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Kurioser Restaurantionsversuch: Maggie Simpson statt Jesus-Kind: Bildhauerin sorgt für Ärger

Sie wollte nur helfen und die Marienstatue restaurieren: Die Hobby-Künstlerin Heather Wise aus Kanada bastelte ein Jahr an einem neuen Kopf für das Jesuskind. Das Ergebnis erhitzt die Gemüter.

Immer diese jugendlichen Vandalen: Dem Jesuskind der Marienstatue in Sudbury in der kanadischen Provinz Ontario wurde immer wieder stark zugesetzt. Seit knapp zehn Jahren steht die Statue vor der katholischen Kirche Ste. Annes des Pins. Als damals eine andere Kirche, in der diese Statue stand, schließen musste, zog das Kunstwerk um. Doch offenbar gefällt nicht allen in der Gemeinde die Statue. Und so wurde unzählige Male der Kopf der kleinen Jesusfigur abgeschlagen. Der Täter konnte nie gefunden werden.

Doch im vergangenen Winter war der Kopf nicht nur abgeschlagen worden, sondern auch ganz verschwunden. Reparieren konnte man die Statue also nicht mehr. Ein neuer Jesus-Kopf sollte umgerechnet rund 4000 Euro kosten - zu viel für die Kirche.

Doch eine lokale Hobby-Bildhauerin meldete sich. Heather Wise fand den kopflosen Jesus fürchterlich. "Ich war so traurig", sagte sie der lokalen Nachrichtenseite "Sudbury.com". Und bot sich an, den Schaden auszubessern. "Ich bin eine Künstlerin und ich würde es gerne reparieren", so Wise.

Fischaugen und Stachelkrone für die Jesus-Staue

Künstlerin ist sie schon, doch wirklich ausgebildet ist sie nicht. Nur einen Kurs am College hat sie besucht. Und Erfahrungen mit Terracotta hatte sie eigentlich auch nicht. Den Umgang mit dem Material brachte sie sich selbst bei. "Die Statue eines Jesus-Kindes für eine Kirche anzufertigen, ist die größte Ehre in meiner künstlerischen Karriere", sagte Wise dem "Guardian".  Rund ein Jahr dauerten ihre Arbeiten an der Statue - vor zwei Wochen wurde das Kunstwerk präsentiert: Neben dem schlichten und anmutigen Gesicht Marias prangt jetzt eine Fratze mit Riesen-Nasenlöchern, einer Stachelkrone und echsenhaften Zügen. Fischaugen und überdimensionierte Ohren runden das Bild ab - das Ergebnis erinnert stark an die Zeichentrickfigur Maggie Simpson und sehr wenig an klassische Darstellungen von Kleinkindern. Dazu kommt der scharfe Farbkontrast. Während die Statue eigentlich weiß ist, ist der Jesus-Kopf nun orange. Laut Father Lajeunesse, dem Pfarrer der Gemeinde, reagierten die Menschen in Sudbury mit einer Mischung aus Schmerz, Überraschung und Enttäuschung auf das Werk. Doch der Pfarrer nimmt die Künstlerin in Schutz, schließlich sei dies nur ein erster Versuch. Auch Wise bestätigt, dass sie noch einen Kopf aus Stein anfertigen werden - der Lehm-Schädel sei nur ein Platzhalter.

Jesus-Fresko in Spanien wurden zum Touristen-Hit

Es ist nicht die erste verhunzte Kirchenkunst. 2012 sorgte ein Jesus-Fresko weltweit für Aufsehen. Eine Rentnerin hatte es in einer spanischen Kirche selbst restauriert - und dabei so verschandelt, dass es zu einem Touristen-Magneten wurde. Vielleicht fahren auch bald die ersten Reisebusse zu "Maggie-Jesus-Simpson" in Sudbury vor. 

kg
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