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Hörbuch-Tipp

Hannah Fry - "Hello World...": Warum Mensch und Computer eine Beziehung eingehen sollten

Algorithmen werden unser Leben immer tiefgreifender steuern. Doch statt Angst davor zu haben, sollten wir eine Partnerschaft mit den Maschinen eingehen, meint die Mathematikerin Hannah Fry. 

Hannah Fry, Hello World - Hörbuch

In ihrem Buch "Hello World" spricht sich die Mathematikerin Hannah Fry für ein stärkeres Miteinander von Mensch und Maschine aus.

Getty Images

Worum geht es?

Vertrauen Sie keinem Algorithmus, sagte die Mathematikerin Hannah Fry. Doch die 35 Jährige Britin verteufelt keinesfalls den Einfluss von Computersoftware auf unser alltägliches Leben. Nur aufmerksam sein sollten wir eben schon, warnt sie. Fry forscht am University College London an der mathematischen Beschreibung menschlicher Verhaltensmuster, also im Grunde das Geschäft der sozialen Medien. Doch diese Eingrenzung greift zu kurz. Jenseits sozialer Medien lenken Computerprogramme bereits in vielen Bereichen sehr viel direkter unseren Alltag. Die Polizei in den USA sagt mit Hilfe von Algorithmen die Wahrscheinlichkeit von Verbrechen in bestimmten Gegenden voraus, Richter lassen sich von Software in der Urteilsfindung beraten, Versandhäuser entscheiden mit Hilfe der IT über die Vertrauenswürdigkeit und damit über die Zahlungsmodalität der Kunden, in Krankenhäusern helfen Algorithmen bei der Erkennung von Tumoren und im politischen Wahlkampf beeinflussen Algorithmen Wähler.

Vieles kann Software tatsächlich besser als Menschen, meint Fry. Doch das solle einen nicht dazu verführen, ihnen uneingeschränkt zu vertrauen. Denn viel zu oft betrachteten Menschen Algorithmen als Autorität, ohne die Entscheidungen der Maschine zu hinterfragen. Das führt zu absurden Situationen. So folgten einige Autofahrer den Anweisungen des Navis blind, selbst wenn sie in einem See geführt werden. Unternehmen verteidigen die erratischen Ergebnisse ihrer Software in jahrelangen Gerichtsverfahren. So hatte das Department of Health im US-Bundesstaat Idaho mittels einer neuen Software die staatlichen Zuschüsse von Schwerstkranken neu berechnet. Die Folgen waren für die Betroffenen dramatisch. Der Computer halbierte kurzerhand die Zuschüsse zu ärztlichen Leistungen. Auf Anfragen, wie das denn sein könne, verwies die Behörde stets auf die Software und erklärte das Programm zum Betriebsgeheimnis. Vier Jahre lang klagen die Geschädigten auf die Offenlegung des Algorithmus. Am Ende unterlag die Behörde vor Gericht. Das Programm entpuppte sich nicht als ausgefeilte künstliche Intelligenz, sondern schlicht als eine fehlerhafte Excel-Tabelle. Vier Jahre lang verteidigten die Verantwortlichen einen offenkundig fehlerhaften Algorithmus, ohne je seine Ergebnisse kritisch beurteilt zu haben.  

Immer dann, wenn Software so unmittelbaren Einfluss auf menschliche Existenzen habe, solle man  wachsam sein, sagt die Mathematikerin. In ihrem Buch zeigt Fry anhand vieler weiterer Beispiele die unsichtbare Macht der Software – und ihre Grenzen.

Wer spricht?

Die Stimme von Katrin Heß ähnelt tatsächlich ein wenig der von Hannah Fry. Frisch und locker spricht sich Heß durch die technische Materie, ebenso wie es die ein Jahr ältere Fry in ihrer Wissenschaftssendung bei der BBC tut. Die 34 Jährige Deutsche ist in zahlreichen Serien zu sehen wie "Verbotene Liebe", "Alarm für Cobra 11". Computergamer kennen sie als Stimme der zauberhaften Ciri aus "The Witcher".

Für wen geeignet?

Gegner von IT-Systemen und Social-Media-Warner werden sich aus dem Hörbuch wenig mit Argumenten für ihre Sache verproviantieren können. Der Reiz des Buches liegt darin, dass es Algorithmen weder verteufelt noch in ihnen die Lösung aller Probleme sieht. Fry ist in erster Linie Wissenschaftlerin. Sie zeigt Möglichkeiten, Grenzen und Schwachstellen auf. Computer werden immer weiter in unseren Alltag einsickern, dessen ist sie sich sicher. Und gerade darum plädiert Fry für offene Systeme und für eine Partnerschaft zwischen Mensch und Maschine. Gemeinsam ließen sich so die Schwächen des einen mit den Stärken des anderen ausgleichen. Voraussetzung dafür sei Transparenz.

Je offener ein Algorithmus, desto weniger gefährlich sei er für die Menschen. Ob nun bei der Berechnung von Steuersätzen, Versicherungssummen bis hin zu Wählerstimmen. Insofern ist "Hello world…" ein informatives Technik-Hörbuch für Kultur-Optimisten.

henlue