HOME

Trickfilm von Hayao Miyazaki: Goldfischmädchen "Ponyo" - eine Animé-Heldin mit Flossen

Aus dem japanischen Studio Ghibli kommt endlich ein neuer Zeichentrickfilm von Altmeister Hayao Miyazaki. Trotz immer perfekterer Computeranimation wurden die Bilder für "Ponyo" komplett von Hand gezeichnet.

Er gilt als "japanischer Walt Disney". Hayao Miyazakis Zeichentrickfilme haben Spannung, Witz und Action - aber auch immer poetischen Tiefgang. Mit Werken wie "Das wandelnde Schloss", "Prinzessin Mononoke" und "Chihiros Reise ins Zauberland" ist Miyazaki Stammgast der internationalen Filmfestivals.

Mit "Ponyo - Das große Abenteuer am Meer" kommt nach fünf Jahren ein neuer Film des mittlerweile 69-jährigen Regisseurs ins Kino. Das Goldfischmädchen Ponyo ist wohl die niedlichste, vielleicht aber auch harmloseste Heldin des Animé-Altmeisters.

Große Kulleraugen blicken vorsichtig unter einer glibberigen Qualle hervor, die auf der Meeresoberfläche schwebt - das Fischlein Ponyo nutzt das Quallentier als Tarnung, um einen Blick in die Menschenwelt zu werfen. Denn dort würde Ponyo auch gerne leben und die Flossen gegen Arme und Beine eintauschen.

Eines Tages wagt sich Ponyo ganz nah ans Ufer und gerät in Lebensgefahr: Sie steckt plötzlich in einem leeren Marmeladenglas fest - einer der vielen schmutzigen Hinterlassenschaften der menschlichen Meeresanrainer. Gefangen im Glas wird Ponyo an den felsigen Strand gespült und dort zum Glück von dem fünfjährigen Jungen Sosuke entdeckt.

Dass das kein gewöhnlicher Fisch ist, merkt Sosuke schnell - am liebsten isst das Meereswesen nämlich Schinken. Die vor Energie überbordende Ponyo und das einsame Einzelkind Sosuke freunden sich an. Entgegen der von ihrem strengen Vater, dem Unterwasserzauberer Fujimoto, aufgestellten Regeln setzt Ponyo ihre magische Kraft ein, um sich Arme und Beine wachsen zu lassen.

Doch Ponyos Kräfte bringen die Naturgewalten durcheinander: Gewaltige Wellen bedrohen Sosukes Heimatdorf. Das Meer scheint der dem Nass entflohenen Ponyo zu zürnen. Gemeinsam versuchen das Goldfischmädchen und ihr Menschenfreund, eine Katastrophe abzuwenden.

"Dieser Film ist meine Antwort auf das Leid und die Ungewissheit in unserer Zeit", erklärt Miyazaki sein Werk. Das Meer stehe dabei als Metapher für das Unterbewusstsein des Menschen. Wie in seinen früheren Werken spielt auch in "Ponyo" die japanische Mythologie eine Rolle.

Die großen Menschheitsfragen nach Leben, Liebe, Sinn und Tod werden dieses Mal aber nicht so vehement gestellt. Schon allein mit seinen hellen, freundlichen Farben hebt sich "Ponyo" deutlich von Miyazakis früheren Filmen ab, die stets auch dunkle, bedrohliche Stimmungen vermitteln.

So ist "Ponyo" auch ein echter Kinderfilm geworden. Er erzählt von Sosukes Problemen, dessen Eltern immer wieder Krisen durchleben. Und davon, dass die Menschen sorgsamer mit ihrer Umwelt umgehen sollten.

Und nicht nur Miyazakis Erzählweise ist klassisch. Trotz immer perfekterer Computeranimation wurden die Zeichnungen für "Ponyo" komplett von Hand gemacht. Dabei legten der Regisseur und seine Zeichner Wert auch noch auf das kleinste Detail - von der blubbernden Nudelsuppe bis zu den riesigen, Fischen gleichenden tosenden Meereswogen.

Elke Vogel, DPA / DPA