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Medienkolumne zu den Senderechten: High Noon für die Bundesliga

Der Bieterwettbewerb um die Übertragungsrechte für die Fußballbundesliga geht heute in die letzte Runde. Zum Showdown stehen sich zwei Giganten gegenüber: ein australischer Medienmogul und ein ehemaliger deutscher Staatskonzern.

Von Bernd Gäbler

Monopolstellung für die Telekom? Der Bieterwettbewerb um die Übertragungsrechte für die Spiele der Fußballbundesliga geht in die letzte Runde

Monopolstellung für die Telekom? Der Bieterwettbewerb um die Übertragungsrechte für die Spiele der Fußballbundesliga geht in die letzte Runde

An diesem Montag ist High Noon. Bis dahin müssen alle, die mitbieten wollen für die verschiedenen Rechtepakete, die von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zur Ausschreibung geschnürt wurden, ihre Angebote hinterlegen. Fest steht bislang nur, dass die DFL es - wie bisher - bei fünf verschiedenen Anstoßzeiten für die Spiele belassen will, dass das Gros der Einnahmen - bisher rund 250 von 412 Millionen Euro im Jahr - auch weiterhin aus der Live-Übertragung im Pay-TV stammen soll und dass die Übertragung der TV-Signale via Internet eine größere Rolle spielen wird. Gefährdet ist dadurch auch die ARD-"Sportschau", also die frühe Zusammenfassung der Spiele im frei empfangbaren Fernsehen. Chancenlos ist sie aber nicht, weil insbesondere die Sponsoren der Liga Interesse an einer großen Reichweite haben. Auf jeden Fall ist und bleibt Fußball der bedeutendste Treiber einer Dynamik auf dem TV-Markt.

Für Sky Deutschland geht es um die Existenz

Offiziell sind 15 Bewerber zugelassen, dennoch wird es im Kern zu einem einzigen bedeutenden Showdown kommen. Trotz aller Differenziertheit im Einzelnen, sind die Rechte-Pakete so gestaltet, dass sich die wichtigsten Kontrahenten um dasselbe Paket streiten müssen: die Live-Rechte für Satellit, Kabel, Internet (IP-TV) und Mobile-TV. Zum Shoot-out antreten werden zwei Giganten: Rupert Murdochs Pay-TV-Sender Skyund die Deutsche Telekom. Für beide geht es um viel, fast um alles. Wenn Sky die Fußballrechte verlieren sollte, wäre das de facto das Ende vom bisherigen Pay-TV auf dem Deutschen Fernsehmarkt. Der Aktienwert von Sky Deutschland würde gegen Null gehen. 1300 Arbeitsplätze vor allem in Bayern hängen daran. Da wundert man sich fast, dass neben Franz Beckenbauer nicht auch noch Edmund Stoiber als Murdoch-Lobbyist auftritt.

Telekom will Marktführerschaft im deutschen Pay-TV

Problematisch wäre allerdings auch ein Zuschlag für die Telekom. Jetzt schon ist die Telekom einer der Groß-Sponsoren der Liga und Hauptsponsor von Bayern München. Der ehemalige Staatsbetrieb will aber mehr: die Marktführerschaft im deutschen Pay-TV. Vor zwei Jahren hat Konzernchef René Obermann dieses Ziel ausgegeben. Erreichen sollten es seine Manager binnen drei Jahren. Sie stehen also kurz vor der Deadline. Warum ist dieses Ziel für die Telekom so wichtig? Weil sie für die Masse der Mediennutzer das so genannte "Triple Play", also Telefon, Internet und Fernsehen aus ein und derselben Leitung, als universellen Standard durchsetzen will. Sie wäre der größte Profiteur. Um diese Infrastruktur durchzusetzen, braucht die Telekom aber einen attraktiven Inhalt - also Live-Fußball. Schon jetzt empfangen rund 1,6 Millionen Haushalte ihr Fernsehprogramm über "Entertain", das Internet-Fernsehen der Telekom. Dafür ist "Liga total ein wichtiger Kaufanreiz.

Allerdings gibt es in Deutschland aus gutem Grund eine strikte Regel: Infrastruktur-Betreiber dürfen nicht auch Inhalte anbieten. VW darf nicht das deutsche Autobahn-Netz kaufen, selbst wenn der Konzern versichern würde, auch Mercedes, Opel und alle anderen Autos "diskriminierungs-frei" darauf fahren zu lassen. RTL dürfte nie das deutsche Kabelnetz erwerben, selbst wenn der Sender alle "must carry"-Regel einhalten würde. Außerdem ist die Telekom keineswegs "staatsfrei". Noch zu fast einem Drittel gehört sie dem Bund. Der Staat aber darf keinen Rundfunk betreiben. Die Telekom beschwichtigt nun, sie wolle schließlich keinen Nachrichtensender gründen und außerdem produziere ja eine ganz andere Firma, die Produktionsgesellschaft Constantin, die eigentlichen Inhalte, während sie selbst nur dafür sorge, dass der rollende Ball ordentlich verbreitet werde. Wettbewerbsrechtler widersprechen dem.

Bleibt die Liga unabhängig?

Bis Ende April will die DFL endgültig entscheiden, wer den Zuschlag bekommt. Bis dahin können die Manager um DFL-Chef Christian Seifert die Angebote gelassen prüfen. Bislang haben sie es verstanden, die Liga stetig aber organisch weiterzuentwickeln. Der Schock der Kirch-Pleite ist längst überwunden. Von Krise ist nicht mehr die Rede. Jetzt aber besteht die Chance zu einer gehörigen Preissteigerung. Bisher war es so, dass Sky für die Liga zwar mit rund 250 Millionen Euro im Jahr der wichtigste Finanzier war, die DFL und auch die Vereine aber darauf geachtet haben, sich nicht in völlige Abhängigkeit von einem Sender zu begeben.

Gier könnte die DFL jetzt zu einem solchen Irrweg verleiten. Besonders problematisch wäre es, der Telekom eine Monopolstellung einzuräumen. Auch die Namensrechte an der Bundesliga will die DFL noch verscherbeln. Diese Ausschreibung wurde aber verschoben. Sie folgt erst nach dem Rechteverkauf. Eine "Telekom-Bundesliga" auch noch selbst zu übertragen - das dürfte der Traum der Telekom sein. Das wäre dann tatsächlich eine "Liga total".

Feindliche Übernahme möglich

Die DFL macht jetzt glauben, sie sei jederzeit Herr des Verfahrens und werde schon klug und ausgewogen entscheiden. Für die Rechtepakete hat sie jeweils nicht-öffentlich einen "Referenz-Preis" hinterlegt. Nur Bieter, die diesen übertreffen, kommen in die Endausscheidung. Das soll den Wettbewerb anheizen und eine gehörige Preis-steigerung garantieren.

Für die Gebührenzahler, also für alle, wäre es natürlich auch interessant zu erfahren, wieviel Geld die ARD für die Fortführung der Zweitverwertung in der "Sportschau" zu zahlen bereit ist.

Eine rechtsverbindliche Klausel in der Ausschreibung haben einige Beobachter bislang übersehen. Durch sie fesselt sich die DFL selbst. Liegt ein Bieter 20 Prozent über dem nächsthöchsten Angebot, erhält er automatisch den Zuschlag. Sky oder die Telekom könnten also - wenn sie nur von Beginn an tief genug in die Tasche greifen - mit einem Schlag die Liga übernehmen. Das wäre ein Coup, der den Fußball und die TV-Landschaft substanziell verändert.