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KINO: Krieg, aber mit Gefühl

Hollywood begibt sich wieder auf Rekordjagd: Der Kriegsfilm »Pearl Harbor« soll der erfolgreichste Film aller Zeiten werden. Mit bewährtem Rezept: Pathos und Explosion.

Von Michael Kirner

Drei Jahre nach dem spektakulären Untergang der »Titanic« lockt Hollywood wieder mit großen Emotionen und einer der aufwendigsten Materialschlachten der Filmgeschichte. »Pearl Harbor«, eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des japanischen Luftangriffs auf die amerikanische Pazifikflotte im Dezember 1941, soll selbst James Camerons Katastrophen-Epos in den Schatten stellen, das als bisher erfolgreichster Film aller Zeiten gilt. Mit Spannung fiebern die Produzenten der Weltpremiere vor historischer Kulisse am 21. Mai auf Hawaii entgegen.

Die Voraussetzungen für Hollywoods Rekordjagd sind günstig: Niemals zuvor bewilligte ein Studio mit 135 Millionen US-Dollar (fast 300 Millionen Mark) ein so gigantisches Budget. Auch ließen Erfolgs-Produzent Jerry Bruckheimer und Regisseur Michael Bay schon mit Streifen wie »Bad Boys« (1995) und »Armageddon« (1998) die Kassen klingeln.

Die Vermarktung läuft auf Hochtouren

Und die Vermarktungsmaschinerie läuft seit Monaten auf Hochtouren. Zur offiziellen Premiere auf dem Flugzeugträger »USS John C. Stennis« haben die Disney-Studios rund 2.000 Gäste an den Ort des Geschehens eingeladen - darunter Kriegsveteranen und frühere US-Präsidenten. Auf dem Schiffsdeck soll eine der größten Leinwände der Welt errichtet werden; Musiker der US-Army, einheimische Chöre und ein Feuerwerk liefern den passenden Rahmen. Diese Party allein soll nach Medienberichten mehrere Millionen Dollar verschlingen.

Wer Millionen weltweit zu Tränen rühren und trotz so enormer Produktionskosten auch noch verdienen will, setzt vor allem auf große Gefühle. Camerons »titanischem« Vorbild vergleichbar, rückte Drehbuchautor Randall Wallace (»Braveheart«) eine fiktive Liebesgeschichte ins Zentrum der historischen Ereignisse.

Ein Hollywood-gemäßer Plot

Rafe (Ben Affleck) und Danny (Josh Hartnett), Freunde seit ihrer Kindheit, verbindet auch die Begeisterung fürs Fliegen. Als junge, waghalsige Piloten suchen sie Herausforderungen beim Militär. Als Rafe freiwillig nach Europa geht, um auf Seiten der Engländer zu kämpfen, lässt er nicht nur seinen besten Freund zurück, sondern auch die Krankenschwester Evelyn (Kate Beckinsale), seine große Liebe. Danny und Evelyn werden nach Pearl Harbor auf Hawaii versetzt, wo sie die Nachricht erreicht, Rafe sei gefallen. In ihrer Trauer um den verlorenen Freund und Geliebten kommen sich die beiden näher - bis Rafe kurz vor dem japanischen Überfall plötzlich wieder auftaucht...

Ein rein historischer Kriegsfilm sei aus dem Streifen nicht geworden, versichert Bruckheimer, den Cineasten wegen seiner Vorliebe für effektvolle Action mittlerweile »Meister der Zerstörung« nennen. Und auch Drehbuchautor Wallace betont: »Als Dramatiker hätte ich kein gesteigertes Interesse an der Geschichte gehabt, wenn man sie aus der Perspektive der Politik in Washington abgehandelt hätte.« Das Drehbuch sollte »romantisch, unterhaltsam und humorvoll« sein, ergänzt Bruckheimer, aber auch über »Tiefe und Pathos« verfügen. Dick Lamott, ein Historiker, der schon 1969 an dem Vorläufer »Tora, Tora, Tora« mitgearbeitet hatte, stand ihnen als Berater zur Seite. In Deutschland läuft »Pearl Harbor« am 7. Juni an.

Regisseur Michael Bay hatte alle Hände voll damit zu tun, das Bombardement der Japaner überzeugend in Szene zu setzen. 700 Stangen Dynamit, 7.500 Meter Zündschnur und 16.000 Liter Benzin waren erforderlich, um sechs Schiffe publikumswirksam zu versenken. »Als die Szene schließlich über die Bühne ging, war es die größte Explosion, die ich jemals gesehen habe«, sagte Bay.

Der historische Hintergrund

Es war einer der schwärzesten Tage in der US-amerikanischen Geschichte: In den frühen Morgenstunden des 7. Dezember 1941 verwandelten rund 360 japanische Kampfbomber die Hawaii-Insel Oahu ohne vorherige Kriegserklärung in ein Inferno. Im Marinehafen Pearl Harbor lagen an diesem Sonntagmorgen fast hundert Schiffe der US-Pazifikflotte vor Anker, darunter acht große Schlachtschiffe. Fünf davon wurden versenkt, drei weitere schwer beschädigt. Die Japaner zerstören außerdem 188 Flugzeuge. Bei dem rund zweistündigen Angriff der Japaner, die von Flugzeugträgern nördlich von Hawaii in zwei Wellen gestartet waren, starben mehr als 2.400 Menschen, knapp 1.200 wurden verletzt.

Admiral Yamamoto, Oberkommandierender der japanischen Flotte, hatte den Schlag lange Zeit vorbereitet. Japan war zu diesem Zeitpunkt die drittgrößte Seemacht der Welt, wegen eines durch die USA 1939 verhängten Wirtschaftsembargos jedoch in einer schwierigen Lage. Von Öl- und Rohstoffimporten abhängig, versuchte Japan nun, die Pazifikstreitkräfte der USA zu vernichten, um seine Machtposition in der rohstoffreichen Region zu festigen.

Trotz der enormen Zerstörungen blieben die Trockendockanlagen von Pearl Harbor, Öl- und Treibstofftanks jedoch fast intakt, so dass die beschädigten Schiffe schnell wieder flott gemacht werden konnten. Schon am Tag nach der japanischen Attacke entschied US-Präsident Roosevelt endgültig, in den Zweiten Weltkrieg einzutreten, was in der Öffentlichkeit zuvor lange umstritten war.

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