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TV-Tipps 10.5: "Prinzessin Mononoke": Öko kann auch sexy und blutrünstig

Gegen das Wolfskind San ist Mogli ein Schlappschwanz. Ihre Öko-Botschaft bringt sie den Menschen mit Pfeil und Bogen bei. "Prinzessin Mononoke" ist unser TV-Tipp des Tages.

Gelungener Auftritt: Prinzessin Mononoke ("Dämonenprinzessin") alias San hat gerade die Wunde ihres verletzten Wolfsgefährten ausgesaugt

Gelungener Auftritt: Prinzessin Mononoke ("Dämonenprinzessin") alias San hat gerade die Wunde ihres verletzten Wolfsgefährten ausgesaugt

"Prinzessin Mononoke"
20.15 Uhr, SuperRTL
ANIME Als wir Prinzessin Mononoke alias San zum ersten Mal begegnen, ist ihr Mund blutverschmiert. Das Mädchen, das bei Wölfen aufgewachsen ist und die Menschen hasst, saugt gerade die Wunde eines verletzten Gefährten aus. Wenn der junge Prinz Ashitaka, der bei der Verteidigung seines Dorfes gegen einen Dämon verflucht wurde, seines Pfeile durch die Luft schwirren lässt, rollen die Köpfe nicht nur sprichwörtlich. Nein, die Welt von "Prinzessin Mononoke" ist kein Wolkenkuckucksland. Im Kampf um die Rettung des Waldes sterben Menschen und Tiere. Sie werden von Pfeilen und Speeren durchbohrt; wir sehen ihre geschundenen Leichen auf dem Erdboden liegen.

Oder vielleicht auch nicht. Denn die Tatsache, dass SuperRTL diesen wunderbaren Zeichentrick von Ghibli-Großmeister Hayao Miyazaki zur Primetime zeigt, deutet stark darauf hin, dass die heftigsten Szenen wohl herausgekürzt wurden - wie schon bei vorherigen TV-Ausstrahlungen in Deutschland. Die Idee, dass gezeichnete Erzählungen (sei es nun Comic oder Zeichentrick) ausschließlich etwas für ein jüngeres Publikum sind, wurzelt tief in deutschen Landen. In Japan sieht das freilich ganz anders aus. Weswegen Themen wie Gewalt und Sexualität in Animes und Mangas sehr viel weniger tabuisiert werden.

Die Filme der Ghibli Studios, der berühmteste hierzulande ist wohl "Chihiros Reise ins Zauberland", vermögen es auf unnachahmliche Weise, eine magische Welt zu erschaffen, die gleichzeitig wunderschön poetisch, fantastisch und brutal real sein kann. Gut oder Böse existieren nur in Schattierungen: Beim Kampf um den Wald wenden beide Seiten, Tiere wie Menschen, extreme Gewalt und zweifelhafte Methoden an. Und selbst Herrin Eboshi, die mit ihrer Eisenhütte die Natur ausbeutet und den Geist des Waldes töten will, werden gleich mehrere positive Charakterzüge zugestanden.

Der Vergleich mit Disney, dem Ghibli hierzulande immer wieder ausgesetzt ist, hinkt deswegen: US-Zeichentricks wie "Toy Story" oder "Das Dschungelbuch" bleiben doch immer Filme, die ihre Charaktere in ein simples Gut-Böse-Schema zwängen, und die man sich auch mit kleinen Kindern anschauen kann. Bevor Sie sich "Prinzessin Mononoke" ansehen (zumindest in der ungekürzten Fassung), sollten sie die Allerjüngsten daher besser ins Bett schicken. Meine Eltern waren damals leider nicht so schlau: Der rote Stier aus "Das letzte Einhorn" und die blutrünstigen Kaninchen aus "Watership Down" haben mir noch Jahre später Alpträume beschert.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Fegefeuer in Ingolstadt"
20.15 Uhr, 3Sat
THEATER Auf dem 51. Theatertreffen in Berlin gerade mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet und heute als eines von drei "Starken Stücken" im Programm: Marieluise Fleißers Tragödie von 1924 in der Inszenierung der Münchner Kammerspiele. Eine Provinzshow für Wagemutige. (bis 21.50)

"Hate Radio"
22.40 Uhr, 3Sat

DOKU Am Völkermord an den Tutsi vor 20 Jahren war der Radiosender RTLM nicht unschuldig. Seine Mitarbeiter bereiteten den Genozid gezielt vor. Autor Milo Rau klagte mit seinem Theaterstück das "Hate Radio" an. Seine Doku beleuchtet die Hintergründe, auch Exmoderatoren kommen zu Wort. (bis 23.35)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo