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H.R. Giger ist tot: Alien-Schöpfer stirbt nach Sturz

Er hat das ultimative Kinomonster geschaffen. Und so vieles mehr. Am Montagnachmittag ist der Schweizer Künstler H.R. Giger gestorben. Er wurde 74 Jahre alt.

Von Sophie Albers Ben Chamo

H.R. Giger hat mich einst hinter einen Stuhl gejagt. Irgendwann in den 80ern wurde Ridley Scotts "Alien" im Filmclub meiner Schule gezeigt. Und als dem armen John Hurt dann dieses Über-Kinomonster aus der Brust platzte, stand fest, dass ich den Rest des Films hinter der Stuhllehne verbringe. Es hat fast 30 Jahre gedauert, bis ein anderes Filmmonster mich so in den tiefsten Tiefen meiner Fantasie erschüttert hat. Das war 2006 Guillermo del Torros Augenmonster in "Pan's Labyrinth". Aber Alien war mein erstes Monster und bleibt für mich somit unvergesslich, wie für so viele andere auch, die die Säure-blutende, schleimig-metallische Mega-Zahnreihe immer wieder in die Monster-Top-Ten wählen.

Mit Alien (bürgerlicher Name Xenomorph) wird H.R. Giger immer bei uns bleiben, obwohl der 74-Jährige am Montagnachmittag nach einem Sturz seinen Verletzungen erlegen ist. Ob der Schweizer Künstler die Reduktion auf dieses Erbe gut gefunden hat, ist eine andere Frage.

Surreale Mechanoiden

Das so wunderbar mysteriös klingende H.R. steht für übrigens für Hansruedi, wie Giger noch hieß, als er in den 60er Jahren in Zürich Architektur und Industriedesign studierte. Er arbeitete als Innenarchitekt, hat jedoch immer auch gemalt. In den 70ern konzentrierte er sich vollends auf die Kunst, experimentierte mit der Airbrush-Technik und entwickelte seine "Mechanoiden" im surreal-erotischen Stil. Rund 600 Bilder soll er allein damals geschaffen haben. Bald nahm er Aufträge als Szenen- und Kostümbildner an und landete beim Film. Mit großem Erfolg.

1980 gab es für "Alien" den Oscar für visuelle Effekte. Aber auch das verführerisch tödliche Monster in "Species" ist Gigers Fantasie entsprungen. Außerdem entwarf er gefeierte Albumcover, unter anderem für Debbie Harrys "Koo Koo" und Emerson, Lake & Palmers "Brain Salad Surgery".

Danke Arnold Schwarzenegger

In den 90ern gab Giger das Malen auf und kreierte fortan Skulpturen. Weil er sich in der Schweizer Heimat nicht ausreichend anerkannt fühlte, schuf er auf seinem Schloss im mittelalterlichen Dorf Greyerz ein eigenes Museum für seine Kunst. Internationale Ausstellungen und Retrospektiven gab es immer wieder, aber natürlich ging es auch immer wieder vor allem um Alien.

Meine Alien-Angst habe ich übrigens Ende der 80er Jahre besiegt, dank Arnold Schwarzenegger und dank eines monströsen Denkfehlers. Mein filmgefüttertes Hirn nahm an, dass es sich beim "Predator" um einen weiteren Alien handele, und als Schwarzenegger den Killer am Ende mit dem Spruch "Du bist so abgrundtief hässlich" tödlich verwundet, war meine Kinderseele allen Ernstes beruhigt. Das hätte Giger definitiv nicht gefallen.

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