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Harald Schmidt: Mit langem Anlauf zurück ins TV

Ein Jahr lang reiste Late-Night-Talker Harald Schmidt um den Globus. Jetzt kehrt der Meister des bissigen Kommentars zurück auf den Bildschirm, um der Nation zu später Stunde die Welt zu erklären.

Kaum vorstellbar: Ein Fußball-Nationalspieler hat ein Jahr Pause gemacht, eine Woche vor seiner Rückkehr ins Team nimmt er das Training wieder auf und darf gleich mit der Stammbesetzung auflaufen. Bundestrainer Jürgen Klinsmann würde das verhindern. Das Fernsehen ist da ein bisschen großzügiger. Harald Schmidt hat eine "kreative Pause" von exakt einem Jahr gemacht und darf gleich eine Woche nach der Rückkehr von einer Weltreise für die ARD mit der viel diskutierten und teils heiß ersehnten "Harald Schmidt"-Show vor die Kamera.

Aber Harald Schmidt hat sich in der Ferne schon warm gelaufen. Der 47-jährige Entertainer habe sich auf seinen Weltreisen innerhalb der letzten Monate täglich über die Vorgänge in Deutschland informiert, "ob in der FAZ, der SZ oder bei dpa", sagt ein Schmidt-Vertrauter. Über die Gestalt seiner Show bewahrt Schmidts Managerin Sigrid Korbmacher Stillschweigen. "Alles ist möglich", sagt sie. "Aber wir verraten nichts." Schmidts Wegbegleiter und Redaktionsleiter Manuel Andrack (39), der seinem großen Meister wie einst bei Sat.1 die Stichworte geben wird, hat angekündigt, Schmidt werde aus dem "Stegreif" Unsinn verbreiten und komme ohne Gagschreiber aus. Durchschnittlich eine Million Zuschauer erhofft sich das Schabernack-Duo.

Ein wenig konkreter wird der zuständige Redakteur beim Westdeutschen Rundfunk, Klaus Michael Heinz. "Die Show wird zwei Standbeine haben", sagt er. "Sie baut auf Tagesaktualität und auf Medienkritik auf. Harald Schmidt hilft uns allen, die Welt besser zu verstehen und das Fernsehen zu durchschauen." Das kleine architektonische Ensemble, das sich das feinsinnige Lästermaul für seine Worte an die Nation hat zurechtzimmern lassen, besteht aus zwei Schreibtischen (für ihn und Andrack), einem Bücherregal und Hintergrund in Terracotta-Tönen. Das Studio bietet 118 Gästen Platz. Die ARD-Band spielt ohne Leader - Helmut Zerlett geht so wie Assistentin Suzanna oder Telefonistin Nathalie eigene Wege.

Geheimnisse werden auch gehütet rund um die Konstruktionen hinter Schmidts Show, für die der Entertainer angeblich acht Millionen Euro pro Jahr von der ARD kassiert. Warum haben die ARD-Tochter Degeto und die neue Firma Kogel & Schmidt die Verträge unterschrieben? Die ARD widersprach der Version, die Filmhandelstochter Degeto sei eingesetzt worden, um die ARD-Gremien auszuschalten. Die neue Firma Kogel & Schmidt hat der Entertainer mit seinem alten Freund und Ex-Sat.1-Geschäftsführer Fred Kogel, der ihn einst zum Berliner Privatsender holte, gegründet. Sie vergibt den Produktionsauftrag an Schmidts Firma Bonito TV (rund 50 Beschäftigte), an der auch Korbmacher und Andrack beteiligt sind.

Geschäftstüchtiger Spaßmacher

Insider berichten, dass Kogel & Schmidt nicht nur für die Auftragsvergabe an Bonito TV zuständig ist, sondern - was auch sehr wertvoll ist - alle Rechte an der Sendung hält. Dazu gehören die Wiederholungen, Verwertung für Mobilfunk oder eines Tages einmal Merchandising-Produkte. Schmidt ist nicht nur Deutschlands Fernseh-Spaßmacher Nummer eins, er ist auch gewiefter Geschäftsmann.

Ab 19. Januar 2005 ist der Kult-Possenreißer zwei Mal die Woche (mittwochs und donnerstags um 23 Uhr) in der ARD zu sehen. Auch unter Prominenten hat der ARD-Heimkehrer, der früher durch "Schmidteinander" führte und zuletzt 1995 "Verstehen Sie Spaß?" präsentierte, Befürworter. Zum Beispiel den Sat.1-Komiker und Fußballreporter Oliver Welke. Der erinnerte an eine Schmidt-Äußerung über eine mögliche Rückkehr zu den Öffentlich-Rechtlichen: Wer einmal mit Claudia Schiffer im Bett war, "zieht ja auch nicht wieder bei Mutti ein". Welke: "Muss echt schön sein bei Mutti. Und das Geld für die Show wäre auch schnell gespart: Die ARD könnte zum Beispiel ihre WM-Spiele 2006 an Sat.1 verkaufen. Nur so ’ne Idee..."

DPA / DPA