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Jahresbericht des Schweriner Innenminesteriums: Anti-Nazi-Band im Fokus der Verfassungschützer

Die Band "Feine Sahne Fischfilet" macht Musik gegen die rechte Szene - wegen ihrer drastischen Texte werden sie vom Verfassungsschutz als Linksextremisten eingestuft. Die Musiker nehmen es mit Humor.

Von Alf Burchardt

Erst einmal durchzählen: "Die aus fünf bis sechs Personen bestehende Band ..." - so beginnt der Verfassungsschutz von Mecklenburg-Vorpommern sein Kapitel über die Band mit dem Namen "Feine Sahne Fischfilet" - ganz genau konnten die Beamten aus dem Innenministerium in Schwerin die Anzahl der Musiker offenbar nicht feststellen. Aber sie haben genug gehört, gesehen und gelesen, um in ihrem Jahresbericht zu warnen: die Band verstünde sich als politischer Zusammenschluss, der die staatliche Struktur auflösen möchte.

Der Bericht war lang erwartet worden, die Lokalzeitung "Nordkurier" hatte schon ungeduldig nachgefragt, schließlich wütete die rechte Terror-Truppe "Nationalsozialistischer Untergrund" auch in Mecklenburg-Vorpommern. Und ja, als das 157 Seiten starke Werk im Oktober endlich, weit später als üblich, erschien, hieß es darin dann auch, die Aktivitäten des NSU würden zahlreiche Fragen aufwerfen. Für eine endgültige Beurteilung sei es jedoch noch zu früh.

Seiten später, unter der Rubrik "Linksextremismus", widmen die Verfassungsschützer zwei Seiten der Band "Feine Sahne Fischfilet". Die Musiker erfuhren davon bei einem Auftritt in Berlin. "Als uns das jemand erzählte, dachte ich, er wolle uns verarschen", sagt der Sänger, den alle Welt nur Monchi nennt. "Okay, vielleicht ein, zwei Sätze… aber gleich zwei Seiten?" Die Band versuchte, es mit Humor zu nehmen: etwas kostenlose Werbung für das neue Album - warum nicht? Andererseits: Würden eingeschüchterte Veranstalter nun Konzerte absagen?

"Feine Sahne Fischfilet" stammen aus der Gegend um Demmin. Sie sind Freunde, die sich zusammengefunden haben, um gegen die Ödnis anzurocken, die sie im Video zu ihrer Single "Komplett im Arsch" vorführen. Und die nicht damit einverstanden sind, dass in ihrer Heimat immer wieder die neuen Nazis in den Schlagzeilen auftauchen. "Wir sind Antifaschisten", sagt Monchi. "Wenn wir in der Provinz auftreten, ist das auch ein Statement gegen die Rechten dort." Er würde sich davon mehr wünschen, aber die bürgerlichen Parteien trauten sich ja kaum noch aus der Deckung.

Drohungen aus der rechten Szene

Der rechten Szene gefällt, wenig überraschend, solch eine mutige Haltung nicht. Monchi erzählt von Aufklebern im ganzen Bundesland, auf denen er mit gespaltenem Schädel gezeichnet ist. Von Schlägern, die den Tourbus umzingeln. Von Buttersäure-Anschlägen auf Clubs, in denen die Band auftreten soll. Und er macht klar, dass er keiner ist, der auch noch seine linke Wange hinhält, nachdem er einen Schlag auf die rechte bekommen hat. Er würde schon den Schlag auf die rechte Wange zu verhindern wissen.

Der Verfassungsschutz befindet, "dass die Gruppierung im Gesamten als 'gewaltbefürwortend' und einige der Bandmitglieder sogar als 'gewaltbereit' einzustufen sind". Er wirft der Band vor, dass sie das Logo des Erfrischungsgetränks "Club Mate" zu einem Molotow-Cocktail, zum "Club Molli", verfremdet hätte - wenn so etwas auf einem Plakat mit der Überschrift "Für den Widerstand auf der Straße" auftauche, sei das keine Satire mehr. Und der Bericht zitiert einen Text, in dem es heißt "Die Bullenhelme, sie sollen fliegen". Monchi sagt: "Das ist ein Song aus unserer Anfangszeit, den wir seit Jahren nicht mehr spielen, der und auch andere sind uns mittlerweile peinlich."

Wenn ein Veranstalter es wünscht, dann hält die Band vor ihren Auftritten einen Vortrag über die rechte Szene in Mecklenburg-Vorpommern. "Nix großartig Theoretisches, einfach ein paar Fakten." Ob der Verfassungsschutz auch da einmal vorbei schaut? Monchi glaubt: "Die haben ihr gesamtes Wissen aus dem Netz, aus Blogs abgeschrieben." Ach so, eins noch: "Feine Sahne Fischfilet" sind sechs Musiker.

Zurzeit sind "Feine Sahne Fischfilet" auf Tour.

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