Wolfgang Petersen "Menschen hauen sich die Köpfe ein"


"Troja"-Regisseur Wolfgang Petersen über ewige Wahrheiten in der Ilias, US-Patriotismus und ein neues U-Boot.

Herr Petersen, was will uns "Troja" sagen?

Die "Ilias" ist die Vorwegnahme des ewigen menschlichen Dramas. Menschen hauen sich die Köpfe ein, lieben sich, quälen sich. Homer hat das grandios erfasst. Das Schöne - aber auch die Gewalt und die Sehnsucht, sich gegenseitig auszurotten. Die Liebesgeschichte zwischen Paris und Helena ist ja für Agamemnon nur ein Vorwand, die Trojaner einzusacken.

Wie gehen Sie mit dem Druck um, bis Mitte Mai klar ist, wie erfolgreich der Film ist?

Ich bin das ein bisschen gewohnt. "Das Boot" war auch schon eine schwierige Unternehmung. Das hat trainiert. Ich hab in acht oder neun Jahren 25 TV-Filme gemacht. Das ist auch 'ne gute Schule.

Aber der Tag X rückt näher.

Ja, alle starren auf diesen Termin. Wenn der Countdown läuft, wird's nervenzerreißend. Wie das letzte Mal bei "Der Sturm", als wir auch noch mit Emmerichs "The Patriot" in Konkurrenz lagen. Aber dieses Leben mit hohen Adrenalinschüben macht auch irgendwie süchtig. In gewisser Weise suche und brauche ich das. Das ist wohl das selbstzerstörerische Element, das in allen wohnt. In Filmemachern, glaube ich, ganz besonders.

Werden ein paar junge Leute die "Ilias" lesen, nach diesem Film?

Hoffe ich! Hab sie ja selber im Orginal gelesen. Jetzt bin ich noch mal durch die englische Übersetzung gegangen, ein ungeheures Vergnügen. Vielleicht gibt es wirklich eine neue Generation, die mal die Nase reinsteckt. Sie muss ja nicht alles lesen.

Sie sind neben Roland Emmerich der einzige Deutsche, der es als Regisseur in Hollywood an die Spitze geschafft hat. Warum gibt es nur so wenige wie Sie?

Wenn man das wüsste... Ich glaube, man muss irgendwie bereit sein, sich auf die amerikanische Sehweise einzulassen, sich assimilieren. Haben die vielen Regisseure mit deutschem Hintergrund, die in den dreißiger und vierziger Jahren in Hollywood arbeiteten, auch gemacht, Sternberg oder Preminger zum Beispiel. Wer in Amerika so weitermacht wie in Europa, scheitert. Eine gewisse Bewunderung und Liebe zum amerikanischen Kino braucht es außerdem.

Heißt das, man dreht als Deutscher in Amerika dann so hurrapatriotische Filme wie Emmerich mit "Independence Day" oder Sie mit "Air Force One"?

(lacht) Ja, ich hab dazu auch meinen Teil beigetragen! Das ist wohl die Gegenreaktion, wenn man aus einem Land kommt, wo die Nation so gering geschätzt wird wie in Deutschland. Immer dieses mea culpa, mea culpa, wir sind die Bösen. In den USA dürfen nach einem Konzert alle aufstehen, die Hand aufs Herz legen und die Nationalhymne singen, da wird einem ganz mulmig. Wäre in Deutschland absolut undenkbar. Ich weiß noch, wie ich in Deutschland von vielen Kritikern verprügelt wurde, als "Das Boot" rauskam - auch vom stern. Als ich nach Amerika kam, war ich erstaunt, dass die hier überhaupt kein Problem mit dem Film hatten. Aber im Moment ist die antiamerikanische Welle in Deutschland groß, und ich werde mich hüten, so was wie "Air Force One" noch mal zu machen.

Sie werden nach "Troja" ein Remake von "Die Höllenfahrt der Poseidon" drehen.

Ja, aber als Produzent, nicht als Regisseur.

Was wollen Sie bei der genialen Vorlage denn besser machen?

Ich hab den Film damals, in den siebziger Jahren, innig geliebt. Allerdings mit schlechtem Gewissen - man war ja kritischer Autorenfilmer. Die Neuauflage ist für mich einfach ein Riesenspaß. Und wir werden den heutigen Zuschauern mit digitalen Effekten sehr, sehr viel Angst machen...

Interview: Wolfgang Röhl


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker