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Bodemuseum: Der wiedergefundene Schatz Berlins

Acht Jahre lang wurde es renoviert. Nun strahlt das Bodemuseum auf der Berliner Museumsinsel in frischer Pracht und feiert feierliche Eröffnung. Es lohnt sich, Schlange zu stehen: Hier locken unglaubliche Schätze.

Von Anja Lösel

Am schönsten ist es, sich über die neue Monbijoux-Brücke zu nähern. Grade noch rechtzeitig wurde sie fertig, um die ersten Besucher des Bodemuseums über die Spree zu geleiten. Schon von weitem sieht man die goldenen Krönchen der Kuppel glitzern. Auf dem Fluss schippern die Ausflugsdampfer. Man spaziert hinüber zum Weltkulturerbe Museumsinsel, steht vor dem gewaltigen neubarocken Rundbau des Bodemuseums, schlüpft zur überraschend kleinen Tür hinein. Und da ist es: das berühmte Treppenhaus mit dem Kuppelsaal und dem Reiterstandbild des Großen Kurfürsten. In Weiß und Gold glänzend schwingt es sich elegant in die Höhe: ein wahrhaft kaiserlicher Empfang.

Tatsächlich war das Haus 1904 Kaiser Friedrich gewidmet. Erst die DDR benannte es nach seinem Gründungsdirektor Wilhelm Bode. "Wasserpalast" nennt es Peter Klaus Schuster, der Generaldirektor der Staatlichen Museen von Berlin. "Ein hinreißend schönes Museum" sei es geworden, ein "wiedergefundenes und wiedergeschenktes Kunstschloss in der Mitte Berlins". Mit sehr unterschiedlichen Räumen wie dem großen Kuppel-Treppenhaus, der Basilika, dem kleinen Rokoko-Treppenhaus - und dem Tiepolo-Saal. Der kleine Barockraum war zerstört gewesen und konnte nach alten Fotos rekonstruiert werden mit seinen eleganten, grauen Fresken auf gelbem Grund. Eine von vielen Sensationen des Hauses.

Düsterer und maroder Kasten

Das Bodemuseum war im Krieg 25 Mal von Bomben getroffen worden. Die DDR hatte es wieder aufgebaut und gepflegt, aber nie von Grund auf saniert. Deshalb war es ein düsterer und maroder Kasten mit Schwamm in den Wänden geblieben. Nun glänzt alles neu. In 66 Räumen sind über 2000 Kunstwerke zu sehen - von der Spätantike bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Die Skulpturensammlung mit über 1700 Stücken ist die größte und vielleicht bedeutendste der Welt und war noch nie so schön präsentiert.

Wer das Museum wirklich genießen und auskosten will, der sollte sich Zeit nehmen. Viel Zeit. Sollte sich einfach über die "Goldene Achse" hineinziehen lassen bis zur Basilika. Die ist das Herz des Museums, gebaut nach dem Vorbild einer Renaissance-Kirche von Michelangelo. Bode nannte sie seine "große Lunge zum frischen Durchatmen". Also noch einmal ganz tief durchatmen - und dann geht es los auf den kostbaren Marmorböden. Es gibt jede Menge zu entdecken.

Prächtiges Orange

Im Saal der italienischen Renaissance fängt es schon an. Da überstrahlt eine Marienfigur mit unverschämt knallorangem Kleid alle anderen Werke. So ein Orange kann es doch um 1420 gar nicht gegeben haben, denkt man. Gab es aber doch. Ein paar Meter weiter: die bezaubernde "Tänzerin" von Antonio Canova (1809). Mitten im Raum steht sie. Die Sonne scheint auf ihr Marmorgewand und lässt es aussehen wie zarten Tüll. Bauch und Brüste zeichnen sich darunter ab. Den Eröffnungsgästen zu Ehren scheint sie sich zu bewegen: schön, erotisch, elegant. Und das alles in hohen, hellen Räumen mit hölzernen Kassettendecken, lichtdurchflutet im Geiste der Renaissance, mit schönen Ausblicken auf die Spree und auf das benachbarte Pergamonmuseum.

Fast wie eine Tänzerin sieht auch Anton Feuchtmayers Maria aus (1717). Dabei sollte die Mutter Gottes eigentlich nichts Laszives haben. Sie hat's aber doch, und das macht sie so aufregend. Stolz schwenkt sie ihr barockes Gewand, eine Hand auf der Hüfte, die andere auf der Brust, sieht aus, als würde sie sich drehen und dem Betrachter zuwenden.

Sensationell auch die Dangolsheimer Madonna (ca.1460). Unter ihren wild geringelten, aus Nussbaumholz geschnitzten Locken verbirgt sie ein Geheimnis: fast unsichtbar ist in ihren Rücken ein kleines, schubladenähnliches Fach für Reliquien eingearbeitet. Tilman Riemenschneider, dem großen Schnitzer aus Würzburg, ist ein ganzer Raum gewidmet. Mit einem Heiligen Georg zu Pferd als Mittelpunkt, der einen hilflos grinsenden Drachen bekämpft.

Es ist, als liefe man durch eine nicht enden wollende Schatzkammer. Da gibt es winzige, aus Knochen geschnitzte Altare und riesige, hölzerne Figuren, die einen mit ihrer Wucht und Pracht fast zu erschlagen scheinen. An einer Wand prangt ein glitzerndes Mosaik aus Ravenna, an einer andereren scheinen meterhohe Atlas-Figuren ein nicht vorhandenes Tor zu stützen. Die zarte, kleine Puppentunika aus Byzanz entdeckt nur, wer in der Textilkunst-Abteilung eine der flachen Schubladen aufzieht, auf denen die Schätze ausgebreitet sind. Und in der Münzsammlung eröffnet sich eine ganze Weltgeschichte im Miniaturformat - vom 6. Jahrhundert vor Christus bis heute. Auch Gemälde gibt es, klug als Ergänzung zwischen die Skulpturen gehängt. Ein kleiner Rubens etwa neben dem Alabasterköpfchen eines "missmutigen Knaben".

In einem unscheinbaren Kabinett ist ein tragisches Unglück dokumentiert. 1945 brannte der Flakturm in Berlin-Friedrichshain aus, in dem eine große Zahl von Kunstwerken eingelagert war. Einige wenige, die das Feuer überstanden, sind hier mit ihren Brandwunden ausgestellt, darunter Andrea della Robbias tönerne Madonna mit vier Engeln, entstellt von großen, schwarzen Flecken.

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Ganz unten, im Tiefgeschoss, haben sich zwei gefunden, die ein besonders ergreifendes Schicksal verbindet. Christus und Maria aus dem sächsischen Naumburg, um 1200 aus Eichenholz geschnitzt, waren durch den Krieg auseinander gerissen worden. Christus harrte im Osten, auf der Museumsinsel aus, Maria hatte es nach Dahlem, in den Westen der Stadt verschlagen. Nun sind sie endlich wieder vereint und hängen nebeneinander.

Öffnungszeiten:

Diesen Mittwoch ist das Museum geschlossen. Tage der Offenen Tür sind am Donnerstag und Freitag von 10 bis 18 Uhr. Danach kostet der Eintritt 12 Euro für gesamte Museumsinsel: vom Bodemuseum über die Alte Nationalgalerie und das Alte Museum und hin zum Pergamonmuseum. Aber Vorsicht: Wer vier Museen an einem Tag schaffen will, der wird am Ende nicht nur qualmende Füße haben, sondern auch Matsch im Hirn. Lieber Zeit lassen und auswählen.

In der Basilika des Bodemuseums gibt es vom 18. November bis zum 9. Dezember jeweils um 20.30 Uhr Mozarts erste Oper: "Apollo und Hyacinth" mit den Berliner Symphonikern, getanzt von Ismael Ivo und seiner Truppe. Vorher kann das Museum besichtigt werden: www.apolloundhyacinth.de

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