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Kiefer Sutherland: "Die Zuschauer kommen ganz schön ins Schwitzen"

Seit Mittwochabend rettet Kiefer Sutherland als CTU-Agent Jack Bauer zum dritten Mal die Welt - und das in nur 24 Stunden. Ulrike von Bülow sprach mit dem Schauspieler.

Die TV-Serie "24" sorgte 2001 für einigen Wirbel in der amerikanischen Fernsehlandschaft, brachte sie doch eine höchst spannende Neuerung mit sich: 24 Stunden im Leben von Jack Bauer entsprechen 24 einstündigen Episoden auf dem Bildschirm. Innerhalb dieser Zeitspanne muss der Agent einer Terrorbekämpfungs-Einheit einen Anschlag verhindern.

In der dritten Staffel (mittwochs, 22.10 Uhr auf RTL 2) droht der Stadt Los Angeles ein Terroranschlag ungeahnten Ausmaßes: Terroristen sind im Besitz tödlicher Viren, die sich binnen kürzester Zeit über den gesamten Globus ausbreiten können. Die ersten Menschen sind bereits infiziert, Jack Bauer bleibt nur wenig Zeit, die tödliche Gefahr aufzuhalten.

Mr. Sutherland, die Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek sagte, "24" sei "wie permanentes Vögeln, ohne je zum Orgasmus zu kommen". Stimmen Sie ihr zu?

Na ja, ganz so drastisch würde ich das nicht ausdrücken, aber die Zuschauer kommen ganz schön ins Schwitzen. Vor allem, wenn man sich eine Staffel auf DVD anguckt: das ist wie ein Pferderennen ohne Werbeunterbrechungen, dadurch wird der Echtzeit-Effekt der Serie extrem verstärkt - großartig, die Spannung ist kaum auszuhalten. Ich habe von Leuten gehört, die "24" tatsächlich in einem Rutsch durchgesehen haben. Man wird für Stunden von der Story und dem Tempo förmlich aufgesogen - die Geschwindigkeit macht die Serie so interessant.

Und natürlich Jack Bauer, der Agent, den Sie verkörpern. Gegen ihn wirkt James Bond wie eine Schlaftablette.

Jack Bauer ist ein ganz normaler Typ in ungewöhnlichen Situationen. Er ist menschlich. Und in dieser Menschlichkeit stecken Aspekte, die sehr positiv sind, und welche, die ins Negative kippen. Es gibt Dinge, die er richtig macht und welche, die er falsch macht. Das wollten die Autoren zu einem tragenden Teil der Figur und damit der ganzen Serie machen. Das war ein interessanter Schritt fürs Fernsehen, denn da gab es in meinen Augen immer nur schwarz und weiß. Der Versuch, die Figur Jack Bauer ein bisschen düsterer zu gestalten, hat mich deshalb auch sehr gereizt.

In Deutschland läuft am Mittwoch die dritte Staffel von "24" an. Welche ist Ihr Favorit?

Eigentlich habe ich die Arbeit an jeder Staffel genossen. Wir sind gerade noch mit der vierten zugange, die am kommenden Sonntag in Amerika Premiere haben wird. Ich hoffe immer, dass die nächste die Beste wird. Unser Ziel ist es ja, jede Staffel auf der vorherigen aufzubauen - so, the best is yet to come!

Kommt es vor, dass Ihre innere Uhr beim Dreh dieser Echtzeit-Serie etwas durcheinander gerät?

Durchaus. Die erste Staffel begann zum Beispiel um Mitternacht. Das Schwierige beim Außendreh war, dass die finalen Stunden, die Folgen 22 bis 24, während der längsten Sonnentage in Los Angeles entstanden sind. Wir mussten die Außenszenen also zwischen zehn Uhr abends und vier Uhr morgens drehen, damit wir die benötigte Dunkelheit hatten für das Echtzeit-Gefühl. Das war für alle hart. Unsere innere Uhr tickte für Wochen völlig falsch, die Crew hatte heftig damit zu kämpfen.

Erinnern Sie sich an einen Tag in Ihrem Leben, der etwas von "24" hatte, einen Tag also, an dem Sie einige unerwartete Dinge auf einmal zu bewältigen hatten?

Das war sicher der Tag, an dem meine Tochter Sarah geboren wurde. 1988 war das, meine damalige Frau Camelia war mit ihr schwanger und der Arzt hatte einen Kaiserschnitt terminiert. Wir hatten also alles geplant, was schon unser erster Fehler war. Ich war gerade am Set von "Young Guns", saß irgendwo am Ende der Welt auf einem Pferd, als Camelia Wehen bekam, obwohl der Geburtstermin erst in fünf Tagen sein sollte. Der Produzent organisierte ein Flugzeug, das mich auf einem Feld aufpickte und ins Krankenhaus zur Geburt meiner Tochter flog. Das waren die unglaublichsten, wunderbarsten, ängstlichsten und witzigsten 24 Stunden, die ich je erlebt habe.

Interview: Ulrike von Bülow