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Johannes Heesters auf der Bühne: Musiktheater Inselkomödie in Berlin

Mit 106 Jahren feiert der Schauspieler und Sänger Johannes Heesters erneut eine Premiere: Ab Freitag ist "Jopie" in Rolf Hochhuths "Inselkömodie" im Berliner Ensemble zu sehen. Der Komponist Florian Fries hat Hochhuths 1974 uraufgeführtes Stück "Lysistrate und die Nato" zum Musical umfunktioniert.

Mit 106 Jahren feiert der Schauspieler und Sänger Johannes Heesters erneut eine Premiere: Ab Freitag ist "Jopie" in Rolf Hochhuths "Inselkömodie" im Berliner Ensemble zu sehen. Der Komponist Florian Fries hat Hochhuths 1974 uraufgeführtes Stück "Lysistrate und die Nato" zum Musical umfunktioniert. Fernsehmoderatorin Caroline Beil spielt die Hauptrolle. Auch Schauspieler Kostas Papanastasiou ist als Darsteller mit dabei. Ein zwölfköpfiges Orchester begleitet die Show.

Das Musiktheater soll seinem Publikum mit musikalischer Leichtigkeit politische Brisanz vermitteln, erklärte Hochhuth. In Anlehnung an den Dichter Aristophanes (zirka 444-380 vor Christus), verweigern sich die Bewohnerinnen einer kleinen griechischen Insel unter Führung der Titelheldin Lysistrate ihren Männern. Auf diese Weise retten die Frauen ihre Heimat vor dem Vorhaben der US-Regierung, hier einen Nato-Atomstützpunkt zu bauen.

Bitterernst soll es im Musiktheater aber nicht zugehen: "Die Leute sollen lachen", sagte Fries am Mittwoch vor der Generalprobe. Die Musik solle das Komische des Urwerkes unterstreichen. In einjähriger Arbeit bemühte sich der junge Musiker, unterhaltsame Ohrwürmer zu kreieren. Vielleicht sei der ein oder andere Song dabei, den das Publikum nicht so schnell wieder vergesse, meinte der 30-Jährige.

Keine straßentauglichen Texte

Seit vier Wochen proben die 19 Darsteller für die Aufführung. Seit einer Woche ist auch Heesters dabei. Der 106-Jährige habe selbst um "eine kleine Vorbeigeh-Rolle" gebeten, erzählte Fries, der schon öfters mit Heesters zusammengearbeitet hatte. Dieser spielt den König.

Der Schauspieler Kostas Papanastasiou (73), der in der Komödie Lysistrates Vater spielt, erzählte, Hochhuth schreibe keine straßentauglichen Texte. "Ich habe zwar in Deutschland studiert, aber trotzdem musste ich erstmal üben, bis ich 'Leichenschmaus' richtig aussprechen konnte", resümiert der 73-Jährige die Proben. Papanastasiou ist bekannt durch seine Rolle als griechischer Wirt in der "Lindenstraße".

Die Uraufführung sei ausverkauft, sagte Pressesprecherin Helma Schleif. Acht Vorstellungen soll es bis zum 8. August geben.

Gnadengesuch an den Regierenden Bürgermeister

Hochhuth würde gerne noch länger bleiben. Aber der Vermieter des Theaters am Schiffbauerdamm, der Berliner Kultursenat, lasse dies nicht zu, schimpfte der 79-Jährige. Als Gründer der Ilse-Holzapfel-Stiftung ist Hochhuth Eigentümer des Berliner Ensembles, aber nur bei einer fristgerechten Anmeldung darf die Stiftung in der Sommerpause selbst auf der Bühne spielen. Bereits im vergangenen Sommer war es zu einem Streit zwischen Hochhuth und dem Intendanten Claus Peymann gekommen. Damals musste Hochhuth ein geplantes Theaterstück auf eine andere Bühne verlegen.

Hochhuth sagte, laut Vertrag stehe es ihm jetzt aber zu, bis zum 28. August im Berliner Ensemble zu verweilen. Um gerichtlich gegen die Befristung bis zum 9. August vorzugehen, fehle ihm aber das Geld, bedauerte er. "Es gibt nichts, was sie sich nicht überlegen, um mir das Leben zur Hölle zu machen." Insbesondere klagte er über lautstarke Bauarbeiten während der Proben, ein Plakatierverbot sowie Verbote, mit Fahrzeugen auf den Hof zu fahren und das Kassenhäuschen zu benutzen.

Mit einem "Gnadengesuch" an den Regierenden Bürgermeister habe er bewirkt, dass allein der 106-jährige Heesters im Auto bis zum Bühneneingang gefahren werden dürfe, erzählte Hochhuth. "Wir sind froh, dass die Schauspieler die Toiletten benutzen dürfen."

APN / APN