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Filmstar: Wie es Frederick Lau ohne Schauspielschule geschafft hat

Der Darsteller Frederick Lau hat sich mit Mut und Ehrgeiz in die erste Reihe gespielt. Dabei hat er gar keine Schauspielschule besucht.

Schauspieler Frederick Lau hat sich mit Mut und Ehrgeiz in die erste Reihe gespielt

Frederick Lau, 28, macht Tempo: verheiratet, zwei Kinder, steile Karriere

Ein Hamburger Nachmittag im Herbst. Nieselregen und schon wieder dunkel draußen. Frederick Lau schaut aus dem Fenster in die Staulichter des Feierabendverkehrs und fragt sich, ob er nicht gleich schon wieder los muss. Er hat da gerade etwas den Überblick verloren. Vorgestern Shanghai, gestern Zürich, jetzt Hamburg. In einer Stunde feiert sein Kinofilm "Simpel" Premiere auf dem Filmfest. "Ich bin echt nicht gut darin, nichts zu tun", sagt Lau, "aber manchmal läuft mir mein Leben schon ein bisschen zu schnell." Frederick Lau ist gerade einmal 28, aber bei ihm geht alles rascher als bei anderen: Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in einem Haus mit Garten in Berlin-Steglitz. Als zehnjähriger Knirps stand er bereits das erste Mal für einen ZDF-Kinderfilm vor der Kamera. Inzwischen hat er eine Agentin in London, die seine Karriere vorantreibt.

Frederick Lau wusste sofort, dass er diese Rolle wollte

Dabei hat er nie eine Schauspielschule besucht. "Ich bin ein Bauchschauspieler und kann wirklich nicht erklären, wie ich das mache", sagt er. Das mag kokett klingen für einen, der bereits zweimal den Deutschen Filmpreis gewonnen hat, aber der Erfolg hat ihm nicht die Unsicherheit genommen. "Wenn ich einen Regisseur nicht kenne, dann mache ich mir vor dem Dreh immer noch in die Hose." Er fange immer wieder bei null an. Diese Ungewissheit sei Fundament seiner Schauspielkunst. Lau besticht durch Natürlichkeit und physische Wucht. Er sticht damit heraus aus dem Heer der brillant geschulten Kollegen, die oft so austauschbar wirken. Lau dagegen hat ein Gesicht, das im Gedächtnis bleibt, weil es voller Widersprüche ist. Boxernase, melancholische braune Augen und eine hohe Stirn, die meist zerfurcht ist. Er sieht auf eine seltsame Weise perfekt unperfekt aus.

In der Tragikomödie "Simpel" zeigt er erneut, warum er zu den außergewöhnlichsten Darstellern des Landes gehört. Erzählt wird die anrührende Geschichte eines langen schmerzhaften Loslassens. Es geht um die Brüder Ben (Frederick Lau) und Barnabas (David Kross), die sich voneinander trennen müssen, auch wenn das zunächst unmöglich erscheint. Denn Ben ist nicht nur großer Bruder, sondern der Beschützer des geistig behinderten Barnabas, den er liebevoll "Simpel" nennt. Der Vater hat sich vor langer Zeit aus dem Staub gemacht, und als dann auch noch die Mutter stirbt, fliehen die Brüder vor den Behörden der Provinz, die Simpel ins Heim verfrachten wollen. In der Großstadt suchen sie den Vater.

Frederick Lau wusste sofort nach dem Lesen des Drehbuchs, dass er diese Rolle haben wollte: "Ben kämpft gegen viele Widerstände, weil er sich seinem Bruder verpflichtet fühlt. Dieses Gefühl, ein Außenseiter zu sein und sich behaupten zu wollen, das kann ich gut nachempfinden."

Lau war "Flohmarktkind", wie er sagt. Jedes Wochenende unterwegs mit dem Vater, der Trödel sammelte für seinen Antiquitätenladen in Berlin-Steglitz. Auch das Haus der Familie quoll über von Krimskrams. Der Junge lud keine Freunde ein, weil er nicht einmal ein eigenes Zimmer hatte. Als Bett diente ein Ausziehsofa im Wohnzimmer. Und während seine Klassenkameraden mit dem BMW der Väter von der Schule abgeholt wurden, radelte Frederiks Vater auf einem alten, klapprigen Fahrrad. "Ich nahm meinem Vater das nicht übel, denn er gab mir so viel anderes. Aber unangenehm war es schon."

Irgendwann, sagt Frederick Lau heute, habe er verstanden, sein tief empfundenes Außenseiterdasein als Ansporn zu nutzen. Er wird ein besessener Sportler, spielt Eishockey und macht Judo. Auf dem Eis wird er als Schüler Deutscher Meister, auf der Judomatte Berliner Jugendmeister. Er will gewinnen und weint, wenn es mal nicht klappt. Als er eines Tages die Lokalzeitung nach einem Sportergebnis durchforstet, liest er von einem Schauspiel-Casting für Jugendliche. "Ich schicke doch keinen fremden Leuten ein Bild meines Sohnes!", sagt sein Vater. Und begleitet Frederick zum Vorsprechen – aus dem Sportler wird der Schauspieler Frederick Lau.

"Mach andere Menschen glücklich"

Sein Vater ist bis heute so etwas wie sein moralischer Kompass geblieben. Er habe ihm damals gesagt: "Enttäusche die Menschen nicht, die dir eine Chance geben. Mach andere Menschen glücklich." An diesen Worten misst Frederick Lau heute noch seine Arbeit als Schauspieler. Deshalb wirft er sich auch immer wieder in Filme, die anders sind, riskanter, die abweichen vom Mainstream. So wie vor zwei Jahren in "Victoria", einen rauschhaften Kinofilm über eine Clubnacht in Berlin. 140 Minuten lang und ohne einzigen Schnitt gedreht. Lau gewann den Deutschen Filmpreis.

Ein anderes Beispiel ist die grandiose Crime-Serie "4 Blocks" (ab 28. November 2017 auf ZDF Neo), in der er in der Rolle eines Undercover-Ermittlers tief in patriarchalische, brutale Männerwelten eines arabischen Verbrecherclans eintaucht. Gedreht wurde viel mit Handkameras, einige der Darsteller kamen selbst aus dem Milieu. "Es war ein aufregendes Experiment, das großartig aufgegangen ist", sagt Lau heute. Die Macher arbeiten an der zweiten Staffel. Und auch wenn sein Charakter am Ende stirbt, hat Frederick Lau den Glauben an ein mögliches Wiederaufstehen nicht aufgegeben. "Ich würde unglaublich gern dabei sein."

Lau muss jetzt wirklich los. Bevor er geht, sagt er noch, dass er sich vorgenommen habe, nur noch drei Filme pro Jahr zu drehen. Er wolle ein wenig zur Ruhe kommen, mehr zu Hause sein. Er habe ja keine Hobbys. Und die Sache mit dem Golfspielen? Ach, sagt er grinsend, "mache ich nur, um die Menschen dort zu beobachten, die so anders sind als ich".


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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo