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Rainer Langhans im Dschungelcamp: Das haben die 68er nicht verdient!

Mit der Verpflichtung von Rainer Langhans schien RTL ein Coup geglückt zu sein. Doch im wunderbaren Dschungelcamp stört er nur mit seiner esoterischen Pseudofreundlichkeit.

Eine Polemik von Wolfgang Röhl

Derzeit bereitet das RTL-Dschungelcamp vielen Fernsehzuschauern große Freude. Unverständlicherweise jedoch hacken alle auf der 24-jährigen Sarah Knappik herum. Dabei ist die Präsenz der von weißem Minipli umwucherten Gesichtsruine Rainer Langhans noch viel peinsamer. Er wird in Untertiteln der Sendung fälschlich als "68er-Ikone" annonciert. Dieser Einschätzung muss widersprochen werden.

Man kann den 68ern vieles ankreiden. Eigentlich fast alles. Aber einen lebenslangen Faselkopf, Ranschmeißer, Abgreifer und Medienkasper zu ihrer Ikone zu verklären, das ist ungerecht. Das haben Dutschke, Salvatore, Rabehl, Enzensberger, Schneider, Krahl und all die anderen nicht verdient, welchen Quatsch sie in ihrer großen Zeit auch immer verzapft haben mögen. Wer nur einen Moment lang bereit ist, den 68ern ein Quäntchen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, der muss sie gegen stinkfaule Parasiten verteidigen, die sich von Anbeginn in den Pelz der Studentenbewegung gesetzt hatten.

Langhans war nur ein austauschbarer Dödel

Der Kommunarde Langhans hat außer einem Auftritt im Petticoat und einer behaupteten Mitverschwörerrolle beim (nicht mal gelungenen, nur geplanten!) "Pudding-Attentat" auf den ehemaligen US-Vizepräsidenten Humphrey nichts, aber auch gar nichts zu 68 beigetragen. Seine ewige Prominenz, die den Veganergreis nun endlich ins Camp geführt hat (schon bei "Big Brother" wäre er gerne dabei gewesen), verdankt er allein dem Umstand, dass er, beneidet von Millionen Spießern, kurzzeitig Uschi Obermaier beschlafen durfte. Die Uschi war wirklich eine Granate vom Kaliber 68. Langhans dagegen nur ein austauschbarer Dödel, der Glück hatte.

Inzwischen ist er der noch lebende Beweis, dass der Konsum von Drogen - auch so genannten weichen - auf Dauer eben doch zum Verlust von Gehirnsubstanz führt, falls Letztere bei ihm je in nachweisbarer Menge vorhanden war. Wenn jemand Hitler für einen verhinderten Spirituellen hält und der Ex-Terroristin Brigitte Mohnhaupt "intensive Beziehungsarbeit" in Langhans' so genanntem Harem andient, was liegt dann wohl vor, wenn nicht ein kapitaler Dachschaden? "Big Brother ist eine konsequente Fortsetzung von '68", brabbelte es vor Jahren aus ihm heraus. Einen privatfernsehüblichen Container-Proll namens Karim ernannte er damals zum "Anführer einer erotischen Leitkultur".

Nicht mal unfreiwillig witzig

Über die vermeintliche Relevanz von "Big Brother" spann er, als sei's fürs Feuilleton der "Zeit": "Das Medium wird zum Schrittmacher." Marshall McLuhan reloaded. Freilich für die Allerärmsten. Einmal hat Langhans geklagt. Gegen einen Schuhhändler, der ihn in einem Spot der Werbeagentur Jung von Matt mittels eines Doubles vergackeiert hatte. Er käme "ranzig und verblödet" rüber, jammerte Langhans. Er kam da total authentisch rüber, könnte man auch sagen.

Langhans war niemals witzig, nicht mal unfreiwillig. Im wunderbaren Dschungelcamp stört er nur. Immer diese schlaffhändige, esoterische Pseudofreundlichkeit. Diese Kinder-ich-geb-dem-Ding-jetzt-mal-'ne-ganz-neue-Dimension - grässlich, prätentiös. Zum Reihern, auch ohne Ekeldrinks. Alle im Camp sind besser als er! Selbst im Kakerlakensarg ruhte Langhans entspannt wie ein Betonklotz unter dem Krabbeltierkokon, ohne Anflug eines Augenzwinkerns. Allein der endlose australische Himmel weiß, warum ihn manche deutsche Fernsehkritiker für eine gelungene Camp-Besetzung halten.

Aber vielleicht haben die Fernsehzuschauer ja ein Einsehen: Ab heute dürfen sie jeden Tag einen Kandidaten aus dem Camp herauswählen. Warum nicht mit Langhans beginnen?