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Kinostart: "The Core" - und er bewegt sich doch!

"The Core", der Erdkern, hat aufgehört zu rotieren und dem Planeten droht die Rückkehr in die Steinzeit. Die "Terranauten" sollen helfen und stoßen dabei auf die Verursacher.

Immer wieder droht die Welt unterzugehen im Hollywood-Kino, und was haben seine Helden nicht schon alles richten müssen: Waldbrände, Vulkane, Raumschiffe und Meteoriten. Kam die Bedrohung dabei meist von außen, so ist jetzt noch nicht einmal auf das Verlass, was die Welt im innersten zusammenhält. Im amerikanischen Katastrophenfilm "The Core" ist der rotierende Erdkern aus dem Takt geraten. Einfach stehen geblieben ist das dumme Ding! Und weil bekanntlich rostet, was rastet, wird unser Planet bald von bizarren Naturkatastrophen heimgesucht.

Das elektromagnetische Feld der Erde bekommt durch die Dreh-Pause Lücken, wie uns von der Leinwand herab etwas wirr erklärt wird. Dabei ist doch ohnehin klar, dass der Zuschauer in Katastrophenfilmen jegliche Hoffnung auf Erkenntnisgewinn und Logik fahren lassen muss, um das Szenario ohne Reue genießen zu können. Und so weiß man auch, dass es vor der Zusammenstellung des Reparatur-Notdienstes ordentlich scheppern wird, doch Hollywoods Zerstörungsfantasien verdienen hier besonderes Interesse.

Lustvoll wird zur Ouvertüre mittels intergalaktischer Megablitze ausschließlich europäisches Porzellan zerdeppert - zwar nicht aus Rumsfelds "altem Europa", aber immerhin doch Trafalgar Square, das Kolosseum und der Papstpalast; schließlich nimmt die Kamera bedrohlich den Eiffelturm aufs Korn. Doch der Franzose Jules Verne, der schon im 19. Jahrhundert mit "Reise zum Mittelpunkt der Erde" den klassischen Reiseführer ins Welteninnerste geschrieben hat, würde angesichts von Jon Amiels matten Ideen - das Finale hat er zudem bei Verne geklaut - nur mit den Schultern zucken.

Regisseur Amiel, der sich mit "Sommersby" und "Copycat" durchaus Verdienste erworben hat, versteift sich hier auf das Schema K wie Katastrophenfilm: zwar nicht so kitschig und penetrant patriotisch wie der Meteoritenthriller "Armageddon", ist sein Produkt aber auch weniger spektakulär und sicherlich langweiliger. Das beginnt bei dem klischeehaften Retterteam, das aus einer gestählten Pilotin, einem skrupellosen Ehrgeizling, einem jungen Geophysiker, einem Quotenschwarzen, aus Tcheky Karyo, dem üblichen Franzosen des US-Films, und einem Durchschnittsgesicht der NASA besteht.

Von unterirdischer Qualität

Mit dabei sind unter anderem Hilary Swank, die beweist, dass auch ein Oscar nicht vor dämlichen Rollen schützt, und Stanley Tucci, der Toupet trägt und den intriganten Wissenschaftler spielt, der sich durch ein Opfer rehabilitiert. Respekt gebührt diesen Darstellern schon für die Kunst, ihre Sätze mit seriöser Miene aufzusagen. Mit tödlichem Ernst werden die hochkarätigen Terranauten durch Lavameere, Kristallschluchten und Diamanten-Stürme geschleust, um mit einer klitzekleinen Atombombe das Planetenherz anzuschubsen.

Das Transportmittel ist ein Raumschiff-Schlagbohrer, der sich wie ein Wurm tief und tiefer durch die Erdkruste bohrt: eine Monster-"Hilti" kühnster Baumarkt-Bastlerträume. Und weil die Pfuscher vom US-Militär, die das Kern-Malheur verzapft haben, die wackere Truppe mundtot machen wollen, leitet von oben ein subversiver Computerhacker die Überlebenden durch alle Drehbuch-Untiefen. Mut mag man diesem Film nicht absprechen, der sich traut, Millionen Dollar für solch absurdes Geschehen zu versenken, Schade nur, dass auch die Umsetzung von größtenteils unterirdischer Qualität ist.

Birgit Roschy
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