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HARD- UND SOFTWARE: Der DVD-Player

Dank der Fähigkeit zur starken Komprimierung kann die DVD bislang ungeahnte Datenmengen speichern und wird höchsten Ansprüchen in puncto Ton- und Bildqualität gerecht.

Die DVD ist derzeit so beliebt, weil sie nicht so klobig wie die VHS-Videokassette ist, weil sie bei guter Pflege ewig hält und weil das Seherlebnis wirklich beeindruckend ist. Auch die intensive Unterstützung der Industrie trägt zur Verbreitung bei. Erste DVD-Player, die sich an den Fernseher anschließen lassen, sind bereits für unter 300 Mark zu haben. Die magische Preisgrenze für den Massenmarkt wurde also bereits durchbrochen.

Für den verwöhnten Kunden gibt es nicht nur Highend-Player mit kompletter Heimkino-Boxenanlage, sondern auch tragbare DVD-Player im Notebook-Format, die gleich ihren eigenen Bildschirm mitbringen. Im Computerbereich wird das DVD-Laufwerk fast schon als Standard in die Geräte eingebaut, sowohl für Desktop-Rechner als auch für tragbare Notebooks. Fehlt in einem Rechner ein DVD-Laufwerk, kann es bereits für durchschnittlich hundert Mark nachgerüstet werden.

Zur Verbreitung tragen auch die Spielekonsolen bei. In die Sony Playstation II ist der DVD-Player bereits fest eingebunden. Auch die X-Box von Microsoft, die noch in diesem Jahr produziert werden soll, wird ein eigenes DVD-Laufwerk aufweisen.

Der DVD-Player, der zum Einsatz kommt, muss dazu in der Lage sein, die einzelnen DVDs mit ihren individuellen Menüsystemen und den immer neuen Kombinationen verschiedener Inhalte sicher abzuspielen. In der Firmware des DVD-Players ist eine Schnittstelle gespeichert, die dazu in der Lage ist, die verschiedenen Funktionen der DVD zu »übersetzen« und auf den Bildschirm zu bringen. Leider kommt es immer wieder zu Inkompatibilitäten zwischen den Geräten und einzelnen DVDs.

Immer wieder mal Probleme

Dann funktioniert auf einmal das Auswahlmenü nicht mehr oder die DVD wird überhaupt nicht erkannt. In den Foren des Internets werden solche Fälle immer wieder besprochen. Manchmal bieten die Hardware-Hersteller ein Firmware-Update an, das Inkompatibilitäten behebt. Das Downloaden einer Firmware ist kein Problem, wohl aber die Installation. Außerdem teilen einige Hersteller mit, dass mit dem Update der Firmware die Gerätegarantie erlischt.

Die Video-DVD

Eine handelsübliche Video-DVD speichert zwischen 4,37 und 15,91 Gigabyte Daten. Nur so ist es möglich, die hohen Ansprüche der Anwender in punkto Bild und Ton zu befriedigen. Bei der Herstellung einer DVD wird das Bild mit einer variablen Datenrate von bis zu 9.800 kbps (Kilobyte pro Sekunde) im MPEG-2 Video Format gespeichert. Im europäischen PAL-Format lassen sich so Auflösungen von 720x576 Pixel erreichen, während das amerikanische NTSC-Format 720x480 Pixel zulässt.

Das Bild kann bei der Digitalisierung um den Faktor 15:1 (93 Prozent) bis 40:1 (98 Prozent) reduziert werden, um Speicherplatz zu sparen. Bei der MPEG-2-Komprimierung speichert die DVD nicht jedes einzelne Bild des Films, sondern merkt sich sozusagen nur die Veränderungen eines Bildes im Verhältnis zum letzten Bild. Da bei der Digitalisierung keine Optimierung des bereits vorhandenen Bildmaterials möglich ist, muss das Ausgangsmaterial bereits an sich optimal sein. Während erste DVDs noch von einem VHS VideoMaster-Tape abgenommen wurden - was deutlich zu sehen war - geht man heute dazu über, die Daten direkt vom Filmnegativ zu digitalisieren.

Das Bild lässt sich in den Seitenverhältnissen 4:3 (1,33:1) oder 16:9 anamorph (1,78:1) auf der DVD ablegen. Beim Einsatz eines TV-Gerätes erlaubt die Datensicherung im 16:9-Format eine Steigerung der Bildauflösung um 33 Prozent im Vergleich zum klassischen 4:3-Fomat.

Auf einer DVD finden bis zu 32 »Subpicture Spuren« Platz. Das sind Spuren, die sich darum kümmern, etwa Untertitel in das Bild einzufügen. Bis zu acht verschiedene Tonformate von PCM über MPEG bis hin zu Dolby Digital und DTS lassen sich ebenfalls auf einer DVD unterbringen.

Typisch für eine Film-DVD ist auch ein Menüsystem. Es bietet oft - mit aufwändig animierten Bildsequenzen ausgestattet - einen schnellen Zugriff auf den Film und die ebenfalls auf der DVD gespeicherten Zusatzleistungen. Eine DVD kann dabei bis zu 99 Titel enthalten, die sich direkt anwählen lassen. Jeder Titel enthält bis zu 999 Kapitel. Auch sie lassen sich einzeln aufrufen. Oft werden Werbetrailer, Hauptfilm und Zusatzmaterialien in unterschiedliche Titel aufgeteilt, während alle Passagen des Films sich über die Kapitel anwählen lassen.

Filme in verschiedenen Sprachen

Eine DVD kann bis zu acht Tonspuren enthalten, um etwa den Ton eines Films in verschiedenen Sprachen ausgeben zu können. In Deutschland weisen DVD zumindest die Originalsprache und die deutsche Synchronisation auf. Meist kommen aber noch andere Sprachen dazu. Passend dazu dürfen bis zu 32 Untertitel-Fassungen enthalten sein. Dass eine DVD auch bis zu neun Bildperspektiven unterstützt, ist noch nicht so bekannt. Vor allem auf Konzertmitschnitten von Musikbands wird diese Funktion gerne genutzt, um das Konzert aus mehreren Blickwinkeln zeigen zu können. Informationen zu einer Alterssperre, die dann vom DVD-Player kontrolliert wird, finden ebenfalls auf der DVD Platz.

Exzellente Tonqualität

Neben der guten Bildqualität zeichnet sich die DVD vor allem durch eine exzellente Tonqualität aus. Beim Sound geben die Dolby Laboratories im wahrsten Sinne des Wortes den Ton an. Sie entwickelten 1976 das Tonaufnahmeverfahren SVA (Stereo Variable Area »Matrixing«) zusammen mit der Rauschunterdrückung Dolby A. Hier konnte ein Center Kanal und ein Rear Surround Kanal mit Hilfe einer Matrixkodierung in ein zweikanaliges Stereosignal eingearbeitet werden.

1986 folgte das Tonverfahren Dolby Stereo SR (Spectral Recording), das die Kanäle noch besser voneinander trennen konnte und eine optimierte Rauschunterdrückung aufwies. Dolby Stereo SR ist seitdem der Standardton von Filmen. Der Nachfolger Dolby ProLogic sorgte für einen noch räumlicheren Klang und wurde deswegen als Dolby Surround bekannt.

Allen Methoden ist eines gemeinsam: Aus dem zweikanaligen Stereosignal werden die über eine Matrix eingeklinkten Kanäle Center und Rear bei der Wiedergabe mit Hilfe eines Dekoders wieder isoliert. So kommt man mit einem Trick auf vier Kanäle, die sich auf die Lautsprecherboxen Frontbox links, Centerbox, Frontbox rechts und zwei Mono Rearboxen legen lassen - fertig ist das kleine Heimkino mit räumlichen Klang. Mängel wie Monoklang in den Rearboxen und keine optimale Trennung der einzelnen Soundeffekte sorgten aber dafür, dass weiter experimentiert wurde.

Mit den digitalen Mehrkanaltonvariante à la Dolby Digital und vor allem DTS (Digital Theater Systems) ist es schon einfacher, Soundinformationen vollständig getrennt auf mehreren Kanälen unterzubringen. Im Kino wurde Dolby Digital 1992 mit »Batman Returns« und DTS 1997 mit »Jurassic Park« eingeführt.

Carsten Scheibe

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