VG-Wort Pixel

Oscars 2012 Duell der Charmebolzen


Nostalgie ist Programm bei den diesjährigen Oscars. Also wird es eng für Clooney, der gegen Jean Dujardin ("The Artist") antritt. Einer hat schon gewonnen: Extremkomiker Sascha Cohen.
Von Sophie Albers

George Clooney ist dran. Das ist die Antwort vieler Filmexperten auf die Frage, ob am Sonntag nun der moderne Stummfilmstar Jean Dujardin oder Hollywoodgott George Clooney den Oscar für den besten Darsteller mit nach Hause nehmen darf. Das Aufreißen dieses Umschlags wird wohl der spannendste Augenblick des langen Abends werden.

Denn: Nachdem "The Artist" wie ein gut gelaunter, frischer Sturm in Schwarz-Weiß durchs Kino gefegt ist, kann sich George Clooney mit seiner Darstellernominierung für das eigenwillige, leise Familiendrama "The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten" nicht mehr so sicher sein, den Hauptdarsteller-Oscar, zu dem er ohne Frage herangereift ist (den Nebendarsteller-Oscar gab es schon für "Syriana"), auch zu bekommen.

Alt gegen neu

Der Franzose Jean Dujardin vereint in seinem fulminanten Auftritt als fallender Stummfilmstar in "The Artist" alles, was Hollywood liebt: eine Verbeugung vor der Traumfabrik und ihren großen Helden von Douglas Fairbanks bis Gene Kelly, brillante Technik - vom Augenbrauenlupfen bis zum Steptanz - und einfach unwiderstehlichen Charme. Und das auch noch potenziert durch seinen Sidekick, einen zuckersüß-frechen Russell-Terrier, der gerade das Goldene Halsband gewonnen hat. Dagegen fehlt es Clooney als gescheitertem Ehemann und Vater ein bisschen an Effet.

Bleibt abzuwarten, ob sich die mehr als 6000 Mitglieder der Academy of Motion Pictures Arts and Sciences - 77 Prozent ältere Männer - für das altbewährt Gute oder das wilde Neue entscheiden.

Der Oscar gehört nach Iran

Nostalgie ist Programm bei den diesjährigen Oscar-Kandidaten: Steven Spielberg tritt mit einem Propagandaepos über den Ersten Weltkrieg an ("Gefährten"), Martin Scorsese erzählt die Geschichte der Entstehung des fantastischen Kinos ("Hugo"), Terrence Malick fährt in seiner Meditation über den Anfang allen Lebens Dinosaurier auf ("Tree of Life"), das Bürgerrechtsdrama "The Help" spielt in den 60ern, und für den kuscheligen "Midnight in Paris" hat Woody Allen das Jahrhunderte-Hopping erfunden.

Aktuelle Politik bringt dagegen der Favorit in der Kategorie bester ausländischer Film ins Glamour-Spiel um Schein und Sein: der iranische Film "A Separation" von Ashgar Farhadi, der im vergangenen Jahr bei der Berlinale den Goldenen Bären gewonnen hat. Hollywoods Wertschätzung dieses intensiven, vieldeutigen Beziehungsdramas ist eine Frage des klaren Verstandes.

"Der Diktator" will Aufmerksamkeit

Die seichte Aufregung um den Moderator der "größten Show Amerikas" wurde zu aller Zufriedenheit mit dem bereits achtmaligen Gastgeber Billy Crystal erledigt. Der gilt als sichere Bank für einen geschmackvollen wie witzigen Abend. Und damit es nicht zu nett wird, hat sich auch schon ein "Skandal" angekündigt. Sacha Baron Cohen, berüchtigter Darsteller von Kinoschreckgestalten wie Borat und Brüno, will sich die Oscars als Werbeplattform für seinen neuen Film nicht entgehen lassen. Und der dürfte den Organisatoren wohl ganz echte Schweißflecken unter die Achseln zaubern.

Cohens neue Figur ist "Der Diktator" Aladeen, ein Amerika-, Frauen-, Schwule- und vor allem Demokratie-hassender Tyrann aus einem kriegerischen Land jenseits des Arabischen Frühlings. Und dass Cohen im Charakter bleibt, was da auch komme, hat die Welt bereits bei diversen Auftritten des Extremkomikers erfahren dürfen. Wohl deshalb wurde er gerade gebeten, von einem Auftritt auf dem roten Teppich abzusehen, worauf Aladeen mit einem Drohvideo reagiert hat. Hollywood verhandelt offensichtlich mit Terroristen, denn nun darf er doch kommen.

Ist ja von allem etwas dabei: Es verspricht, eine spannende Verleihung zu werden.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker