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Premiere "Das wilde Leben": "Uschi ist nicht jugendfrei"

Ihr Leben gehört zur Münchner Nachkriegsgeschichte: Ein einfaches Mädchen aus Sendling wird zur Sex-Ikone einer Generation. Zur Premiere von "Das wilde Leben" genießt Uschi Obermaier die Huldigungen in der Heimat - vor allem die von ihrem Ex.

Von Kathrin Buchner

Uschi Obermaier kommt zur Premiere von "Das wilde Leben" und die Stadt erweist ihr die Ehre: Nicht nur einen Roten Teppich, auch den weißen hat sie ausgebreitet für ihr berühmtes Kindl. München im Schneerausch. Irgendwie passt das zum rauschhaften Leben der Obermaier, die auch mit ihren 60 Jahren im hoch geschlitzten schwarzen Kleid mit tiefem Ausschnitt, selbst entworfenem Silberschmuck, Tramp-Hut mit Feder und Stiefeln reichlich Sex-Appeal verbreitet.

"Ich bin schon ein bisschen aufgeregt", sagt sie mit ihrem dunklen, immer noch bayerisch angehauchtem Timbre in der Stimme. "Aber ich bin froh, dass es mein Leben jetzt als Buch und Film gibt, dann muss ich nicht ewig die alten Geschichten erzählen". Spricht's und kokettiert mit jeder Kamera, quatscht in jedes Mikro, das ihr entgegen gehalten wird. Der große Mund immer in Bewegung, die Augen blitzend, mit tiefen Lachfalten, die sich darum kräuseln. Denn es ist ihre Show, die Uschi-Show. Und weit und breit keiner, mit dem sie sie teilen müsste.

Denn viel Prominenz lässt sich in dem sonst so promireichen München bei der Premiere von "Das wilde Leben" im Matthäser-Filmpalast nicht blicken. Ein paar wenige der üblichen Verdächtigen, Max von Thun, "ich bin nur wegen der Musik da", Sonja Kirchberger oder Alt-Playboy Gunter Sachs, der aber nichts zu Uschi erzählen will, denn "da müsste ich so viel sagen, das kann ich nicht", sagt er und meint das durchaus anerkennend.

Uschis Film-Alter-Ego, Natalia Avelon, meistert den Auftritt souverän, obwohl sie ein totaler Newcomer auf der Kinoleinwand ist. Bisher hat sie lediglich etliche kleine Fernsehrollen absolviert. Vor allem ihrer Ähnlichkeit mit der Obermaier verdankt sie ihre erste Hauptrolle. Mit gelber Stola und schwarzem Kleid macht sie sich gut auf dem Roten Teppich. "Es war eine Herausforderung für mich, die Uschi zu spielen", sagt sie. Ein Wehmutstropfen für Avelon ist allerdings, dass ihre Großeltern bei der Premiere nicht dabei sein können, "wegen Krankheit und weil die Anfahrt so schwierig ist".

Bockhorn-Darsteller bleibt auf der Autobahn stecken

Dieses Problem teilen allerdings andere auch. David Scheller, der in "Das wilde Leben" Dieter Bockhorn spielt, Uschis langjährigen Lebensgefährten, war mit Kumpels im Auto von Berlin nach München unterwegs und ist irgendwo auf der Autobahn stecken geblieben. Auch Matthias Schweighöfer, der Uschis erste große Liebe, den Kommunarden Rainer Langhans spielt, glänzt durch Abwesenheit. Allerdings nicht wegen des Schnees, bei ihm waren es wohl eher die Unstimmigkeiten mit Regisseur Achim Bornhak, die ihn zum Fernbleiben veranlassten.

Langhans nutzt die Aufmerksamkeit zur Selbstdarstellung

Wie Rainer Langhans selbst in einem Interview zu verstehen gab, wollte Schweighöfer den Langhans nicht so brav spielen wie Bornhak es gerne wollte, fügte sich aber letztendlich doch den Anweisungen des Regisseurs.

Rainer Langhans, wie immer in Eierschalenweiß gekleidet, nutzt die Gelegenheit wieder, um ausführlich seine Kommunikationsprobleme mit Uschi Obermaier auszuwälzen und reichlich Kritik an dem Film zu üben: "Diese fantastischen Beziehungen, die wir hatten, sind gar nicht zu sehen", sagt er. Und eigentlich sei die Uschi ja viel verrückter gewesen und absolut nicht jugendfrei. Außerdem hoffe er immer noch, seinen eigenen Film über die 68er zu machen, der viel kompromissloser und nicht so kommerziell werden solle.

Die coolsten des Abends sind allerdings Keith-Richards-Darsteller Alexander Scheer mit verstrubbelten Blondhaar, weißem Anzug und großer Sonnenbrille, der zusammen mit Mick-Jagger-Darsteller Victor Norén, Sänger der schwedischen Band Sugarplum Fairy, über den Roten Teppich tänzelt. Die beiden bringen zumindest einen Hauch von Rock'n'Roll in die Veranstaltung, der bis dahin noch gefehlt hatte. Mit ihnen posiert Uschi Obermaier ganz besonders gerne vor den Kameras, unübersehbar ihr Kennerblick, den wilde Jungs seit Jahrzehnten von ihr bekommen. Doch im Gegensatz zu früher schweigt sich die Obermaier mittlerweile über ihre Affären aus. Und so wird es auch in München sein, nach der Premierenfeier, wo in dieser Nacht alle Spuren im Schneetreiben verwischen.