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Christoph Schlingensief: Diana-Performance empört Zuschauer

Sex, Kotzen und Chaos: Das kommt heraus, wenn ein Skandalregisseur mit einem ehemaligen Glamour-Luder die Geschichte der Königin der Herzen nachspielt. Das Publikum floh in Scharen.

Die Premiere von Christoph Schlingensiefs Performance "Kaprow City" wurde in der Berliner Volksbühne mit Spannung erwartet. In ihr sollen die letzten Stunden im Leben von Prinzessin Diana thematisiert werden. Lady Di wird von der ehemaligen Heidekönigin Jenny Elvers-Elbertzhagen gespielt. Das Publikum floh bereits vor dem Ende in Scharen. Immerhin die Frisur mit dem tief in die Stirn fallenden Pony sieht bei Elvers-Elbertzhagen ein wenig aus wie bei Diana, die am 31. August 1997 in Paris bei einem mysteriösen Autounfall an der Seite ihres Partners Dodi Fayed ums Leben kam. Das war es dann aber auch schon mit den Ähnlichkeiten. Unschuldige Augenaufschläge und laszives Rekeln erinnern eher an die Vergangenheit der 33-jährigen Schauspielerin, als sie noch als Luder durch die Boulevard-Medien geisterte.

Die anderen Akteure kotzen in einer "begehbaren Installation" die meiste Zeit in Toiletten, verpassen sich Elektroschocks oder rasieren sich lustvoll die Schamhaare ab. Es ist laut, überall liegt Geschirr oder anderer Krempel rum. Bei Madonna hätte es vielleicht für Aufregung gesorgt, wenn sie versucht hätte, eine ans Kreuz genagelte Jesusfigur wiederzubeleben. Bei Schlingensief animiert so etwas eher zum Gähnen. Es ist eben wie immer bei dem 45-Jährigen: Provokation um der Provokation willen; Sinn ist Unsinn, Unsinn ist Sinn. Schlingensief, bei dem immer mit bewusst inszenierten Skandalen zu rechnen ist, will mit dem Stück an den im April gestorbenen Altmeister des Happenings, den Amerikaner Allan Kaprow, erinnern. Auf einer Drehbühne sind labyrinthartig 18 Räume aufgebaut, in denen sich Akteure, einige Kaninchen und ein Teil der Zuschauer bewegen. Der andere Teil des Publikums, durch eine Leinwand von der Bühne getrennt, sitzt im Saal. Auf die Leinwand werden dann unscharfe Schwarz-Weiß-Bilder aus der Installation projiziert.

Dünner und kurzer Applaus

"Kein Zuschauer sieht alles", erklärt der Regisseur selbst am Anfang. Dann sitzt er hinter Monitoren und dirigiert von hier aus das Geschehen. Die Aufnahmen davon sollen dann auch Teil eines Films über Lady Di werden - natürlich auch mit Elvers-Elbertzhagen. Die Fertigstellung ist bis Februar geplant. "Jenny ist meine Prinzessin Diana, weil sie wie Di eine Projektionsfläche für Sehnsüchte darstellt", hatte Schlingesief vor der Premiere verlauten lassen. Die Verschwörungstheorien, die auch neun Jahre nach dem Tod von Prinz Charles Ex-Frau nicht verstummten, hätten ihn zu künstlerischen Interpretationen gereizt. Elvers-Elbertzhagen, die zuletzt für ihre Rolle einer allein erziehenden Mutter in dem Sozialdrama "Knallhart" sehr gelobt worden war, erklärte daraufhin, diese Rolle sei für sie eine "riesige Herausforderung". Natürlich habe sie sich die Bewegungen angeeignet. "Aber ich bleibe in der Rolle immer noch ich", sagte sie in einem Interview.

Berühmt war die Ex-Freundin von Heiner Lauterbach 1995 geworden, als sie in dem Kinohit "Männerpension" kurz ihren Rock hob, unter dem sie nichts trug. Vor der Premiere von "Kaprow City" war über mögliche Skandale spekuliert worden. Würde Elvers-Elbertzhagen das Andenken an Di verunglimpfen? Würde die Queen Mum der Lächerlichkeit preisgegeben? Die Ängste sind unbegründet. Elvers-Elbertzhagen sagt die meiste Zeit gar nichts, sondern sitzt im "Ritz Royal WC". Zwei quälend lange Stunden dauert das "Spektakel". Die Zuschauer fliehen in Scharen. "Bullshit, das ist ja unglaublich" ruft einer erbost. Andere lassen die Türen knallen. Immerhin mussten sie 20 Euro Eintritt zahlen. Am Ende ist der Applaus dünn und kurz, die potenziellen Buhrufer haben das Haus längst verlassen. Weitere Aufführungen: 15. und 16. September, 1., 2., 19. und 20. Oktober um jeweils 19.30 Uhr.

Holger Mehlig, AP / AP