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Quotenhit: Gracia flog raus und Daniel heulte

Überraschung und Buhrufe bei "Deutschland sucht den Superstar": Nicht wie erwartet Vanessa, sondern Gracia musste gehen. Daniel bekam vor laufender Kamera einen Weinkrampf.

Seit zwei Wochen rotierte die PR-Maschinerie der RTL-Sendung "Deutschland sucht den Superstar" auf Hochtouren: Die Big-Band-Show am Samstag sollte etwas ganz Tolles werden. Bei der letzten Sendung versicherte der schräge Daniel K. sogar "nur bis dorthin" kommen zu wollen. Alles andere sei nicht mehr so wichtig. Doch dann wurde es fast eine zweite Ausgabe von "Pleiten, Pech und Pannen".

Während Juliette noch einen atemberaubenden Auftritt mit "Big Spender" hinlegte, der Jury und Publikum gleichermaßen wegfegte, landete Vanessa mit ihrer Version des Judy Garland-Hits "Get happy" eine stimmliche Bruchlandung. Nett anzusehen, aber mit dünner Stimme, piepste sie hilf- und atemlos gegen den Groove der 17-köpfigen Big Band an, schaffte es aber immerhin durch ihre Fangemeinde die tadelnde Jury ausbuhen zu lassen.

Daniels Version des Paul Anka-Klassikers "My Way" war überraschenderweise mehr gesungen als gekrächzt und erntete deshalb uneingeschränktes Lob seitens der Juroren Stein, Fraser, Bug und Bohlen. Wieder einmal riss Daniel mit seiner tiefempfundenen Performance und cleveren Liedwahl das Saalpublikum mit. Gracia, die sich den alten Ella Fitzgerald-Hit "The Lady is a Tramp" ausgesucht hatte, fühlte sich eigenen Angaben zwar nicht so trittsicher im Jazzbereich, meisterte aber stimmsicher und elegant die Swing-Hürde. Und Alexander groovte mit dem Brecht-Weill-Klassiker "Mack the Knife" sogar richtig ab.

Während die Gesangseinlagen also mehrheitlich gut waren, steckte im Rest der Show der Wurm. Eine komplett überforderte Bildregie hielt mit der Kamera immer genau dort drauf, wo gerade nichts passierte, während der Ton hörbar gerade aus einem (unsichtbaren) anderen Bildausschnitt kam. Wenn er denn kam - könnte man sagen. Bei der großen Zugabe der fünf Finalisten ("Route 66"), hatten die ersten Sänger gar keinen Mikro-Ton und dann klangen sie allesamt, wie der Muppets-Chor. Verschenkt, unnötig, ärgerlich!

Am schlimmsten war aber das hilflose und überforderte Gestammel der beiden Präsentatoren. Wo sind die Zeiten hin, als Auftritte und Ansagen noch geprobt wurden? Während man Michelle Hunziker noch zugute halten kann, dass Deutsch offenbar nicht ihre Muttersprache ist und sie somit bei jedem Versuch spontan zu sein, heillos ins Trudeln kommt, fehlt Carsten Spengemann diese Entschuldigung. Wenigstens brachte er neben Brutal-Plattitüden und Dackelblick ein wenig "menscheln" in die Schluss-Sekunden, als er sofort zum verzweifelten Daniel ging, um ihn zu trösten.

Die Zuschauer waren nämlich eigensinnig: Entgegen dem Votum der Jury wählten sie am Samstagabend die Münchnerin Gracia Baur aus der Sendung. Dabei hatte die Jury - ausnahmsweise einstimmig - Vanessas "Get Happy"-Interpretation als den schwächsten Auftritt bewertet. Noch in der vergangenen Woche wurden Gracia laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage für die Fernsehzeitschrift "Bildwoche" die besten Chancen auf den Sieg bei der Sendung eingeräumt.

Während Gracia sehr gefasst auf ihr Ausscheiden reagierte, gab es im Saal laute Buh-Rufe. Kandidat Daniel heulte wie ein Schlosshund und musste von der Bühne geführt werden. Nach der Sendung erklärte Daniel auf der RTL-Aftershow-Party: "Gracia ist wie eine große Schwester für mich, mit ihr habe ich mich am besten verstanden in der Superstar-WG. Unsere bayerische Front ist jetzt zerbrochen - aber ich werde weiter für sie kämpfen."

Bei einer Abstimmung

der "Bild"-Zeitung waren eigentlich die meisten Anrufer (56,5 Prozent) dafür gewesen, dass der 17-jährige Daniel endlich als nächster aus dem Wettbewerb ausscheidet. Daniel, dem der "Spiegel" eine "Stimmlage zwischen Bibi Blocksberg und Kastrat" bescheinigte, überzeugte aber diesmal mit seiner gesanglichen Dabietung. Auch Schumi-II-Double Alexander und Juliette (diesmal mit elegant gegelter Frisur) erhielten großes Lob von dem vierköpfigen Gremium, dem unter anderem Dieter Bohlen angehört.

Unterdessen klagten im "Spiegel" mehrere Kandidaten über den enormen Mediendruck. Man merke erst mal, "was vor allem 'Bild' für eine Mega-Macht hat", sagte etwa Alexander. Das Blatt berichtete am Samstag in seinem Aufmacher darüber, dass Daniel in München zwei Jahre im Erziehungsheim war. Die Mutter sagte der "Bild", nach ihrer Scheidung habe Daniel "auf einmal beim Vater leben" wollen. "Dann gefiel es ihm dort wieder nicht. Es gab Streit, weil er mit 15 oft ganze Wochenenden weg blieb. Und ich konnte mich nicht um ihn kümmern."

In der nächsten

Sendung am kommenden Samstag treten die vier verbliebenen Kandidaten Daniel, Juliette, Vanessa und Alexander unter dem Motto "Disco" auf.

Karin Spitra (mit Agenturen) / DPA
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