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Stern-Comics: So ein Date hatten Sie bestimmt noch nicht

Hannes Richert ist nicht sauer, wenn man findet, dass ein Hauch von Wahnsinn sein Werk durchzieht. Die Figuren in seinen Cartoons und Comics sagen und tun zumindest Dinge, die nicht normal sind. Aber lustig. Heute geht es in seinem Comic um eine kuriose Verabredung.

Manchmal liefert Richert herrlich blöden Nonsens. Manchmal kommentieren seine halslosen Alltagshelden mit dem großen Kopf aber auch kulturelle oder politische Phänomene. Den Hype um einen Berliner Schauspieler bringt er beispielsweise mit einem Satz von schlichter Schönheit auf den Punkt: „Wir haben ja erst über Lars Eidingers Penis wieder zu Shakespeare gefunden“, sagt ein kulturbeflissenes Ehepaar im Small Talk.

Seine Werke werden bevölkert von irren Restauranttestern, genervten Pflegerobotern, zwanghaft urinierenden Männern, kiffenden Kindern und cholerischen Chefs. Es gibt auch sonderbare Sexszenen bei Richert, in denen derselbe oft nicht klappt. Zudem ist er ein Meister der Verknappung. Gut zu sehen in seiner Zeichnung „Damals“ . Da stehen zwei Leute auf einem Acker, und der eine fragt: „Was machst du denn beruflich?“ Und der andere antwortet: „Irgendwas mit Kartoffeln.“

Richert wurde 1982 in Bonn geboren. Anfangs fiel er nicht unangenehm auf. Grundschule, dann weiterführende Schule, dann angeblich dreieinhalb Jahre Lehre bei einem mittelständischen Cartoon- und Comic-Betrieb. Dort sei er aber leider nicht übernommen worden. „Ich habe dann 15 Jahre lang gewartet und bin jetzt von euch eingestellt worden“ , behauptet er.

Das klingt gut, ist aber Unsinn. Vielmehr hat Richert nach der Schule erst einmal Zivildienst geleistet und in dieser Zeit „neben dem Kiffen“ begonnen, regelmäßig zu zeichnen. Mit den entstandenen Werken bewarb er sich an der Hochschule für Design in Münster und wurde genommen. Bald veröffentlichte er seine ersten Cartoons in Magazinen wie „Zitty“, „Eulenspiegel“ und „Titanic“. 2014 bekam er den Cartoon-Nachwuchspreis. Wie er fand, zu Recht. Richerts erstes Buch trägt den sehr leserfreundlichen Titel „Comics für den gehobenen Pöbel“.

Seinen Arbeitsprozess charakterisiert der Zeichner folgendermaßen: „Mich inspiriert grundsätzlich alles: wenn ich einkaufen gehe, wenn ich nicht einkaufen gehe, wenn ich im Internet bin, wenn das Internet nur ganz langsam geht, wenn ich ein Bier trinke, wenn ich kein Bier trinke, wenn andere Leute Bier trinken, wenn Kinder Pferd spielen, wenn ich Pferd spiele. Und die Google-Bildersuche.“ Es dauere etwa zwei Tage oder auch mal zwei Jahre, bis ein Comic oder Cartoon fertig sei. Manchmal gebe es aber besondere Momente. Etwa, als er in einer Kochshow den folgenden Satz hörte: „Der Kartoffelsalat kann was.“ Da sei der Comic natürlich schon so gut wie fertig gewesen.

Vorbilder hat Richert nicht. Aber grundsätzlich könne er sagen, „dass, wenn Dirk Nowitzki Cartoons zeichnen würde, er höchstwahrscheinlich der Beste wäre und mein Vorbild. Da dem aber leider nicht so ist, würde ich den ,Titanic‘-Humor in seiner Gesamtheit als mein humoristisches Vorbild nehmen.“ Außerdem, ergänzt er noch, habe er als Kind einmal im Urlaub alle „Werner“-Bände gelesen, das sei auch prägend gewesen. Richert steht zu seiner Arbeit, neigt aber nicht zur Selbstüberschätzung: „Eigentlich gefällt mir mein Stil nicht, aber früher war er noch beschissener“, sagt er.

Der Zeichner lebt heute mit seiner Partnerin und den beiden gemeinsamen Kindern (zwei und vier Jahre alt) in seiner Wahlheimat Berlin. Dort, in dieser ungeheuer inspirierenden Großstadt, habe er Hunderte von Möglichkeiten, „die ich mir alle von zu Hause aus im Internet anschaue“. Richert ist 1,96 Meter groß, kann laut reden und hat eine Frisur, die an ein geplatztes Sofakissen erinnert. Das verbindet ihn mit seinem Kollegen Til Mette.

2011 bewies er übrigens seherische Qualitäten. In einem Interview erzählte er, dass er gern mal gefragt werden würde, ob er denn Til Mette mit seiner wöchentlichen Cartoon-Seite im stern ablösen wolle. Seine Antwort, sagte er, wäre: „Wer zum Teufel ist Til Mette? Aber okay, ich mach’s.“