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Stern Logo Acadamy Awards - Die Oscar-Verleihung

Hollywood kennt nur weiße Filmhelden

Twitter-Aufruhr nach den Oscar-Nominierungen: Zu viele Weiße sind dabei, so gut wie kein Afroamerikaner! Ein Rückschritt für die Academy - ausgerechnet im Jahr der Rassenunruhen von Ferguson.

Von Frank Siering, Los Angeles

Kaum waren die Oscar-Nominierungen raus, huschten schon die kritischen Hashtags durchs Internet. #WhiteOscars und #OscarsSoWhite dominierten viele Blogs und Twitter in und um Hollywood in den letzten 24 Stunden.

Der Grund liegt auf der Hand: Schwarze Filmstars wurden in diesem Jahr bei der renommierten Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) kaum berücksichtigt. Für viele Filmfreunde ein klarer Rückschritt in der sich für gewöhnlich progressiv preisenden und dennoch dominant angelsächsisch besetzten Filmakademie.

Im vergangenen Jahr noch dominierte "12 Years A Slave" als erster "Bester Film"-Gewinner, der von einem schwarzen Regisseur gemacht wurde. Und die kenianischstämmige Schauspielerin Lupita Nyong'o komplementierte den afroamerikanischen Triumphzug mit ihrem Sieg in der Kategorie "Beste Nebenrolle".

"Farbbarriere" wieder errichtet?

Das über Jahrzehnte als ethnozentrisch verschriene Hollywood schien endlich eine Schallmauer durchbrochen zu haben. Die "Farbbarriere", die immer wieder von Bürgerrechtlern wie Jesse Jackson oder Al Sharpton kritisiert wurde, schien endlich übersprungen.

Bis zum gestrigen Donnerstag. Ausgerechnet kurz vor dem am kommenden Montag in den USA gefeierten "Martin Luther King-Day" präsentierte die Academy plötzlich eine Oscar-Palette, die mit Alejandro Gonzalez Inarritu ("Birdman") nur einen Minderheiten-Filmemacher repräsentierte.

Der im Vorfeld viel gepriesene Film "Selma", der sich mit der Bürgerrechtsbewegung und dem Kampf um das Wahlrecht für Schwarze in den USA beschäftigt, konnte weder die erwartete Nominierung für "Beste Regie" (Ava DuVernay) noch die Nominierung für den "Besten Schauspieler" (David Oyelowo) einheimsen.

Kein einziger schwarzer Schauspieler nominiert

Während "Selma"-Schauspielerin und -Produzentin Oprah Winfrey still blieb, wohl auch, um nicht unnötig weitere ethnische Diskussionen nach den jüngsten Vorfällen in Ferguson hervorzurufen, hielt Reverend Jesse Jackson wie gewöhnlich mit seiner Kritik nicht lange hinter dem Berg. Er twitterte:

"Es gibt kein Defizit an Talent. Es gibt nur ein kulturelles Defizit und eines an Gelegenheiten."

Fakt ist, dass sich unter den 20 Oscar-Nominierten in den vier Schauspieler-Kategorien kein einziger farbiger Schauspieler befindet. Einzig bei den "Besten Filmen" ist mit "Selma" ein einsamer Streifen zu finden, der sich mit afroamerikanischem Kulturgut in den USA auseinandersetzt.

Wer sonst noch auf der Strecke blieb

Unabhängig von der Diskussion um Hautfarbe und ethnischen Hintergrund blieben auch einige andere Namen in diesem Jahr ohne Nominierung, die man auf der Nominiertenliste hätte erwarten können: Angelina Jolies "Unbroken", von Kritikern hoch gelobt, fiel in den großen Kategorien genauso durch wie Jennifer Aniston mit ihrer brillanten Performance in "Cake".

Auch Jake Gyllenhaal fiel in den Augen der Academy durch, obwohl sein Auftritt als Paparazzo in "Nightcrawler" zumindest bei den Kritikern viel Beachtung fand. Ähnliches gilt für Clint Eastwood, der für seine Regie des hochgelobten "American Sniper" nicht nominiert wurde.

"Made my own!"

Und dann war da noch der "Lego Movie", der in der Kategorie "Best Animated Feature Film" so gut wie gesetzt schien - als einer der besten kommerziellen Hits in 2014 - und doch ohne Nennung blieb. Phil Lord, Co-Autor und Regisseur des Films, nahm es mit Humor und twitterte seinen eigenen Lego-Oscar durchs Internet. Gut, dass inmitten der Kontroversen auch ein bisschen Humor erhalten bleibt.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo