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Marie-Luise Marjan: Ganz anders als Mutter Beimer

Als "Mutter der Nation" ist Marie Luise Marjan aus dem deutschen Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Seit 20 Jahren tritt sie in der "Lindenstraße" auf. Jetzt wird die Schauspielerin 65.

Zwei Mal verheiratet, zwei Mal geschieden. Sohn Benny starb bei einem Unfall, die Tochter verliebte sich in einen Priester. Der greise Onkel war ein knötteriger Alt-Nazi, der mit dem jüngsten Sohn Schießübungen aus dem Fenster machte und einen Nachbarn schwer verletzte. Das derart bewegte Leben der Helga Beimer in der ARD-Serie "Lindenstraße" verfolgen die Zuschauer seit mehr als 20 Jahren. Schauspielerin Marie-Luise Marjan unterscheidet sich grundlegend von ihrer bekanntesten Rolle, aber knapp fünf Monate nach Helga Beimer wird am 9. August auch sie 65 Jahre alt.

Im Gegensatz zur "Mutter der Nation" ist Marjan unverheiratet, lebt abwechselnd in Köln und Hamburg, der Heimat ihres Lebensgefährten Bodo Bressler, und hat keine Kinder. Auch sonst bestünden keine Ähnlichkeiten zwischen ihr und der von ihr gespielten Figur, sagte sie einmal: "Die Helga ist mir viel zu einfach gestrickt." Zwar habe diese sich im Laufe der Jahre emanzipiert, dies aber nicht ausgenutzt.

Häufige Verwechslung mit ihrer Rolle

Es mache ihr aber nichts aus, mit ihrer Rolle identifiziert und auch auf der Straße mit "Frau Beimer" angesprochen zu werden, sagte Marjan. "Im Gegenteil, mir hat mal eine Redakteurin gesagt, wenn man mit dem Rollennamen angesprochen wird, dann hat man es geschafft. Ich finde, das ist eine Auszeichnung." An Auszeichnungen mangelt es der Mimin aber auch sonst nicht: Für die "Lindenstraße" bekam sie 1989 den "Bambi", später wurde ihr auch der "Tele-Star" überreicht.

Dank ihrer inzwischen über mehr als 1.000 Folgen andauernden "Lindenstraßen"-Karriere verbindet man mit Marjan Kochtöpfe, Kinder und die keifende Nachbarin Kling. Doch nach dem Besuch einer Schauspielklasse an der Staatlichen Musikhochschule Hamburg spielte sie zahlreiche Rollen im Fernsehen und auf der Bühne. Während ihrer vielseitigen Theaterkarriere war sie etwa die Jenny in Bertolt Brechts "Dreigroschenoper" und die Ursula in Shakespeares "Viel Lärm um nichts". Am Schauspielhaus Bochum spielte sie zwölf Jahre vor allem unter Peter Zadek. Zudem unternahm sie Ausflüge ins Musicalfach.

Als 19-Jährige die erste Mutterrolle gespielt

Zwei ihrer zahlreichen Fernsehrollen übernahm sie im "Tatort" und in Rainer Werner Fassbinders "Berlin Alexanderplatz". Doch bereits als 19-Jährige spielte Marjan, die mit bürgerlichem Namen Marlies Lause heißt, im Fernsehspiel "Untergang der Freiheit" ihre erste Mutterrolle Anni Schippers, - viele weitere sollten folgen. Gerne hätte sie sich in ihrer Karriere öfter aufreizend gezeigt, gestand sie einmal. Immerhin konnte sie aber auch nach 1985 dem "Lindenstraßen"-Alltag immer wieder mit anderen Rollen entfliehen - unter anderem als Amateurdetektivin im RTL-Film "Immer wenn sie Krimis liest".

Ihre enorme Popularität setzt Marjan auch ein, um damit vor allem Kindern Gutes zu tun. Die in Essen geborene Schauspielerin, die selbst ihr erstes Lebensjahr in einem Waisenhaus verbrachte und später adoptiert wurde, ist seit 1990 Repräsentantin für Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, und setzt sich als Kuratoriumsmitglied der Organisation "Plan International" für Kinder in armen Ländern ein. Sie übernahm zudem die Patenschaft für ein Mädchen in Indien und einen Jungen in Sri Lanka.

Dem deutschen Fernsehpublikum wird Marjan noch eine Weile erhalten bleiben - mindestens bis Ende 2008 soll die "Lindenstraße" den Fernseh-Vorabend in deutschen Wohnzimmern begleiten. Zu lang wird es ihr offenbar nicht: Sie fühle sich wie nach gerade fünf Jahren, sagte sie anlässlich der im Januar gezeigten 1.000. Folge. Den Erfolg der Serie bezeichnete sie als "fantastisch". Und genug Themen gebe es für die Zukunft auch - schließlich greife die Serie das Leben auf. "Das ist auch der Garant für den Erfolg."

Nicole Lange/AP / AP