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Archäologie: Doppelgrab aus Bronzezeit in Troja ausgegraben

In der legendären antiken Stadt Troja in der heutigen Türkei haben Tübinger Archäologen ein Doppelgrab aus der Spätbronzezeit entdeckt. Weiter Funde deuten darauf hin, dass sich die Stadt nach 1300 vor Christus noch ausdehnte.

Die Entdeckung wird als besonders bedeutsam eingestuft, weil die Gräber in unmittelbarer Nähe zu dem Graben liegen, der nach Einschätzung der Wissenschaftler die Unterstadt als Verteidigungsanlage umschlossen hatte. Grabungsleiter Ernst Pernicka sagte, die entdeckten Skelette stammten höchstwahrscheinlich von einem Mann und einer Frau. Auch sei der Zahn eines Kleinkindes gefunden worden. Ob sie allerdings älter oder jünger sind als der Graben, können die Archäologen noch nicht sagen - eine genauere Datierung soll nun mit Hilfe der Radiokarbonmethode und einiger Knochenproben erfolgen. Die Gräber aus der Spätbronzezeit (1650 bis 1200 v.Chr.) sind auch deswegen so interessant, weil in Troja bislang lediglich ein kleines Gräberfeld und keine weiteren Friedhöfe gefunden wurden.

Unklar ist nach Pernickas Worten bisher, ob die Toten vor dem Bau des Grabens oder aber danach bestattet wurden. Sollten sie noch vor dem Bau des Grabens beerdigt worden sein, wäre es durchaus möglich, dass weitere Gräber in ihrer Nähe angelegt wurden. Das käme einer kleinen Sensation gleich, weil bisher in Troja kein größeres Gräberfeld gefunden wurde. Hätten man die Toten aber erst beerdigt, als der Graben bereits aufgefüllt war und die Stadt sich darüber hinaus erweitert hatte, wäre die Frage zu klären, warum die Toten mitten in einem Wohngebiet bestattet wurden.

Mauerstück und Keramik gefunden

Bereits im vergangenen Jahr waren die Wissenschaftler beim Freilegen des Grabens im Südosten des Stadtgebietes auf eine Unterbrechung gestoßen, die scheinbar das Ende der Anlage markierte. Schon damals vermuteten die Archäologen jedoch, dass es sich eher um eine Toranlage als um das Grabenende handelte. Die Suche gestaltete sich allerdings relativ schwierig, da die alte Stadtbefestigung mehr als drei Meter tief unter dem Schutt der späteren Siedlungsschichten lag - zu tief, um geophysikalische Methoden für die Suche einzusetzen. Mit Hilfe von Bohrungen gelang es den Wissenschaftlern jedoch, die Grabenfortsetzung zu lokalisieren und sie freizulegen.

Auch über und neben dem Graben entdeckten die Wissenschaftler bisher unbekannte Funde, darunter ein Mauerstück und ein fast vollständiges Keramikgefäß. Die Objekte sind deutlich jünger als die tadtbefestigung und zeigen, dass sich die Stadt nach 1300 vor Christus noch weiter ausdehnte.

Troja ist durch Homers Epos "Ilias" weltberühmt geworden. Darin schildert der Dichter den zehn Jahre währenden Krieg eines griechischen Heeres gegen die Stadt Troja im nordwestlichen Teil des heutigen Kleinasiens. Die Wissenschaft datiert den Trojanischen Krieg nach bisherigen Berechnungen auf die Zeit zwischen 1200 und 1180 v.Chr. Unklar ist allerdings, ob es den Krieg in der von Homer beschriebenen Form tatsächlich gab.

DDP/DPA / DPA
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