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stern-Gespräch

"Head Full of Honey": "Die größte Enttäuschung meiner Karriere": Til Schweiger macht sein Scheitern in den USA zu schaffen

Das englischsprachige Remake seines Kinoerfolgs "Honig im Kopf" floppte bei der Kritik in den USA. Til Schweiger sucht nach Gründen, spricht über Schadenfreude und geplatzte Oscar-Träume.

Trailer: "Head Full of Honey"

Herr Schweiger, 7,2 Millionen Deutsche ...

7,3 ...

... haben "Honig im Kopf" gesehen; die Geschichte um einen demenzkranken Großvater ist einer der erfolgreichsten deutschen Filme. Warum sollen die sich jetzt die internationale Fassung "Head Full of Honey" noch einmal ansehen – dieselbe Story mit anderen Schauspielern?

Weil wir einen tollen Film gemacht haben? Es gibt bestimmt Menschen, die sich diese Fassung noch mal ansehen, allein schon aus Neugierde, wie Nick Nolte jetzt den Großvater spielt. Wie viele das sein werden, weiß ich nicht. Aber ich habe "Head Full" ja in erster Linie für den Rest der Welt gemacht.

Mit amerikanischen Schauspielern wie Nick Nolte oder Matt Dillon.

Ja, aber der Film spielt nicht in Amerika, das wollte ich auch nicht, er sollte in Europa bleiben. Die Familie lebt in London und holt den Großvater aus Amerika zu sich, und er fährt dann mit seiner Enkelin mit dem London-Venedig-Express, den es wirklich gibt, nach Italien.

Warum haben Sie "Honig im Kopf" nicht einfach ins Englische synchronisiert?

Weil das in Amerika nicht geht, Amerikaner schauen keine synchronisierten Filme und schon gar nicht Filme mit Untertiteln. Die wollen im Kino nichts lesen müssen. Deutsche Unterhaltungsfilme, in denen es nicht um Stasi oder Drittes Reich geht, haben es generell schwer im Ausland. Unterhaltung aus Deutschland gilt als Widerspruch in sich.

Warum haben Sie sich überhaupt an eine internationale Fassung getraut?

Weil Warner Bros. in den USA ein Remake machen wollte, und der Film mir so wichtig ist, dass ich verhindern wollte, dass er "amerikanisiert" wird. Ich wollte ihn selbst machen, um ihn sozusagen zu beschützen.

Vor den Dreharbeiten wurden viele Namen für die Hauptrolle gehandelt, etwa Michael Douglas oder Tom Hanks. Wie kamen Sie dann auf Nick Nolte, den viele gar nicht mehr kennen?

Als ich das erste Mal mit dem Studio verhandelte, habe ich gesagt, Nick Nolte ist meine erste Wahl. Die haben dann gesagt, vergiss es, Nolte ist kein A-Star mehr, den will keiner sehen. Meine Antwort war: Dieter Hallervorden war auch kein A-Star mehr und ist der Held von "Honig im Kopf" geworden.

Im Original von "Honig im Kopf" spielte Dieter Hallervorden (l.) eine Hauptrolle.

Im Original von "Honig im Kopf" spielte Dieter Hallervorden (l.) eine Hauptrolle.

Und dann gab es ein Foto mit Ihnen und Michael Douglas.

Ja, wir haben uns zweimal getroffen, und er war von dem Projekt begeistert, und es sah gut aus. Aber dann kam das Drehbuch, das Jojo Moyes geschrieben hatte und das ich toll fand. Michael aber nicht. Er fand, es sei genauso wie die deutsche Fassung. Ich sagte Michael: Du hast mich gefragt, warum ich das Remake mache, und ich habe dir gesagt, weil ich möchte, dass es so wird wie das Original, für die Welt. Er stand dann aus Zeitgründen nicht mehr zur Verfügung. Dann haben wir Tom Hanks angefragt, da gab es aber auch kein Interesse. Gut, dann habe ich zu Warner gesagt, ich frage jetzt Nick Nolte, und wenn der es nicht machen will, lassen wir es, ich habe auch andere Sachen zu tun. Aber Nick Nolte mochte es und sagte sofort zu.

Wenn man beide Filme sieht, gibt es, abgesehen von den Schauspielern, wirklich kaum Unterschiede.

Doch, die Familiengeschichte der Eltern ist ausführlicher erzählt, es gibt ein paar neue Szenen und auch welche, die es nicht in die englische Fassung geschafft haben.

Welche?

Die Szene, in der sich Amadeus in die Hose macht und Tilda ihm die Unterhose wechselt, zum Beispiel. So etwas ist wohl in Amerika moralisch nicht zu vertreten. Aber für mich war es immer eine Schlüsselszene, die zeigt, dass das Mädchen keinen Ekel vor seinem Großvater hat.

Sie haben neben Nolte eine bemerkenswerte Besetzung zusammenbekommen: Matt Dillon, Emily Mortimer, Jacqueline Bisset, Greta Scacchi, das Topmodel Toni Garrn, selbst Veronika Ferres hat einen kurzen Auftritt. Alle in einer Geschichte, die in Deutschland erfolgreich war. Kann doch eigentlich nichts schiefgehen.

Mal sehen. Der Film startet nun zeitgleich in Deutschland, Italien und Frankreich, später dann auch in England.

Es ging aber wohl etwas schief. In den USA lief "Head Full of Honey" in nur vier Kinos, wurde von drei Kritikern in großen Zeitungen heftig verrissen, die Zuschauerzahlen waren auch nicht großartig. Ein Kritiker verglich den Film mit einer Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Was war passiert?

Ich weiß es nicht. Es gab ja nur diese drei Kritiken in diesen drei Tageszeitungen. Keine sonst. Es gibt so viele Zeitungen in Los Angeles und New York, keiner hat den Film gesehen außer diesen drei Kritikern, das fand ich sonderbar. Und der Vorwurf, ich würde über ein so sensibles Thema wie Alzheimer Witze machen, stimmt nicht, das ist ein Witz. Jeder, der den deutschen Film gesehen hat, weiß, dass wir mit dem Film die Krankheit aus ihrem Stigma geholt haben. Es ist eine tragische Geschichte mit komischen Momenten, wir haben aber immer die Würde des alten Mannes geschützt, und wir wollten zeigen, wie viel unbefangener Kinder mit solchen Menschen umgehen.

In "Head Full of Honey" wirken Nick Nolte, dessen Tochter Sophie Lane Nolte und Matt Dillon mit

In "Head Full of Honey" wirken Nick Nolte, dessen Tochter Sophie Lane Nolte und Matt Dillon mit

Kann es auch sein, dass die Kritiker Ihren manchmal derben Humor nicht verstehen? Etwa bei der Szene, wenn Nick Nolte als Demenzkranker eine Kühlschranktür öffnet und auf Käse und Wurst pinkelt, weil er glaubt, es sei die Toilette?

Also, ich habe den Film in einem Kino in Los Angeles gesehen, und die Leute haben bei der Szene laut gelacht, genau so wie das Publikum in Brüssel, in Madrid und auf Capri, wo der Film mit großem Erfolg auf Festivals lief.

Es wurde auch kritisiert, der Film sei unrealistisch.

Wir haben nie behauptet, dass "Honey" kein Märchen ist! Die meisten Filme sind Märchen, darum lieben wir sie! Und was heißt unrealistisch? Ist dann ein hochgezüchteter Cyborg, der als Kampfmaschine aus der Zukunft in die Gegenwart kommt, um die Zukunft zu verändern, und dem seine Entwickler einen österreichischen Akzent programmiert haben, realistisch? Wohl eher nicht. Trotzdem ist "Terminator 2" einer der besten Filme aller Zeiten. Bei "Head Full" haben sich drei Kritiker – und nur diese drei – hingesetzt und gesagt: Hey, du Deutscher, dich wollen wir hier nicht haben, komm hier nicht mit so einem Film her.

Und deshalb lief der Film nur zwei Wochen in vier Kinos?

In zwei von den Kinos waren die Zahlen auch ganz gut, aber insgesamt reicht so was nicht. Ich wollte ihn 2018 aber auch deshalb zeigen, damit Nick Nolte eine Chance gehabt hätte, für die Golden Globes oder den Oscar beachtet zu werden. Aber für diese Preise muss das Studio eine große Kampagne starten, die gab es leider nicht. Wir liefen komplett unter dem Radar. Wie das alles gelaufen ist, hat mich und uns und auch Nick schon sehr getroffen. Und dann kam noch die Schadenfreude in Deutschland dazu.

Was meinen Sie damit?

Na ja, dass Schweiger in den USA auf die Schnauze gefallen ist, wurde hier tagelang sehr genüsslich "publiziert".

Aber dass Ihre Filme wie eine Wurzelbehandlung seien, hat hier noch keiner geschrieben.

Das stimmt. Und ich dachte auch: Schlimmer als deutsche Kritiker geht es eigentlich nicht. Wieder was gelernt.

Heißt das nun, dass "Head Full of Honey" in den USA nicht mehr ins Kino kommt?

Wenn wir noch jemanden finden, der ihn verleiht, vielleicht. Wir führen Gespräche. Aber zurzeit sieht es nicht danach aus. Der Film wird trotzdem sein Publikum finden.

Wie viel persönliche Hoffnung hatten Sie, einen in den USA erfolgreichen Film zu machen?

Ich war sicher, dass es funktionieren würde, weil das auch jeder, mit dem ich in den USA dabei zu tun hatte, bestätigte. Viele waren ganz sicher, dass Nick mit dem Film eine Chance auf den Golden Globe oder den Oscar gehabt hätte. Josh Brolin fand ihn großartig, und Michael Caine sagte zu mir: "Nick has my vote." Mir tut es so leid für Nick, weil er es so verdient gehabt hätte.

Nick Nolte (l.) hätte für die Rolle einen Oscar verdient, findet sein Regisseur Til Schweiger

Nick Nolte (l.) hätte für die Rolle einen Oscar verdient, findet sein Regisseur Til Schweiger

In Hollywood sagt man doch immer "großartig" oder "fantastisch", ohne es wirklich zu meinen.

Ich habe da acht Jahre gelebt, ich kann schon unterscheiden, wie jemand ein "awesome" oder "great" meint.

Sie haben schon gesagt, der Film sei der größte Flop Ihrer Laufbahn gewesen.

Flop ist das falsche Wort, ein Flop ist, wenn ein Studio auf etlichen Millionen Verlust sitzen bleibt wie bei "Solo. A Star Wars Story". Unser Film wird sein Budget mit Sicherheit wieder einspielen. Aber es ist die größte Enttäuschung meiner Karriere als Filmemacher, weil wir zu keiner Zeit eine realistische Chance hatten. Mal abwarten, wie sich "Head Full" in Europa macht. Aber ob ich noch mal einen internationalen Film wie diesen drehen werde, weiß Gott allein.

Ihren Filmen und Geschäften in Deutschland wird es kaum schaden. Sie haben mit "Barefoot Living" einen Onlineshop, dessen Produkte auch in Ihren Filmen zu sehen sind.

Aber nicht viele, in "Head Full" sind es ein paar Kissen und Geschirr, es steht nicht darauf, woher die sind. Ich mache meine Filme ja nicht, um den Shop zu bewerben. In "Head Full" sieht man aber das angeblich teuerste Wasser Deutschlands, das "Barewater", das gibt es aber nur exklusiv im Barefood Deli, meinem Hamburger Restaurant.

In Ihrer Firma arbeiten Ihre beiden Brüder, in Ihren Filmen haben Ihre drei Töchter mitgespielt, Ihr Sohn wird bei Ihnen Kameramann. Ein Familienunternehmen?

Ob mein Sohn Kameramann wird, weiß er noch nicht, er ist nämlich ein ebenso talentierter Koch. Dass ich mit meinen Töchtern arbeiten kann, ist toll, weil ich so mehr Zeit mit ihnen verbringen kann. Aber keine der drei will Schauspielerin werden. Luna studiert jetzt in Paris, Lilli will Goldschmiedin werden, und Emma weiß noch nicht, was sie machen wird.

Sie werden bald wieder zu einer Figur, die die Deutschen kennen: Nick Tschiller, "Tatort"-Kommissar. Worum geht es, und wie viel Tote wird es geben?

Ich darf nicht viel verraten, aber es wird erst einmal einsam. Wir drehen auf Neuwerk, einer winzigen Insel nahe der Elbmündung in der Nordsee. Sprengen kann man da nicht viel, weil es kaum Gebäude gibt, auch im Bodycount werden wir leider keine neuen Rekorde aufstellen.

Das könnte die Verantwortlichen in der ARD beruhigen, die immer wieder ermahnt werden, Schweigers "Tatorte" seien zu teuer. Neuwerk klingt bezahlbar.

Da fängt die Geschichte ja nur an. Und ja, meine "Tatorte" sind ein bisschen teurer als andere, aber es passiert auch mehr als in anderen. Da ist Action und Drama, und das ist eben teurer. Ich glaube ja, es ist umgekehrt, einige andere "Tatorte" sind viel zu teuer. Da sitzen zwei Ermittler am Schreibtisch, dann klingelt das Telefon, es gibt eine Leiche und fünf Verdächtige, und dann bleiben sie am Schreibtisch sitzen und versuchen zu erraten, wer denn nun der Mörder sein könnte. Warum kostet das so viel Geld?

Das Interview mit Til Schweiger ist dem aktuellen stern entnommen:

Klassentreffen 1.0 Til Schweiger
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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(