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Zukunft ungewiss Bonds größte Krise

Daniel Craig als James Bond
Quo vadis, James Bond?
© Columbia Tristar/DPA
Hauptdarsteller auf dem Absprung. Regisseur weg. Motivation am Kippen. Das James-Bond-Franchise erlebt gerade seine größte Krise seit 9/11. Die Agentenreihe braucht nichts weniger als eine Neuerfindung.
Von Sophie Albers Ben Chamo

Wenn der Hauptdarsteller "sich lieber die Pulsadern aufschlitzen" würde, als einen weiteren Film zu drehen. Und wenn der Regisseur sagt, er würde sich jetzt gern mal etwas "Frischem" widmen, dann muss sich James Bond seinem inneren Blofeld stellen. Die erfolgreichste Kinoreihe aller Zeiten erlebt ihren Quo-Vadis-Moment: Wo soll es hingehen? Was hat James Bond noch mit unserem Zeitgeist zu tun?

Die Aufregung um Daniel Craigs Unlust auf einen weiteren Bond hat sich gerade etwas gelegt, da gibt Regisseur Sam Mendes ("Skyfall" und "Spectre") bekannt, dass er raus ist. Nach fünf Jahren sei es Zeit für jemand Neues, zitiert der "Guardian" den Filmemacher ("American Beauty"). Und er hoffe, dass der nächste Regisseur eine "unerwartete Richtung" einschlagen werde.

Erstmals eine Frau für die Bond-Regie?

Die "Radio Times" hat nun exklusiv von einer angeblich Shortlist für eine mögliche Mendes-Nachfolge berichtet, auf der die dänische Filmemacherin Susanne Bier ganz oben stehe. Sie wäre die erste Frau, die 007 inszenieren darf. Beste Bewerbung für den Job ist ihre im Januar ausgestrahlte hochgelobte Miniserie "The Night Manager", die außerdem Hauptdarsteller Tom Hiddleston in den britischen Wettbüros auf Platz eins der möglichen Craig-Nachfolge katapultierte. Fans wünschen sich aber auch lauthals Idris Elba als ersten schwarzen Bond - oder auch eine Jane Bond mit Gillian Anderson. 

Allerdings hätten die Fans bei dieser Entscheidung rein gar nichts zu melden, sagt Sam Mendes: "Barbara Broccoli entscheidet, wer der nächste Bond wird. Punkt." Immerhin: Bei Craig habe sie eine gute Nase bewiesen, als sie sich für einen unbekannten Schauspieler entschied, der "null" Unterstützung von den Fans bekam, doch die Filmreihe letztlich wiederbelebt habe. Was nach 9/11 nicht einfach war. "Eines kann ich Ihnen versichern: Was immer als nächstes passiert, es ist nicht das, was Sie erwarten", sagt Mendes. 

Ein Bond mit Zukunft

Ob ein neuer Darsteller und Regisseur allerdings ausreichen, um das berühmte Geschöpf des Kalten Krieges ein für alle Mal in die Gegenwart zu holen? Alles, was Bond ausmacht - der Luxus, der Sexismus, die Dekadenz, der Elitarismus -, macht ihn, wenn nicht zum Feindbild, mindestens zur Witzfigur aus heutiger Sicht.

Der britische Journalist Paul Mason schlägt deshalb vor, den originalen Bond auf Zeitreise zu schicken: aus dem Jahr 1953 ins Jahr 2016. Mal abgesehen vom Unverständnis für das Rauchverbot würde der ausgebildete Geheimagent sich bald mit den Bedrohungen befassen, denen die westliche Gesellschaft ausgesetzt ist, als da wären: Dschihadismus, (der alte Bekannte) Russland, aber vor allem die Gier der Reichen, immer reicher zu werden. "Die Panama Papers würden diesen Bond ausreichend mit Zielobjekten versorgen", so Mason. Er würde gegen "ein globales Netzwerk gier-getriebener Irrer" kämpfen. Problem daran: Die wären - anders als Bonds katzenkraulende Sadisten - ganz real. Es wäre ein politischer Bond. Und damit eine echte Herausforderung.


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