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Jürgen Prochnow: Das Pokerface wird 65

Als Kapitän des "Bootes" gelang ihm der Durchbruch im internationalen Filmgeschäft. Mit seinem kantigen, narbigen Gesicht passt er perfekt in Hollywoods Schurken-Klischee. Doch er kann auch anders.

Bei dem Film "Sakrileg" ("The Da Vinci Code") hat Jürgen Prochnow richtig Glück gehabt: Hollywood besetzte den deutschen Schauspieler einmal nicht als brutalen Nazi-Offizier, wie 1996 in "Der englische Patient". Er musste auch keinen korrupten Richter spielen, wie 1994 in dem Stallone-Action-Streifen "Jugde Dredd", oder als Fiesling zuschlagen, wie in dem Anti-Apartheid-Film "Weiße Zeit der Dürre". Für die Verfilmung des Bestsellers von Dan Brown trat Prochnow, der 65 Jahre alt wird, im eleganten Nadelstreifenanzug vor die Kamera, als Bankdirektor André Vernet. Natürlich hat auch dieser Charakter eine undurchsichtige Seite.

Der gebürtige Berliner hat als einer der wenigen deutschen Schauspieler in der kalifornischen Wahlheimat richtig Fuß fassen können, auch wenn seine Rollen häufig auf "fiese" Typen beschränkt sind. Seinen Wohnsitz verlegte er schon in den 80er Jahren nach Hollywood, doch für Fernsehfilme und Theaterauftritte kommt er auch regelmäßig nach Deutschland zurück. So drehte er vor drei Jahren in seiner alten Heimat den Politthriller "Baltic Storm" über die Schiffskatastrophe der "Estonia". Es sei ihm "ein echtes Bedürfnis", sich wieder mit seiner Muttersprache zu beschäftigen, bekannte er vor Beginn seiner Deutschland-Tournee mit dem "Rilke-Projekt", bei dem er im Jahr 2004 Texte des Schriftstellers Rainer Maria Rilke sprach.

Debüt im Tatort

In die Welt des Films und der Bühne flüchtete er sich bereits im Alter von 14 Jahren. Die Schule in Düsseldorf verließ er vor dem Abitur, auf Wunsch der Eltern absolvierte er eine Banklehre. Das Theater, wo er nebenbei als Laiendarsteller und Beleuchter arbeitete, war sein Zufluchtsort.

Eine Rolle in einem Fernsehkrimi sollte das Leben des Schauspielers verändern: 1973 wurde er von Regisseur Wolfgang Petersen für die Tatort-Episode "Jagdrevier" engagiert. Drei Jahre später schrieben beide mit dem Liebesdrama "Die Konsequenz" Filmgeschichte. Prochnow spielte darin einen Homosexuellen - damals Grund genug für den Bayrischen Rundfunk, sich aus dem Programm auszublenden.

Prochnow zieht Lederhosen an

1981 gelang beiden der internationale Durchbruch. Petersen gab Prochnow die Rolle des strengen, aber menschlichen U-Boot-Kapitäns in dem Film "Das Boot". "Ich hatte unglaublich Glück, die Hauptrolle in einem Film zu spielen, der unglaubliches Aufsehen in Amerika erregte", sagte Prochnow später. Seit dem Welterfolg des Films ist er in Hollywood Stammgast. In David Lynchs "Wüstenplanet" (1984) spielte er einen ritterlichen Fürsten, in "Beverly Hills Cop II" (1986) an der Seite von Eddy Murphy einen Waffenhändler, mit Madonna den Erotik-Thriller "Body of Evidence" (1992), und wieder unter der Regie von Petersen einen russischen Rebellen in "Airforce One" (1997). Für die Rolle von Arnold Schwarzenegger in der TV-Biografie "See Arnold Run" trainierte er zuletzt seine Muskeln und einen österreichisch- amerikanischen Akzent.

Und jetzt stemmt Prochnow auch noch Münchner Bierkrüge. Bei den Dreharbeiten zu der amerikanischen Oktoberfest-Komödie "Beerfest" legten Prochnow und sein Landsmann Ralf Moeller sogar Lederhosen an. Nach so vielen schweren Dramen mache eine lustige Rolle richtig Spaß, versicherte er im Frühjahr beim Dreh im US-Staat New Mexico. Als trinkfester "Bier-Baron" gibt Prochnow im Oktober sein Kinodebüt.

Barbara Munker/DPA / DPA