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Kiosk "Das Ohr" in Hamburg: Dieser Mann hört Menschen in einer U-Bahn-Station zu, aber nicht aus reiner Nächstenliebe

Jeder kann Christoph Busch in seinem Zuhör-Kiosk in Hamburg besuchen. Nur zu kaufen gibt es dort nichts. Der stern hat den Zuhörer besucht – und mit ihm über sein ungewöhnliches Projekt gesprochen.

Christoph Busch sitzt in seinem Zuhör-Kiosk in der U-Bahnhaltestelle Emilienstraße in Hamburg
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Eigentlich ist Christoph Busch Hör- und Drehbuchautor. Doch seit einigen Wochen hat der 71-Jährige seinen Schreibtisch gegen U-Bahnstieg getauscht. In der Hamburger U-Bahnhaltestelle betreibt er jetzt einen Zuhör-Kiosk. Zu kaufen gibt es dort nichts. Ganz im Gegenteil: Menschen können Sätze, Anekdoten, Gegenstände oder ihre ganze Lebensgeschichte mitbringen. Busch sitzt einfach nur da und hört zu. Jeder ist willkommen. "Das Ohr" hat er sein so ungewöhnliches wie spannendes Projekt getauft.

Kurze Anekdoten und ganze Lebensgeschichten: Busch bekommt alles zu hören

Christoph Busch sitzt in seinem Zuhör-Kiosk in der U-Bahnhaltestelle Emilienstraße in Hamburg

Christoph Busch hört Menschen zu – und jeder ist willkommen

Sein Zuhör-Angebot wird gut angenommen. "Über 40 Geschichten habe ich seit der Eröffnung Anfang Januar bereits gehört", sagt Busch im Gespräch mit dem stern. Mal ist es nur ein kurzer Satz, mal ein Gegenstand und manchmal eine ganze Lebensgeschichte. Busch hört sich alles an. Häufig sind das sehr traurige Geschichten und Schicksale. Wenn es nach dem Zuhörer geht, sollte sich das künftig ändern: "Ich würde gerne mehr glückliche Geschichten hören". Nach sechs Monaten endet das Projekt zunächst. Aus den ganzen Geschichten will er ein Buch machen.

Finanzierung des Projekts ist noch offen

300 Euro Miete zahlt der Zuhörer monatlich an die Hamburger Hochbahn. Die erste Monatsrate hat er mit Kulturförderung finanziert. Wie die nächsten fünf bezahlt werden sollen, weiß er noch nicht so genau. Weil er genau das bereits in mehreren Interviews gesagt hat, fangen immer mehr Menschen an, für „Das Ohr“ zu spenden. Letztens habe er sogar einen Brief mit einem Fünf-Euro-Schein unter der Kiosktür hindurchgeschoben bekommen. Auch ein Spendenkonto will der optimistische 71-Jährige einrichten.

Im Videobeitrag erklärt Christoph Busch, warum er das Zuhör-Angebot ins Leben gerufen hat, was er bislang erlebt hat und welche Geschichte er selbst an einem Zuhör-Kiosk erzählen würde.

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