehälter handele.

Quelle: "Los Angeles Times", "Variety"


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