HOME

Neu im Kino: Godzilla gegen Grace Kelly

Während Godzilla sich mit Bomben futternden Mutos balgt, hat Nicole Kidman als "Grace of Monaco" ganz andere Sorgen. Zum Beispiel ein mieses Drehbuch.

Von Patrick Heidmann und Nicky Wong

"Godzilla"

Kinotrailer: "Godzilla"

Wen Sie kennen könnten: die Darsteller Aaron Taylor-Johnson ("Kick-Ass"), Juliette Binoche ("Der englische Patient"), Bryan Cranston ("Bad Breaking"), Sally Hawkins ("Blue Jasmine") und Ken Watanabe ("Inception")

Die Geschichte in einem Satz:

Als ein US-Wissenschaftler in Japan die Wahrheit über ein Atomreaktor-Unglück aufdecken will, muss er gemeinsam mit seinem Soldaten-Sohn feststellen, dass im Sperrgebiet weit mehr von der Öffentlichkeit ferngehalten werden soll als radioaktive Strahlung.

Geschwister im Kinoversum:

"Pacific Rim"

Warum Sie den Film sehen sollten:

Es war natürlich zu erwarten, aber die Spezialeffekte in 3D sind hier ohne Frage allererste Liga. Immerhin konnte Regisseur Gareth Edwards, der bei seinem letzten Film "Monsters" noch ein Budget von einer halben Millionen Dollar hatte, dieses Mal mehr als das Dreihundertfache ausgeben. Dass er trotzdem die titelgebende Mega-Echse aus dem Meer nur sparsam ins Bild rückt, ist clever, fiebert man diesen Auftritten - und den Kämpfen mit den nach Rieseninsekten aussehen Mutos (massive unidentified terrestrial organism) - so immer mit Vorfreude entgegen. Schade nur, dass Edwards schlagartig das Interesse zu verlieren scheint, sobald es um die menschlichen Charaktere geht. Denn so geht es angesichts von Dialog-Banalitäten und pseudowissenschaftlichem Gefasel bald auch dem Zuschauer.

.

"Grace of Monaco"

Kinotrailer: "Grace of Monaco"

Wen Sie kennen könnten: die Darsteller Nicole Kidman ("The Hours") und Tim Roth ("Pulp Fiction")

Die Geschichte in einem Satz:

Sechs Jahre nachdem Grace Kelly Hollywood den Rücken gekehrt und Fürst Rainier von Monaco geheiratet hat, denkt sie frustriert über ein Comeback in einem Hitchcock-Film nach, während ihrer neue Heimat plötzlich eine französische Invasion droht.

Geschwister im Kinoversum:

"Diana"

Warum Sie den Film nicht sehen sollten:

Dass sich dieses Biopic von Olivier Dahan ("La vie en rose"), mit dem aktuell die Filmfestspiele in Cannes eröffnen, allerlei biografische und historische Freiheiten herausnimmt, ist noch das geringste Problem, zumal sich der Film gleich im Vorspann als Fiktion ausweist. Anderes trägt viel mehr zum Misslingen dieses Films bei: ein unglücklich gewählter Erzählansatz etwa oder Dahans reichlich uninspirierte Inszenierung. Ganz zu schweigen von einer ganz und gar emotionslosen Nicole Kidman in der Hauptrolle, der man irgendwie für keinen Moment abnimmt, dass sie Gracia Patricia ist.

.

"Stereo"

Kinotrailer: "Stereo"

Wen Sie kennen könnten: die Darsteller Jürgen Vogel ("Die Welle)", Moritz Bleibtreu ("Der Baader-Meinhof-Komplex") und Petra Schmidt-Schnaller ("Tatort")

Die Geschichte in einem Satz:

Weit weg von Berlin will Erik eigentlich nur die Vergangenheit hinter sich lassen und mit Freundin Julia, deren Sohn und einer Motorradwerkstatt den Neuanfang wagen, doch als der geheimnisvolle Henry auftaucht und sich nicht wieder abschütteln lässt, gestaltet sich das eher schwierig.

Geschwister im Kinoversum:

"Fight Club"

Warum Sie den Film sehen sollten:

Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu mag man zwar schon gefühlte hundertmal auf der Leinwand gesehen haben, aber noch nie so wie hier. Denn statt Komödieneinerlei ist der neue Film von Maximilian Erlenwein ein über weite Strecken überraschender und cleverer Thriller, von denen es im deutschen Kino bekanntlich viel zu wenige gibt.

.

"Im Namen des..."

Kinotrailer: "Im Namen des..."

Wen Sie kennen könnten: sofern Sie nicht Experte in Sachen polnisches Kino sind vermutlich niemanden

Die Geschichte in einem Satz:

In einem kleinen Dorf in der polnischen Provinz arbeitet der engagierte katholische Priester Adam mit schwer erziehbaren Jugendlichen - und ringt gleichzeitig mit seiner Homosexualität, die er unter anderem mit Alkohol und ausgedehnten Waldläufen zu unterdrücken versucht.

Geschwister im Kinoversum:

"Der Priester"

Warum Sie den Film sehen sollten:

Ein spannendes Thema, eine packende Erzählung und ein letztlich ebenso perfides wie menschliches Ende. Es gibt mehr als genug Gründe, sich dieses Drama der polnischen Regisseurin Malgorzata Szumowska anzusehen. Vom überzeugenden Hauptdarsteller und einer bemerkenswerten Bildgestaltung ganz zu schweigen.

.

"Watermark"

Kinotrailer: "Watermark"

Wen Sie kennen könnten: natürlich den "Hauptdarsteller", das Wasser!

Die Geschichte in einem Satz:

Auf den Spuren unseres Lebenselixiers untersuchen die Dokumentarfilmer Jennifer Baichwal und Edward Burtynsky, wie sehr das menschliche Leben vom Wasser abhängig ist - und wie sehr wir dessen Kostbarkeit trotzdem nicht zu schätzen wissen.

Geschwister im Kinoversum:

"Wasser ist Leben - Flow"

Warum Sie den Film sehen sollten:

Inhaltlich bringen die beiden sonst als Fotografen tätigen Filmemacher hier nicht allzu viel Neues zutage. Zumindest hätte man für die Erkenntnis, dass unsere Gesellschaft viel zu viel Wasser verschwendet und wir die Natur nicht annähernd genug respektieren, nicht unbedingt zu einem chinesischen Staudamm oder in ein einstiges mexikanisches Flussdelta reisen müssen. Gleichzeitig liegt genau darin die Stärke dieser Dokumentation. Denn die bisweilen erschütternden Bilder, die Baichwal und Burtynsky von dort mitbringen, sind mitunter große Kunst.

.

Das Neueste zum Thema Kino und Film finden Sie auf unserem Twitter-Kanal @stern_kino.

Patrick Heidmann