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Schauspieler: Thomas Kretschmann erzählt, wie er sexuell belästigt wurde - und was er von MeToo hält

Nicht alles an MeToo gefällt ihm: Im Interview erzählt Thomas Kretschmann, was ihn daran stört - und schildert, dass er selbst Opfer sexueller Übergriffe wurde.

Thomas Kretschmann

Schauspieler Thomas Kretschmann

Picture Alliance

Bully Herbigs neuer Film "Ballon" erzählt eine wahre Geschichte: Im September 1979 gelang zwei Familien aus Thüringen mit einem selbstgebauten Heißluftballon die Flucht nach Westdeutschland. In dem Kinofilm ist auch Thomas Kretschmann mit dabei, der erstmals nach sieben Jahren in einer deutschen Produktion mitwirkt.

Für Kretschmann ist dieser Film eine Reise in die eigene Vergangenheit: Der Schauspieler wurde selbst in der DDR geboren und gehörte dem Olympiakader im Schwimmen an. 1983 floh er selbst in den Westen. Dort begann er Ende der 80er Jahre seine Filmkarriere. Mittlerweile hat er sich in Hollywood etabliert und spielt nur noch selten in Deutschland.

Thomas Kretschmann über Weinstein

Zum Start von "Ballon" gab er der "Bild"-Zeitung ein Interview - und sprach darin auch über seine Gedanken zur MeToo-Bewegung. Dazu hat er durchaus differenzierte Gedanken: Zwar begrüßt er, dass Harvey Weinstein entmachtet wurde. Gleichzeitig findet es Kretschmann "ekelhaft, in welcher Form sich Andere an das Thema hängen, um durch diese Aufmerksamkeit ihre Karriere neu beleben zu wollen." Man habe als betroffene Schauspielerin auch sagen können: "'Ich gehe nicht mit Dir ins Bett. Dann bekomme ich halt den Oscar auch nicht, weil Du dann eine andere besetzt, aber egal!'", so der Schauspieler. Jeder habe gewusst, wie Weinstein arbeitet.

Kretschmann weiß, wovon er spricht - denn auch er wurde sexuell belästigt, wie er sagt: "Ich habe mindestens fünf Regisseure getroffen, die mir in den Schritt gefasst haben, fassen wollten oder gern etwas anderes mit mir angestellt hätten." Der 56-Jährige glaubt, seine Karriere sei anders verlaufen, wenn er darauf eingegangen wäre. Doch er habe seine eigene Grenze gezogen: "Ich hätte sicher auch gerne einen Oscar, aber ich würde nicht alles dafür tun", so sein Fazit.

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