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Japanischer "Nobelpreis der Künste": Rebecca Horn wird mit dem Praemium Imperiale gewürdigt

Die italienische Schauspielerin Sophia Loren und die deutsche Künstlerin Rebecca Horn werden mit dem Praemium Imperiale des japanischen Kaiserhauses ausgezeichnet. Er ist mit jeweils 15 Millionen Yen (138 000 Euro) dotiert und gilt als "Nobelpreis der Künste".

Die deutsche Künstlerin Rebecca Horn wird mit dem mit 15 Millionen Yen (138.000 Euro) dotierten Praemium Imperiale der Japan Art Association ausgezeichnet. Der neue deutsche Berater des internationalen Kunst- und Kulturpreises, Goethe-Instituts-Präsident Klaus-Dieter Lehmann, sagte am Dienstag in Berlin, Horn beherrsche alle Materialien und Ausdrucksformen der Bildenden Kunst. "Sie ist eine der Fantasievollsten, die ich überhaupt kenne." Auch weltweit sei die 66-Jährige, die den Preis in der Kategorie Skulptur bekommt, "eine der profiliertesten deutschen Künstlerinnen". Sie werde nun aber "nicht für ein abgeschlossenes, sondern ganz lebendiges Werk geehrt".

Der Preis wird in fünf Kategorien vergeben, jeder Preisträger bekommt 138.000 Euro. In der Kategorie Theater/Film geht die Auszeichnung an die italienische Schauspielerin und zweifache Oscar-Preisträgerin Sophia Loren. In der Kategorie Malerei wird der italienische Konzeptkünstler Enrico Castellani geehrt. Der Japaner Toyo Ito bekommt den Preis in der Sparte Architektur. In der Kategorie Musik wird die Arbeit des italienischen Pianisten Maurizio Pollini gewürdigt. Den mit fünf Millionen Yen (46.000 Euro) verbundenen Nachwuchspreis erhält das Asian Youth Orchestra (AYO) aus Hongkong. Die Preise werden am 13. Oktober in Tokio feierlich verliehen.

Zu Horns Arbeiten zählen Performances, Filme, skulpturale Raumkompositionen, Zeichnungen, neue Techniken der Fotoübermalung und begleitende Gedichte. 1986 wurde sie in Kassel mit dem documenta-Preis ausgezeichnet. Ihr internationaler Durchbruch kam 1988 mit dem Carnegie Prize. Als erste Künstlerin hatte Horn 1993 eine Einzelausstellung im Guggenheim Museum in New York. Das Museum of Contemporary Art in Tokio zeigte 2009 eine große Retrospektive, Rio de Janeiro und Sao Paulo in Brasilien schlossen sich in diesem Jahr an.

Loren startete ihre Karriere 1951 mit einer kleinen Rolle in dem Monumentalfilm "Quo Vadis". Nach ihrer Hochzeit mit dem Filmproduzenten Carlo Ponti wurde sie zum Star. 1954 gelang ihr der Durchbruch mit "Das Gold von Neapel". 1961 bekam sie den Oscar als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle in "Und dennoch leben sie". 1991 folgte der Ehren-Oscar für ihr Lebenswerk. An der Seite von Marcello Mastroianni spielte sie die Hauptrollen in 14 Filmen.

Castellani ist besonders für seine "Bilder aus Licht und Raum" bekannt: Leinwände, die von beiden Seiten mit einer Nagelmaschine bearbeitet werden, so dass sich reliefartige Oberflächen und Strukturen bilden. Ito realisierte seine Bauten unter anderem in Tokio, Paris, London, Frankfurt am Main, Barcelona, Taiwan und Singapur. In seinen Entwürfen konzentriert er sich auf die Beziehung zwischen Architektur, Natur und Umgebung. Pollinis Konzerte und Aufnahmen umfassen sowohl das klassische als auch das zeitgenössische Repertoire - von Johann Sebastian Bach bis Salvatore Sciarrino. Zudem gilt er als einer der ausdrucksstärksten Interpreten Frédéric Chopins.

Der Praemium Imperiale gilt als "Nobelpreis der Künste" und wird in diesem Jahr zum 22. Mal vergeben. Die Preisträger werden für ihr einzigartiges Lebenswerk, für ihren Einfluss auf die internationale Kunst und Kultur sowie für die gesellschaftliche Bedeutung ihrer Werke gewürdigt. Ihnen wird in Tokio durch Prinz Hitachi eine Urkunde und eine Medaille verliehen. Zu den bisherigen 108 Preisträgern gehören unter anderen Pina Bausch, Daniel Barenboim, Georg Baselitz, Norman Foster, Anselm Kiefer und Ken Loach.

APN/DPA / DPA