HOME

"Good Luck Finding Yourself" im Kino: Entlarvende Doku über Hippies Winkelmann und Langhans

Ein Doku über die 68er-Ikonen Jutta Winkelmann und Rainer Langhans zeigt ihre stetige Suche nach Glück und Unabhängigkeit. Dieses Mal in Indien. Fließend Wasser und W-Lan dürfen aber nicht fehlen.

Jutta Winkelmann sucht in Indien nach sich selbst

Jutta Winkelmann sucht in Indien nach sich selbst

Jutta Winkelmann war eine Ikone der 68er-Bewegung. In der "Kommune 1" praktizierte sie die freie Liebe mit Rainer Langhans und anderen - immer im Kampf um maximale Unabhängigkeit. Die Mitglieder der Kommune und des Münchner "Harems", wie Winkelmann und Langhans ihre Wohngemeinschaft mit weiteren Frauen nennen, sind inzwischen in die Jahre gekommen. Und Winkelmann, die gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Gisela Getty in den 1970er Jahren dem Sexsymbol und Groupie Nummer eins, Uschi Obermaier, in nichts nachstand, ist heute todkrank. Krebs.

Weil sie nicht weiß, wie viel Zeit ihr noch bleibt, macht sie sich mit ihren WG-Kumpanen Langhans, Christa Ritter und Brigitte Streubel auf zu einer Reise durch Indien mit dem Ziel, sich selbst zu finden. Begleitet wird sie dabei von ihrem Sohn Severin Winzenburg, der aus der Reise einen Dokumentarfilm gemacht hat. "Good Luck Finding Yourself" kommt jetzt ins Kino.

Zickereien und Wutausbrüche

Der Film beginnt mit einer Schocknachricht und Tränen: Der Krebs ist zurück, Winkelmann (Jahrgang 1949) und ihre Tochter liegen sich weinend in den Armen. Kurze Zeit später machen Langhans, 74, und seine drei Frauen sich auf den Weg nach Indien. Vom Himalaya über die "Totenstadt" Varanasi bis nach Kerala verläuft die Route. Eigentlich soll es die Suche nach einem indischen Guru, nach Glück und innerem Frieden sein. Praktisch sind es aber auch die ganz profanen Dinge des Lebens, die der Film zum Thema macht: Zickereien zwischen langjährigen Freundinnen oder Wut auf den selbstgerechten, immer irgendwie entrückt wirkenden Ex-Dschungelcamper Langhans.

"Der näher rückende Tod als Anlass, das pure Sein als Motivation und die Reise als Hommage an unsere Existenz", wirbt der Film für sich. Doch "Good Luck Finding Yourself" ist eine seltsame Geschichte geworden, die dann zwar durchaus berührend ist, wenn Winkelmann über ihre Krankheit und ihre Angst spricht. Bei jeder Tätigkeit habe sie gedacht: "Das ist das letzte Mal, dass du das machst. Du stirbst." Das richtige Leben, so sagt sie, sei "Sterben lernen".

Entlarvenden Nabelschau des "Harems"

Doch der Film wird immer wieder belanglos, wenn Langhans sich zum Beispiel wundert, warum das W-Lan nicht funktioniert oder die Frauen sich darüber streiten, wer wann welche Aufmerksamkeit eingefordert oder bekommen hat.

"Geld macht nicht glücklich", sagt Winkelmann zu einem Jungen, der am Ganges schwimmende Kerzen verkauft. "Ja, ja", sagt der nur. Und auch wenn Langhans und Winkelmann nahezu neidisch bemerken, dass die Ärmsten der Armen glücklicher aussehen als der gestresste deutsche Mittelstand, wollen sie auf ihre Unterkünfte mit fließendem Wasser nicht verzichten - und schon gar nicht aufs W-Lan. Die Reise, die eigentlich spiritueller Natur sein sollte, wird vor allem zu einer teils entlarvenden Nabelschau des "Harems".

Britta Schultejans, DPA / DPA