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DVD-Rezensionen: Von "Catwoman" bis "Peanuts"

stern.de-Mitarbeiter Carsten Scheibe hat sich für mehrere Nächte in sein Heimkino eingeschlossen und die neuesten DVDs angeschaut.

Catwoman

Die meisten Marvel-Comicverfilmungen gehen an der Kinokasse ab wie Schmitts Katze. "Spider-Man" war ein Hit, "Hulk" liegt gut im Rennen, der "Punisher" wurde gelobt und auch die beiden "X-Men"-Filme waren sichere Blockbuster. Verlagskonkurrent DC Comics kann da zurzeit nicht recht mithalten. Nachdem bereits die letzte "Batman"-Verfilmung floppte, konnte auch "Catwoman" an den Kassen nicht punkten. Dabei ließ sich das Studio die Produktion einiges kosten. Und Halle Berry als Catwoman ist im engen Lederdress auch ein echter Hingucker, der die Männerherzen höher schlagen lässt. Nur: Die Branche fand den Film so schrecklich, dass er für haufenweise Negativpreise nominiert wurde.

Schade eigentlich, denn die DVD zum Film bietet eine astreine und extrem detaillierte Grafik, tolle Soundeffekte und Action satt. Nur: der Funke will trotzdem nicht überspringen. Wir lernen die nette, aber etwas schüchterne Grafikerin Patience Philips (Halle Berry) kennen, die für einen Kosmetikkonzern arbeitet. Per Zufall kommt sie den üblen Machenschaften ihres Bosses auf die Spur. Der bastelt an einer Beautycreme, die alle Schönheit zerstört, wenn man sie nicht regelmäßig anwendet. Patience wird mit einer Ladung Giftmüll ins Meer gespült - und stirbt. Doch der Lebenskuss einer mysteriösen Katze sorgt dafür, dass Patience wieder erwacht. Auf einmal hat Patience ein ganz anderes Ich. Sie hat Superkräfte, extreme Reflexe und das - miau - wilde unbändige Wesen einer Katze.

"Catwoman" wirkt wie ein harter Actionfilm von Frauen für Frauen. Da geht es eben nicht nur um Action, sondern nebenbei auch noch um Liebe, Schminke und Selbstverwirklichung. Das schreckt das männliche Zielpublikum eher ab. Ein weiteres Problem: Bei allen Actionszenen erkennt man nur zu gut, dass sie aus dem Computer stammen. Schade: Chance vertan. Verleih: Warner
Ton: DD 5.1
Bild: 1:2,40
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: 100 Minuten
Preis: ca 20 Euro

Shanghai Knights

Der Kungfu-Kampfexperte Jackie Chan und der amerikanische Comedian Owen Wilson sind vor der Kamera ein absolut heißes Team. In der Western-Komödie "Shanghai Noon" haben die beiden schon einmal gezeigt, dass harte Fäuste und coole Sprüche noch immer ein Millionenpublikum anlocken können. Klar, dass da ein Nachfolger her musste. Alfred Gough und Miles Millar haben für "Shanghai Knights" wieder das Drehbuch geschrieben und ihre Sache sehr gut gemacht. Der zweite Teil toppt den ersten sogar noch und präsentiert sich als äußerst schräger Film für die ganze Familie.

Wir schreiben das Jahr 1887. In China wird der Verwahrer des kaiserlichen Siegels ermordet. Das trifft Sheriff Chon Wang (Jackie Chan) im fernen Amerika tief: Der Verwahrer war sein Vater. Sofort bricht Wang zusammen mit seinem Kumpel, dem Frauenhelden und Hallodri Roy O’Bannon (Owen Wilson) nach London auf, um sich hier mit seiner Schwester (Fann Wong) zu treffen, die dem Mörder auf der Spur ist. Das Trio kommt einer englisch-chinesichen Verschwörung auf die Spur. Chon Wang (wird gesprochen wie John Wayne) muss aber nicht nur den Mörder seines Vaters finden, sondern auch dafür sorgen, dass sein Kumpel nicht seine Schwester angräbt.

"Shanghai Knights" überzeugt mit tollen Kulissen und Kostümen, frechen Dialogen und zwei bestens aufgelegten Hauptdarstellern. Jackie Chan zeigt wieder einmal ausufernde Kampfszenen, wie man sie zuvor noch nie gesehen hat und für die er sich nicht von Stuntmen vertreten ließ. Owen Wilson haut dafür Sprüche raus, dass sich die Balken biegen. Hinzu kommt zahlreiche Verweise auf berühmte Persönlichkeiten. So treffen die beiden Freunde in London auf Jack the Ripper, Charlie Chaplin, Arthur Conan Doyle und Königin Victoria. Am Ende des Films gibt es natürlich wieder einen Zusammenschnitt mit den lustigsten Patzern vom Dreh. Verleih: Universum
Ton: DD 5.1
Bild: 1:2,35
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: 110 Minuten
Preis: ca 20 Euro

Die Promoterin

Viele Schauspieler sperren sich irgendwann gegen ihr erfolgreiches Image. So geht es auch Meg Ryan. Sie hatte absolut die Nase voll davon, immer nur das süße Mäuschen in romantischen Liebeskomödien zu spielen. Doch sobald sie sich in einem anderen Genre ausprobiert, fällt sie beim Publikum gnadenlos durch. So zählt auch "Die Promoterin" als Flop. Was schade ist, denn der Film ist gar nicht einmal schlecht.

Meg Ryan spielt die junge Jackie Kallen, die von Kindesbeinen an mit in den Boxhallen gestanden hat und die Branche kennt wie kein anderer. Doch niemand traut der blonden Frau auch nur einen Funken Boxverstand zu. Jackies Chance kommt, als sie von einem arroganten Boxpromoter herausgefordert wird. Sie beschließt, sich einen einfachen Kämpfer von der Straße zu holen und ihn zu einem Boxprofi aufzubauen. In dem schwarzen Straßenjungen Luther Shaw (Omar Epps) findet sie das passende Opfer für ihr Experiment.

"Die Promoterin" erzählt sehr einfühlsam, wie sich Jackie und Luther gegenseitig gut tun. Jackie gibt ihr letztes Hemd für ihren Job - und erntet erste Erfolge. Luther lernt Respekt, Benehmen und so etwas wie eine eigene Familie kennen. Über das Geld freuen sich natürlich beide. Doch letztlich ist es genau das viele Geld, das sie kurz vor dem Ziel auseinander bringt. Beide müssen erst lernen, was es bedeutet, gemeinsam in einer Ecke zu stehen.

"Die Promoterin" bietet superbe Boxszenen, punktet aber auch außerhalb der Ringseile mit einer zwar schon oft erzählten, aber noch immer spannenden Geschichte. Der Film selbst ist bis in die Nebenrollen exzellent besetzt und dürfte allen Cineasten bestens gefallen, die bereits bei "Rocky" mitgefiebert haben. Die Specials gehen auf die Figur der Jackie Kallen ein, die wirklich existiert: Der Film erzählt ihre Lebensgeschichte. Verleih: Paramount
Ton: DD 5.1
Bild: 1:2,35
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: 106 Minuten
Preis: ca 20 Euro

Harry Potter 3

Tja, liebe Kinder, bei der dritten Harry-Potter-Verfilmung müsst ihr dieses Mal leider draußen bleiben. Der neue Film ist nämlich erst ab 12 Jahren freigegeben und nicht bereits ab sechs Jahren, wie es bei den ersten beiden Teilen der Fall war. Schuld an der Misere ist natürlich die Autorin Joanne K. Rowling, die mit "Der Gefangene von Askaban" ein sehr düsteres Buch geschrieben hat. Schuld ist aber auch der Nachfolger von Harry-1+2-Regisseur Chris Columbus - Alfonso Cuarón. Er hat einen an vielen Stellen ganz besonders düsteren Film gedreht, der bei kleinen Kindern schnell Alpträume hervorruft.

Harry Potter (ziemlich gewachsen, bereits ein echter Teenager) hat im neuen Film ein echtes Problem: Der Mörder seiner Eltern (Gary Oldman) ist aus dem Zauberergefängnis geflohen und möchte nun Harry ans Leben - so scheint es jedenfalls. Die unheimlichen Wächter von Askaban - die Dementoren - werden nach Hogwarts berufen, um Harry zu schützen. Doch scheint es eher so, als ob die Dementoren Harry lieber selbst umbringen möchten.

Der Fantasy-Film bietet einmal mehr großes Kino mit fantastischen Szenen, in denen es um Magie, Monster und erstmals auch um Mädchen geht. Doch bei aller Fantastik und allen Trickeffekten hat der Zuschauer das Gefühl, im verwirrenden Schnelldurchlauf durch die Handlung geschleust zu werden. Wer das Buch nicht mehr genau im Kopf hat, wird über weite Strecken hinweg nicht ansatzweise verstehen können, um was es in dem Film überhaupt geht: Zu viele Dinge werden einfach nicht erklärt.

Die DVD-Umsetzung bietet auf zwei Silberscheiben viele Extras an, darunter unveröffentlichte Szenen, ein Interview mit der Autorin, Trailer und ein DVD-ROM-Part. Der Zuschauer kann außerdem das Klassenzimmer von Professor Lupin besuchen und in den Honigtopf gehen. Verleih: Warner
Ton: DD 5.1
Bild: 1:2,40
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: 136 Minuten
Preis: ca 20 Euro

Hellboy

Comicverfilmungen liegen in Hollywood im Trend. Inzwischen hat es den Comic "Hellboy" von Mike Mignola erwischt. Doch das Bangen der Fangemeinschaft war umsonst: Regisseur Guillermo Del Toro legt einen Genrefilm vor, der von A bis Z überzeugt und mit seinem launigen Charme zum Kult taugt.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Im Zweiten Weltkrieg tun sich die Nazis mit dem Magier Rasputin zusammen, um ein Tor zur Hölle aufzubauen. Bevor die Alliierten dem Spuk ein Ende bereiten, schlüpft etwas in unsere Welt - ein kleines Teufelsbaby. Dieses Baby wächst schnell zu einem riesigen rothäutigen Monster heran, das Zigarre raucht, sich die Hörner mit dem Schwingschleifer abraspelt und coole Sprüche reißt. Für Ron Perlman, der bislang nur in kantigen Nebenrollen zu sehen war, ist "Hellboy" der Auftritt seines Lebens. Im Film taucht Rasputin mit den Nazis wieder auf, um das Tor zur Hölle noch einmal aufzustoßen. Nebenbei muss sich der Hellboy mit einem uralten Monster beschäftigen, das nach jeder Niederlage in doppelter Anzahl wieder ins Leben zurückkehrt.

"Hellboy" bietet eine ganz eigene Optik mit wunderbaren Spezialeffekten, die vor allem das kalte Feuer von Hellboys Freundin (wunderbar filigran: Selma Blair) perfekt zur Geltung bringen. Neben ordentlich Action und coolen Machosprüchen gibt es aber auch viele Szenen im Film, die Hellboys weiche Seite zeigen. Da ist für jeden Geschmack das Passende dabei. Hoffentlich darf Perlman noch einmal für eine Fortsetzung in sein Komplettkostüm steigen. Der Director’s Cut ist zehn Minuten länger als der Kinofilm. Auf gleich drei DVDs gibt es Extras satt, darunter einen Blick hinter die Kulissen, Storyboard-Ansichten, entfallene Szenen, Trailer, Audiokommentare und eine Abhandlung über den Comic. Der Box liegt ein exklusiver Hellboy-Comic bei. Verleih: Columbia Tristar
Ton: DD 5.1
Bild: 1:2,35
FSK: ab 16 Jahren
Laufzeit: 127 Minuten
Preis: ca 25 Euro

Der Wixxer

Oliver Kalkofe und Oliver Welke legen mit ihrer zum Teil sogar in Schwarzweiß gedrehten Edgar-Wallace-Parodie "Der Wixxer" keinen gewollten Nachfolger passend zum Riesenerfolg des "Der Schuh des Manitu" vor. Ihr Konzept ist alles andere als mit der heißen Nadel gestrickt, sondern gärt schon deutlich länger vor sich hin. Beide Olivers haben ihre kenntnisreiche Parodie bereits für das Frühstyxradio des Radiosenders FFN produziert und sie fürs Kino nur noch einmal neu adaptiert. Die skurrilen Erlebnisse der beiden trotteligen englischen Inspektoren Very Long und Even Longer machen sich aber auch auf der Kinoleinwand sehr gut.

Wer die betulichen Edgar Wallace-Filme aus den Sechzigern kennt, hat den Vorteil, die zahllosen Anspielungen im Film zu verstehen. Es geht aber durchaus auch ohne, wenn die Creme de la creme der deutschen Comedy vor der Kamera blödelt, was das Zeug hält. Anke Engelke, Olli Dittrich, Christoph-Maria Herbst (genial als Hitler-Butler), Thomas Fritsche (als herrlicher Bösewicht) und Wolfgang Völz haben allesamt sehr gute Szenen. Am meisten bleibt allerdings Bastian Pastewka im Gedächtnis hängen.

Er spielt den Even Longer wirklich zu schön. Negativ fällt leider Initiator Kalkofe auf: Er kann einfach nicht gut schauspielern und wirkt in seinen Szenen stets deplatziert. Als Zuschauer denkt man einfach zu oft: Ja, was macht denn der Kalkofe da? Trotz dieses Ausfalls: Der "Wixxer" feuert ein intelligentes Gagfeuerwerk aus leisen und lauten Scherzen ab, das sich sehen lassen kann.

Die Doppel-DVD der Deluxe Edition bietet ein fantastisch scharfes Bild und einen superben Ton. Ein echtes Highlight sind die zahlreichen DVD-Extras. Sie enthalten neben den obligatorischen Audiokommentaren auch ein Making of, entfernte und ungekürzte Szenen, Patzer vom Dreh, Probeaufnahmen und ein Musikvideo.

Verleih: Universum
Ton: DD 5.1
Bild: 1:2,35
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: 83 Minuten
Preis: ca 25 Euro

Frankenfish

In den Flüssen, Seen und Meeren dieser Erde lauern hungrige Piranhas, Haie, Kraken, Krokodile und Riesenanakondas - das haben uns diverse Katastrophenfilme bereits ausgiebig und auf ziemlich blutige Weise bewiesen. "Frankenfish" reiht sich munter ein ins Genre der Filme mit Amok laufenden Monstertieren. "Spawn"-Regisseur Mark Dippé lädt uns in die Sümpfe von Louisiana ein. Auf den Hausbooten, die fernab von jeder Zivilisation im Matsch dümpeln, leben die gesellschaftlich Ausgestoßenen, die Hippies, Freaks und Kriegsveteranen, die ansonsten niemand mehr neben sich dulden möchte.

Ausgerechnet in dieser Gruppe kommt es zu blutigen Morden. Ein riesiger genmutierter Schlangenkopffisch frisst alles auf, was auch nur den großen Zeh ins Wasser steckt. Der schwarze Gerichtsmediziner Sam setzt sich prompt in sein Boot, um die Todesfälle in den Bayous aufzuklären. Und dann gibt es da auch noch die Jungs von der Mafia, die versuchen, ihre im Labor gezüchteten Fische wieder einzufangen.

"Frankenfish" ist echter Trash. Die Handlung ist vom Drehbuchautor wahrscheinlich im volltrunkenen Zustand auf einen Bierdeckel gekritzelt worden. Die Riesenfische sehen auch nicht besonders echt aus: Zu oft erkennt man die Computertricks als solche oder staunt über Pappmaché.

Trotzdem: Für diese Art Filme gibt es ein treues Splatter-Publikum. Und so muss man dem Film zugestehen, die Beteiligten auf sehr einfallsreiche Weise vom Leben in den Tod zu befördern. Natürlich ist es auch noch nicht damit getan, den ersten Fisch abzumurksen: Es gibt noch mehr davon. Und so raunt der Film dem Zuschauer nicht umsonst zu: Willkommen am Ende der Nahrungskette.

Wie es bei einem solchen Metzelfilm üblich ist, weisen Bild und Ton bestenfalls DVD-Durchschnitt auf. Verleih: Columbia Tristar
Ton: DD 5.1
Bild: 1:1,78
FSK: ab 16 Jahren
Laufzeit: 81 Minuten
Preis: ca 20 Euro

Sniper 3

Sergeant Thomas Beckett (Tom Berenger) ist beim Marine-Corps nicht mehr besonders gut gelitten. Er säuft, gilt als ganz besonders schwierig und widersetzt sich auch gerne den Anweisungen seiner Vorgesetzten. Trotzdem muss der brillante Scharfschütze ein weiteres Mal reaktiviert werden: Seine Schießkünste werden ein letztes Mal von Onkel Sam benötigt. Becketts früherer bester Freund aus alten Vietnam-Zeiten, Paul Finnegan, ist anscheinend zu den Bösen übergewechselt.

Skrupellos handelt er mit Drogen und hat dabei seine Operationsbasis ausgerechnet in den unterirdischen Tunneln der vietnamesischen Kriegsfelder aufgebaut. Beckett wird nach dem Krieg ein zweites Mal nach Vietnam geschickt, dieses Mal, weil er Finnegan und die Höhlen kennt. Sein Auftrag: den alten Kumpel ausknipsen.

Tom Berenger spielt den Scharfschützen Beckett zum dritten Mal. Und er macht seinen Job wieder sehr gut. Er legt seine Figur als schwierigen und kantigen Armee-Haudegen an, der Probleme mit der eigenen Vergangenheit hat - und aufgrund eines merkwürdigen Zitterns in den Händen eigentlich gar nicht mehr am Gewehr positioniert werden dürfte.

"Sniper 3" erzählt seine Geschichte geradlinig und schnörkellos. Auch das passt zum stoischen Charakter Berengers, der in der Vergangenheit oft in ähnlichen Rollen zu sehen war. Der Film überzeugt vor allem durch die fantastischen Kulissen der vietnamesischen Landschaft - und durch einen neuen Sidekick, einen jungen vietnamesischen Cop, der etwas mehr Schwung in den Film bringt. Nach knapp anderthalb Stunden hat Beckett wieder einen eigentlich unmöglichen Schuss abgegeben und seinen Auftrag bewältigt. Trotz Spannung und guter Actionszenen: Jetzt sollte man dem Mann seine Rente aber auch wirklich gönnen. Verleih: Columbia Tristar
Ton: DD 5.1
Bild: 1:1,85
FSK: ab 18 Jahren
Laufzeit: 87 Minuten
Preis: ca 20 Euro

Super Size Me

Michael Moore hat das Dokumentarkino gesellschaftsfähig gemacht. Auf seinen Spuren wandelt nun auch Morgan Spurlock. Der Filmemacher wurde auf dem Sundance Film Festival 2004 für "Super Size Me" als bester Regisseur ausgezeichnet.

Morgan Spurlock stellt sich in seinem Film eine Frage: Warum werden die Amerikaner immer dicker? Immer mehr Forscher geben inzwischen der Fast-Food-Industrie die Schuld daran, dass die meisten Amerikaner nicht mehr ihre eigenen Füße sehen können. Doch stimmt das wirklich? Spurlock wagte ein faszinierendes Eigenexperiment. Unter ständiger ärztlicher Kontrolle beschloss der dürre Filmemacher, sich 30 Tage lang nur noch von den Produkten einer bekannten Hamburger-Kette zu ernähren.

Der Film zeigt sehr spannend, wie sich Spurlock mit der Zeit verändert. Er nimmt deutlich an Gewicht zu. Seine Blut- und Leberwerte verschlechtern sich besorgniserregend. Er fühlt sich schlapp und ausgelaugt. Nur beim Essen hat Spurlock spontane Glücksgefühle. Seine Freundin verrät, dass der Sex schlechter geworden ist. Zwischendurch lässt Spurlock Forscher zu Wort kommen, veranschaulicht erstaunliche Fakten und zeigt auf, wie die Kinder bereits in der Schule mit Pommes und Cola zu dicken Schweinchen herangemästet werden. Und wie es einer modernen Einrichtung gelingt, auffällig gewordene Kinder mit einer normalen zucker- und fettarmen Ernährung wieder zu beruhigen.

"Super Size Me" ist sehr gut gemacht. Nach dem Film wird so mancher Zuschauer überlegen, ob er nicht in Zukunft lieber die Finger von Hamburgern und Cola lässt. Natürlich ist der Film auch reißerisch und einseitig produziert. Aber: Er bringt Argumente vor, die gehört werden sollten.

Im Film wurde die Stimme aus dem Off ins Deutsche übersetzt. Alle anderen Kommentare im Film verbleiben im Original, werden aber untertitelt. Verleih: Paramount
Ton: DD 5.1
Bild: 1:1,78
FSK: ohne Beschr.
Laufzeit: 99 Minuten
Preis: ca 20 Euro

TV Total Vol. 4

König Lustig Stefan Raab lädt an vier Abenden in der Woche zu seiner Comedy-Latenight-Show "TV Total", die stets nach 22 Uhr auf dem Sender Pro 7 läuft. Immer häufiger verzichtet Raab inzwischen darauf, andere Leute durch den Kakao zu ziehen. Stattdessen plant und zelebriert der ehemalige Mett-Meister Events, wie sie das Fernseh-Deutschland bislang noch nicht gesehen hat. Das kommt seiner Best-of-Sammlung auf DVD nur zugute. Die vierte Kollektion auf drei DVDs bietet so auch jede Menge erstklassiger Events an, die sich nun im eigenen Heimkino noch einmal neu erleben lassen.

Die erste DVD sammelt beide Wok-WMs. Hier kann der Fan miterleben, wie sich zahlreiche Promis nur mit einer chinesischen Bratpfanne unter dem Hintern und zwei Suppenkellen unter den Füßen in den Eiskanal einer Bob-Bahn gestürzt haben. Die TV Total Olympiade darf auch nicht fehlen. Hier zeigen Raab und seine Crew Sportlerqualitäten bei klassischen Sportarten wie dem Hochsprung, dem Kugelstoßen oder dem 1500 Meter Lauf. Etwas langweiliger ist da schon das TV Total Championat 2004, das zeigt, dass das Reiten auf einem Pferd zwar schwierig, für den Zuschauer aber nicht unbedingt spannungsgeladen ist.

Die zweite DVD widmet sich dem SSDSGPS und damit Stefan Raabs Versuch, einen eigenen Sangesstar zu casten. Die Scheibe zeigt die schlimmsten Sänger Deutschlands ebenso wie die Finalisten um Max, die mit Qualität und guter Performance brillieren. Die dritte DVD ist der guten Laune vorbehalten. Hier darf Elton wieder Passanten zu fiesen Spielen herausfordern. An dieser Stelle gibt es aber auch den schockierenden Erstwählercheck, Eltons Dschungelprüfungen und "Stefan an der Tickethotline". Kurzum: Für ihr Geld bietet diese Kompilation viel Fernsehvergnügen. Verleih: BMG
Ton: DD 2.0
Bild: 4:3
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: 470 Minuten
Preis: ca 25 Euro

Star Trek Vol. 3

Der Weltraum. Unendliche Weiten. In eben diese Weiten dringt im Jahr 2200 das Raumschiff NCC 1701 - genannt Enterprise - vor. Auf dem Chefsessel sitzt James T. Kirk. Er dirigiert sein Schiff dorthin, wo noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist. Mit an Bord sind der Vulkanier Mr. Spock, der Schiffsarzt Pille McCoy und der Ingenieur Scotty.

1969 staunte die Welt über die dritte Staffel einer neuen Science-Fiction-Serie fürs Fernsehen, die noch heute als wegweisend gilt. 24 Episoden waren in dieser Staffel zu sehen. Doch obwohl die Abenteuer der Enterprise heute als Kult gelten, konnten sich die Episoden damals nur schwer durchsetzen. Bereits nach der zweiten Staffel sollte eigentlich Schluss sein. Doch gut eine Million Beschwerdebriefe sorgten beim US-Sender NBC für Rückenwind, der wenigstens noch die dritte und letzte Staffel sicherte.

Keine Frage: Miese Kulissen, hölzerne Schauspieler und ziemlich schräge Drehbücher lassen die alten Episoden dilettantisch wirken. Trotzdem schaffen es die Episoden immer wieder, den Zuschauer zu packen, sodass er wirklich das Gefühl hat, mit der Crew völlig fremde Welten zu erkunden.

Paramount legt die dritte Staffel in einem roten Ziegelstein auf sieben DVDs vor. Somit können alle Trekker ihre Sammlung endlich komplettieren. Wieder fällt allerdings auf, dass die Verarbeitung der Plastikschuber nicht eben benutzerfreundlich ist. Ärgerlicher ist, dass der Ton der US-Folgen in Dolby Digital 5.1 vorliegt, während sich die deutsche Tonspur nur in Mono abspielen lässt. Da hilft nur eines: Die eigenen Englisch-Kenntnisse reanimieren und das Raumschiff Enterprise im Original über den Bildschirm sausen lassen.

Zur DVD-Kollektion gehören viele Extras, darunter Erinnerungen der Crew, viele Trailer und Berichte über die Fans. Verleih: Paramount Ton: DD Mono Bild: 4:3 FSK: ab 12 Jahren Laufzeit: 1296 Minuten Preis: ca 95 Euro

Star Trek Voyager 5

Die einen lieben sie, die anderen verachten sie aus tiefster Seele. Die Rede ist von der Star Trek Schwesterserie "Voyager". In der sehr modern gehaltenen und mit großem Aufwand inszenierten Fernsehserie durfte erstmals eine Frau ans Steuer. Captain Janeway (Kate Mulgrew) setzt ihr Raumschiff Voyager natürlich auch gleich - bildlich gesprochen - gegen den nächsten Baum. Der geheimnisvolle Fürsorger reißt die Voyager auf ihrer allerersten Mission aus dem bekannten Kosmos und schleudert sie in den Delta-Quadranten. Der ist Ewigkeiten von den Gefilden der Förderation entfernt. Die TV-Serie erzählt demnach auch vom verzweifelten Versuch der Crew, wieder in die Heimat zurückzukehren.

Die fünfte Staffel setzt genau diese Heimatsuche wieder ins Zentrum des Geschehens. Die Voyager hält demnach nicht mehr an jedem bedeutungslosen Mond an, um sich in die Geschicke der hier lebenden Außerirdischen einzumischen. Das tut der Serie gut, die sich so deutlich mehr auf die schillernden Persönlichkeiten an Bord konzentrieren kann. Ein Hingucker ist vor allem die Borg-Aussteigerin Seven of Nine, die sexy aussieht, gefühlsmäßig aber doch ganz kalt ist. Die Staffel endet mit einem echten Cliffhanger.

In der Folge "Equinox 1" stößt die Voyager auf ein zweites Föderationsschiff, das sich ebenfalls verirrt hat. Actionfreunde dürfen sich auf viele düstere Auseinandersetzungen mit neuen und ziemlich starken Feinden freuen. Auch die Borg treten wieder einmal auf den Plan. Da reiben sich viele Science-Fiction-Freunde die Hände. Zumal alle Folgen mit Mehrkanalsound ausgestattet sind.

Die Episoden der fünften Staffel sind auf sieben DVDs gespeichert. Die Scheiben liegen in einem einfachen Jewelcase-Block vor, der in einem tiefroten aufklappbaren Plastikschuber steckt. Verleih: Paramount
Ton: DD 5.1
Bild: 4:3
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: 1200 Minuten
Preis: ca 100 Euro

Bekenntnisse einer Highschool Diva

Lindsay Lohan gilt seit ihrem starken Auftritt in der Disney-Komödie "Freaky Friday" als aufstrebender Teenager-Star. Da ist es kein Wunder, dass Disney die singende Schönheit gleich exklusiv an sich gebunden hat, um einen Film nach dem anderen mit ihr zu drehen.

Der Ruhm ist Lohan aber anscheinend zu Kopf gestiegen. In der Regenbogenpresse wird immer wieder von ihrem Zickentum am aktuellen Set geschrieben. Entsprechende Dünkel sollte sich die Schauspielerin ganz schnell wieder abgewöhnen: "Bekenntnisse einer Highschool Diva" ist ein echter Rohrkrepierer geworden.

Lohan spielt die 15-jährige Lola Cep, die entsetzt darüber ist, dass ihre schräge Mutter aus dem coolen New York in ein Kuhkaff in New Jersey zieht. Melodramatisch fügt sich Lola in ihr Schicksal. Doch in Dellwood geht die Misere weiter. Lola freundet sich mit dem Schultrampel Ella (Alison Bill) an, zieht die Feindschaft der Schulzicke Carla (Megan Frost) auf sich und muss auch noch miterleben, dass sich ihre Lieblingsrockband Sidarthur trennen möchte. Für Lola und Ella gibt es jetzt nur noch eines: Sie müssen es schaffen, das Abschiedskonzert der Band in New York zu besuchen.

Der kitschig-überdrehte Teenager-Streifen fängt schwach an und lässt dann ziemlich stark nach. Lohan legt die Lola so zickig und arrogant an, dass man sie einfach nicht leiden mag. Auch die Gags zünden überhaupt nicht. So können allein die Schauspielerinnen der Nebenrollen überzeugen. Aber sie retten weder das miese Drehbuch noch die hypermotorische Hauptdarstellerin. Wahrscheinlich ertragen nur 15-jährige Teenager-Mädchen mit Rockstar-Liebeskummer dieses anspruchslose "Drama". Sollen die sich doch über die DVD-Extras freuen, die eine zusätzliche Szene, ein Musikvideo und Audio-Kommentare enthalten.

Verleih: Disney
Ton: DD 5.1
Bild: 1:1,85
FSK: ohne Beschr.
Laufzeit: 86 Minuten
Preis: ca 20 Euro

Mulan 2

Läuft ein Disney-Zeichentrickfilm im Kino ganz ordentlich, dürfen die Zeichner Überstunden schieben, um gleich einen zweiten Teil zu produzieren. Der kommt dann gar nicht erst in die Kinos, sondern landet gleich in der Videovermarktung. Der Erfolg dieser Sequals ist überraschend groß. Sie bieten oft eine einfachere Grafik, simplere Songs und eine besonders leicht verständliche Handlung. So sinken die Produktionskosten. Den Kindern fällt das nicht weiter auf. Sie sind bereits froh, dass sie ihre Kinohelden noch einmal in einem neuen Abenteuer erleben können.

Die Fortsetzung von "Mulan" (1998) gehört zu den besseren Umsetzungen aus diesem Pool. Mulan und General Shang möchten endlich heiraten. Doch vorher müssen die beiden noch einen letzten Auftrag des Kaisers erledigen. Es gilt, drei Prinzessinnen auf ihrem Weg zu ihren eigenen Hochzeiten durch das Land zu geleiten. Doch als Mulan bemerkt, dass die Prinzessinnen zu ihrem Glück gezwungen werden, trifft sie eine Entscheidung, die den Lauf der Geschichte ändern wird.

"Mulan 2" lebt einmal mehr auch von den fantastischen Landschaftsaufnahmen, die das alte China zu neuer Größe auferstehen lassen. Damit sich die kleinen Zuschauer in der neuen Geschichte wohl fühlen, gibt es mit dem lustigen Mushu (gesprochen von Otto Waalkes) einen klassischen Sidekick, der mit seinen Späßen für gute Stimmung sorgt. Leider konnten die meisten Synchronsprecher aus dem ersten Teil nicht für die Fortsetzung gewonnen werden.

Der Film ist mit 75 Minuten recht kurz. Umso ausführlicher fallen die DVD-Extras aus. Otto höchstpersönlich begrüßt die Zuschauer. Hier gibt es ein Interview mit Otto, zusätzliche Szenen, einen Bericht von den Synchronarbeiten, ein Disney-Lexikon passend zu Mulan, ein interaktives Ratespiel und eine Trailershow. Verleih: Disney
Ton: DD 5.1
Bild: 1:1,78
FSK: ohne Beschr.
Laufzeit: 75 Minuten
Preis: ca 20 Euro

Peanuts 7

Über 50 Jahre lang erdachte und zeichnete der Amerikaner Charles M. Schulz die Comicstrip-Abenteuer seiner Peanuts. Die Vier-Bilder-Abenteuer von Charlie Brown und seinen Freunden erschienen ab 1953 in zahllosen Tageszeitungen und Comic-Magazinen. Der immense Erfolg der vergnüglichen Geschichten um eine Hand voll Kinder brachte 1965 die Filmproduzenten Lee Mendelsohn und Bill Melendez auf den Plan. Sie kurbelten zahlreiche 20-Minuten-Trickfilme mit den Peanuts ab, die nun - Jahrzehnte nach ihrer Erstausstrahlung - endlich in einer Komplettausgabe auf DVD erscheinen.

Die siebte DVD sammelt vier neue Episoden, die aus den Jahren 1973 bis 75 stammen. In der Folge "Erntedankfest" fordert Peppermint Patty Charlie Brown auf, für sich und ihre Freunde ein Erntedankfest auszurichten. Charlie Brown kann doch aber nur Haferbrei kochen - und keinen Truthahn. Ob das wohl reicht? Probleme hat auch Charlie Browns Schwester Sally. Sie braucht für die Schule ein Vogelnest als Anschauungsobjekt. Kurzerhand klaut sie Woodstocks Nest. In "Wer hat das Nest geklaut" nimmt Snoopy als Sherlock Holmes die Fährte des Diebes auf.

Weiter geht es mit der Geschichte "Es ist doch der Osterbeagle". Der sensible und an seiner Schmusedecke hängende Linus glaubt daran, dass der Osterbeagle kommen wird, um allen artigen Kindern ein bemaltes Ei zu schenken. Die anderen Kinder lachen Linus nur aus. Am Ende kommt der Osterbeagle aber doch. Die letzte Folge auf der DVD heißt "Ich schwärme für dich". Charlie Brown muss den Horror des Valentinstags über sich ergehen lassen. Alle seine Freunde bekommen tolle Geschenke und Karten, nur er nicht. Ein Jammer.

Auf der DVD finden sich viele Extras sowie die Bonusfolge "Der Wettlauf mit der Eisenbahn" aus dem Jahr 1989. Verleih: Alive
Ton: DD 2.0
Bild: 4:3
FSK: ohne Beschr.
Laufzeit: 150 Minuten
Preis: ca 20 Euro

Tom und Jerry: Spaß im Winter

Kater Tom und Maus Jerry führen bereits seit Jahrzehnten einen vergnüglichen Nachbarschaftsstreit, der unter dem Einsatz exzessiver Gewaltmittel vonstatten geht. Viele Eltern wissen nicht, ob sie diese politisch eigentlich inkorrekten Zeichentrickfilme vor ihrem Nachwuchs verstecken oder stattdessen lieber lauthals mitlachen sollen. Klar ist jedenfalls, dass alle Kinder die (meistens für Tom) schmerzhaften Späße von Katz und Maus über alles lieben.

Warner legt inzwischen nicht nur eine Komplettsammlung mit sämtlichen Tom&Jerry-Trickfilmen auf zwölf DVDs vor, sondern bietet auch immer wieder Themensammlungen außerhalb der Reihe an. Auf der DVD "Spaß im Winter" beschließen Kater und Maus, passend zur besinnlichen Weihnachtszeit Frieden zu schließen und sich den Platz vor dem warmen Kamin zu teilen. Doch unsere beiden Lieblingsfeinde schaffen es einfach nicht, nett zueinander zu sein. Und so kommt es schon bald wieder zu cholerischen Ausbrüchen von Tom, bei denen das ganze Haus in Schutt und Asche gelegt wird.

Schade ist, dass auf der DVD nur eine einzige Episode zu finden ist, die das Thema „Spaß im Winter“ auch wirklich thematisch umsetzt. Die anderen Filme haben mit dem Winter nicht das Geringste zu tun. Aber den Stempel „Thema verfehlt“ konnte man auch schon der Reisen- und Gruselsammlung von Tom&Jerry verpassen. So gesehen lohnt sich die Anschaffung der sieben Episoden mit einer Spielzeit von gerade einmal 45 Minuten nur für die Eltern, die eine - irgendeine - Tom&Jerry-DVD für ihren Nachwuchs anschaffen möchten. Wer bereits auf die Komplettsammlung schielt, sollte diese DVD nicht kaufen. Die sieben Episoden sind natürlich auch in der Komplettsammlung enthalten.

Zu den DVD-Extras gehören ein Zeichenkurs, ein interaktives Spiel und ein Musikvideo. Verleih: Warner
Ton: DD
Bild: 4:3
FSK: ohne Beschr.
Laufzeit: 45 Minuten
Preis: ca 15 Euro Carsten Scheibe, DVD-Portal Typemania