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NEUAUFLAGE: Affentheater im Kino

Wie das Original ist auch Tim Burtons Remake vom »Planet der Affen« nicht gerade etwas für hohe intellektuelle Ansprüche. Die Zuschauer stört das nicht.

In Amerikas Kinos herrscht seit dem Wochenende Affentheater. Trotz schlechter Kritik erwies sich die Neuauflage des Hollywood-Klassikers »Planet der Affen« als der Sommerhit. Bald kommt das fast an eine Satire auf den Rassismus erinnernde Spektakel aus einer Welt, wo (meist weiße) Menschen sich gegen die Unterdrückung durch übermächtige Gorillas, Orang Utahs und Schimpansen wehren, auch in die deutschen Kinos.

Mit einem Rekord-Einspielergebnis eroberte der Sci-Fi-Streifen des Regisseurs Tim Burton nach Studioangaben vom Sonntag mühelos den ersten Platz der US-Kino-Charts. Er verdrängte das von Steven Spielberg produzierte Saurier-Abenteuer »Jurassic Park 3« von der Spitzenposition. »Planet der Affen« mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle brachte seit der Premiere am Freitag 69,6 Millionen Dollar ein (rund 158 Millionen Mark/80,8 Millionen Euro). Damit wurde der Rekord für Filme gebrochen, die je in den USA an einem normalen Wochenende (ohne zusätzlichen Feiertag) Premiere hatten. Diese Position hielt seit Mai »Die Mumie kehrt zurück«.

In Deutschland startet »Planet der Affen« am 30. August. Der Film sei »geistig simpel wie Gorillas«, fand die »New York Times«. Das Publikum werde »behandelt wie Haustiere«. Unterhaltsam sei die »grobe Mischung von Satire und zynischem Show Business« dennoch. Viele US-Kritiker äußerten sich enttäuscht, weil die von Regisseur Burton als »Re-Imagination« deklarierte Version des Klassikers von 1968 mit Charlton Heston in der Starrolle trotz moderner Spezialeffekte nicht an das Vorbild heranreiche.

Im Original - auch nicht gerade etwas für hohe intellektuelle Ansprüche - mimte Heston immerhin einen Astronauten mit humanistischer Bildung und einer Menge Verständnis für Andersartige. Wahlberg als Raumfahrer Leo Davidson bringt ein Schema von Gut und Böse mit auf den Affen-Stern, wie es zur »Logik« der Bush-Ära passt. Sein fieser Gegenspieler ist der von Tim Roth dargestellte Affen- General Thade. Hinter der haarigen Maske erkennt man den natürlich kaum. Aber auch der erkennbare Wahlberg wirkt eher wie eine fremdgesteuerte Computerfigur.

Der inzwischen 76-jährige Heston ist auch dabei, aber nur für wenige Minuten. Seit Jahren macht er vor allem als eiserner Chef der US-Vereinigung der Waffenbesitzer von sich reden, die Amerikas Freiheit bedroht sieht, wann immer jemand Zweifel am Recht auf den privaten Besitz von Pistolen und Gewehren äußert. Im Film spielt Heston den Vater des affigen Ungeheuers General Thade. Vielleicht lag es auch daran, dass in den Videotheken von New York bis Los Angeles erstmals seit Jahren die Original-Version von »Planet of the Apes« völlig ausgeliehen war.

Von Thomas Burmeister, dpa