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Dschungelcamp, Tag 2 Zicke Sarah braucht das Langhans-Coaching


Er liegt mit 30.000 Kakerlaken in einem gläsernen Sarg und hält es für eine "raffinierte Massage" – Rainer Langhans meditiert sich locker durch seine Dschungelprüfung. So viel Ausgeglichenheit würde man auch Topmodel-Mitläuferin Sarah Knappik wünschen.
Von Björn Erichsen

Die Szene erinnert an den Grusel-Thriller "Die Mumie": So wie Rainer Langhans da in dem Plexiglassarg liegt, regungslos, die Hände vor der Brust verschränkt, die Augen fest geschlossen, während Unmengen von Kakerlaken über seinen halbnackten Körper krabbeln. "Doch, doch", die Biester würden ihm auch in die Hose kriechen, beantwortet er die Frage von Moderatorin Sonja Zietlow, die Langhans so gern provozieren würde. Doch der bleibt gelassen und findet: "Wirklich raffinierte Art von Massage ist das hier."

Man kann nur spekulieren, wo genau Langhans sich während der elfminütigen Schaben-Attacke in Gedanken befunden hat. Vielleicht daheim in München bei seinen Haremsfrauen, oder ein paar Jahrzehnte zurück in der Kommune, am warmen Schenkel von Uschi Obermaier. Fest steht jedenfalls: So ruhig, so cool, so stoisch hat noch kein Kandidat eine derartige Dschungelprüfung absolviert.

"Sag dort so wenig wie möglich"

"Ich habe mich schon etwas aus meinem Körper zurückgezogen", erklärt der Alt-68er und Anhänger des indischen Gurus Kirpal Singh anschließend seinen Mitinsassen im Dschungelcamp, die ihn mit "Rainer, Rainer"-Sprechchören zurückempfangen. Für die Macher der Show ist das natürlich Horror: Da fährt man schon ein Großaufgebot von Ungeziefer auf, und dann gibt es noch nicht mal Schockeffekte. Fast beleidigt empfiehlt Zietlow da den Zuschauern, für den nächsten Tag doch lieber jemand anderes für die Dschungelprüfung auszuwählen.

Ob man sich bei RTL die Zusammenarbeit mit Langhans tatsächlich so vorgestellt hat? Es war ja durchaus ein Coup, als durchsickerte, dass der Mitbegründer der legendären Kommune 1 ins Dschungelcamp einziehen würde. 50.000 Euro lässt sich das der Sender kosten und räumte dem ewigen Hippie auch diverse Privilegien ein. Doch anstatt im Camp die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen, stapft Langhans bisher lustlos durch den Dschungel, schläft viel und meditiert noch mehr. Er wolle nur Kasse machen, sagen manche, doch vielleicht beherzigt der passionierte Selbstdarsteller auch nur einen Tipp von Guilia Siegel: "Sag dort so wenig wie möglich, damit nichts gegen dich verwendet werden kann", soll ihm die ehemalige Dschungelzicke auf einer Party mit auf den Weg gegeben haben.

Es gab am Samstagabend dann doch noch mehr Langhans für das viele Geld: Bei einem arrangiert wirkenden Lagerfeuerplausch erzählte er den anderen Teilnehmern von ’68 ("Wir waren Gott") und der Zeit mit Uschi ("Mit ihr habe ich an Sex alles probiert – ihr hat es gereicht, mir nicht."). Und als er sich dann auch die letzte Kakerlake aus der Unterhose geklopft hatte, gab es den ganzen Rainer zu sehen: Begleitet von den Kameras sprang der 70-Jährige zum Baden in den Dschungelcampteich – und es wäre schön, wenn es vor solchen Szenen künftig eine kurze Warnung geben würde, damit Zuschauer, die nachts noch schlafen wollen, eine faire Chance haben.

Sarah ist die neue Oberzicke

Zum Glück für die Camp-Dramaturgen gibt es neben Langhans auch noch andere Kandidaten, Unausgeglichenere und Dünnhäutigere, jene die die Annehmlichkeiten der modernen Welt viel mehr vermissen. So befindet sich etwa die Laune der berufsmäßigen Frohnatur Eva Jacobs im Sturzflug, seit sie nicht bei jeder denkbaren Gelegenheit mit einem Sektglas in die Kamera prosten kann. Unter der Katerstimmung der 67-Jährigen musste vor allem Pop-Mäuschen Indira leiden, die sich mit der Jacobs-Schwester einen bizarren Streit um ein paar Palmzweige leistete.

Der Titel der Oberzicke allerdings ist bereits anderweitig vergeben: Sarah Knappik, Achtplatzierte bei "Germany's Next Topmodel" und ein Ausbund an Hektik und Humorlosigkeit. Mit ihrem Feldwebel-Ton brauchte die 24-Jährige nur zwei Tage, um das halbe Team gegen sich aufzubringen. Auch die Regie hat sie bereits auf dem Kieker und eine Top 10 ihrer spektakulärsten Lebensweisheiten erstellt: "Ich weiß, wie oberflächlich die Welt ist, und deshalb will ich sie ändern", palavert sie, oder mit bedeutungsvoll stockender Stimme: "Ich sage es nicht gern, aber ... aber ... Geld ist nicht alles im Leben." Der Zuschauer merkt schnell: Im Vergleich dazu ist jeder noch so schusselige Indira-Monolog eine Bildungsoffensive.

Folgerichtig ist Sarah von den Zuschauern für die nächste Dschungelprüfung nominiert worden, und es steht für die junge Frau zu befürchten, dass es nicht die letzte sein wird. Helfen könnte da ein kleines Entspannungs-Coaching von Rainer Langhans. Der hat schließlich aus seinem Harem Erfahrung mit problemorientierten Frauen und weiß darüber hinaus, wie man spinnerte Ideen zu Geld macht. Für RTL wäre es der Gau: Eine Dschungelkommune voller tiefenentspannter Langhans-Jünger, die freudig einer Kakerlakenmassage entgegenfiebern. Dann könnten sie den Laden auch gleich dicht machen.


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