HOME

"War Machine" auf Netflix: Ja, das ist Brad Pitt! Und er war noch nie brillanter

Mit dem Netflix-Film "War Machine" feiert Brad Pitt sein Comeback als Schauspieler und trockengelegter Alkoholiker. Darum müssen Sie einschalten.

Brad Pitt in "War Machine"

Brad Pitt als US-General Glen McMohan in "War Machine"

Bevor wir über diesen grandiosen Film sprechen, müssen wir uns kurz noch einmal beschweren, weil das Leben nicht gerecht ist. Gott ist nicht fair. Wie lässt es sich sonst erklären, dass er sich Menschen wie Brad Pitt ausgedacht hat? Wir haben es ja ohne Neid hingenommen, dass der Mann besser aussieht als 95 Prozent der männlichen Menschheit. Wer will schon ein Dauerabo auf den Titel "Sexiest Man Alive"? Muss ja auch anstrengend sein: Rohkost, Personal-Trainer und siebentägiger Fitness-Wochenplan.

Wir haben uns auch daran erfreut, dass der Mann mit einem außergewöhnlichen Schauspieltalent gesegnet wurde. Wir denken da jetzt mal an "Ocean's Eleven" und vergessen großzügig "Rendezvous mit Joe Black". Und wir blieben auch extrem großherzig, als sich Brad Pitt mit Angelina Jolie eine Frau angelte, die ihr blendendes Aussehen und ihren Ruhm dafür nutzt, auf die Ungerechtigkeiten der Welt hinzuweisen.

Haben wir alles geschluckt, obwohl es in Sachen göttlicher Glücksverteilung nicht unbedingt fair war. Wenn Brad Pitt nun aber gesteht, dass er seit er vom College runter ist, kaum einen Tag nicht besoffen oder bekifft war, überspannt er den Bogen. Immer drauf sein und trotzdem wie ein junger griechischer Gott morgens aus dem Bett zu hüpfen, das ist dann doch ein bisschen viel des Guten.

Brad Pitt trank und nahm Drogen und war trotzdem großartig

Aber es ja auch nicht so, dass es ihm gefallen hat, dieser ewige Drogentrip. Er habe, so sagt Brad Pitt, einen Russen mit Wodka unter den Tisch trinken können, aber damit sei es jetzt vorbei. Seine Ehe mit Angelina Jolie ist kaputt und Brad Pitt trinkt jetzt nur noch Cranberrysaft, geht zur Therapie und sagt stolz, er habe jetzt das sauberste Urin in ganz Hollywood. Wenn er sich nicht um seine Kinder kümmert, verbringt er seine Tage gerne sinnierend mit Herz-Schmerz-Liedern von Marvin Gaye im Bildhauer-Studio eines Freundes in Los Angeles.  "Ich halte mich nicht mehr für einen Schauspieler", klagt Pitt. 

Was wirklich bedauerlich ist, weil gerade zeigt Brad Pitt in dem Netflix-Film "War Machine" wieder einmal, zu was er eigentlich schauspielerisch in der Lage ist. Darin schlüpft Brad Pitt in die Rolle des US-Generals Glen McMohan, einem größenwahnsinnigen Kriegshelden, der davon besessen ist, im Alleingang mit seiner treu ergebenen, oft aber auch ziemlich besoffenen Einheit im kriegsgeschüttelten Afghanistan  dauerhaft für Frieden zu sorgen.

Brad Pitt begeistert mit neuem Netflix-Film "War Machine"

Natürlich läuft der Ego-Trip des Generals McMohan, dem Pitt eine irre komische comic-hafte Stimme verliehen hat, völlig aus dem Ruder. Der afghanische Präsident Karzai (brillant gespielt von Ben Kingsley) liegt nur kichernd im Bett, um sich Filme wie "Dumm und Dümmer" anzuschauen und ist nicht wirklich eine Hilfe im Anti-Terror-Krieg. Und die Herren in Washington, allen voran Präsident Obama, sind zu feige, dem hochdekorierten Sterne-General McMohan die Grenzen aufzuzeigen.

"War Machine" wirkt über viele Strecken wie eine rein fiktionale auf die Spitze getriebene Kriegs-Satire, die nichts mit Wirklichkeit zu tun haben kann. Die Wahrheit ist eine andere: die Geschichte beruht auf den Recherchen des Rolling-Stone-Reporters Michael Hastings, der 2010 mit seinen Enthüllung über das Treiben des realen US-Generals Stanley McCrystal in Afghanistan für ein großen Polit-Skandal sorgte. 

"War Machine" ist ab sofort auf Netflix zu sehen.