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Kunsthalle Emden: Garten Eden im Dezember

Wegen der Kunst nach Ostfriesland? Ja, genau! Nach 20 Monaten präsentiert sich die erweiterte Kunsthalle von Henry und Eske Nannen mit der Ausstellung "Garten Eden" der Öffentlichkeit.

Von Christine Claussen

Über der Hahnschen Insel leuchtet winterblau der friesische Himmel. Linden und Weiden sind neu gepflanzt, emsige Gärtner legen Rollrasen aus. Jenseits der kleinen Brücke, vor dem Museumseingang, blockieren sich Lieferfahrzeuge gegenseitig, wuseln Handwerker hinaus und hinein, gibt die Bauherrin letzte Anweisungen. Nur noch wenige Stunden, dann wird in Emden die in 20 Monaten umgebaute und erweiterte Kunsthalle der Öffentlichkeit präsentiert.

Das Gebäude ist ein Wunder. Denn ursprünglich hatte Museumsgründer Henri Nannen sich bloß "ein Haus für meine Bilder" bauen wollen, eine Unterkunft für seine Sammlung des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit. Das war Anfang der Achtziger Jahre, als der Erfinder des stern sich als Pensionär in seine Heimatstadt Emden zurückzog. Damals waren Nannen und seine spätere Frau Eske noch belächelt worden: ein Museum ausgerechnet in Emden/Ostfriesland, wo die Kühe husten und die Straßen in Sümpfen und Mooren enden! Doch Nannen behielt Recht: das Rotklinkermuseum am Ende der Welt entwickelte sich seit seiner Eröffnung 1986 zum Besucher-Magneten.

Als Mitte der Neunziger der Münchner Galerist Otto van de Loo den Emder Kunstpionieren einen Großteil seiner Modernen-Sammlung (u.a. Cobra, Spur) versprach, jubelte Nannen: "Wir müssen anbauen!"

Vermächtnis in der Heimatstadt

Nach seinem Tod 1996 setzte Eske Nannen das gemeinsame Werk fort. Mit Chuzpe, Charme und Charisma sammelte sie für Umbauten und Erweiterungsbauten. In der Vergangenheit waren in Emden/Ostfriesland immer wieder hoch karätige Ausstellungen zu sehen – etwa über Edvard Munch oder Emil Nolde –, die manchem großstädtischen Haus gut angestanden hätten. Fast zwei Millionen Besucher kamen im Laufe der Jahre. Mit rund 100 Mitarbeitern und internationaler Ausstrahlung ist das Haus für die 50.000-Einwohner-Stadt Emden zum wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden.

Jetzt ist das letzte Nannen Kind 21 und endgültig erwachsen. Elegant, weltläufig und selbstbewusst - mit stolzer Glasfassade, doppelt so groß und dreimal so schön. Am 1. Dezember eröffnet es mit einer weiteren Prachtausstellung: "Garten Eden – der Garten in der Kunst seit 1900" (2.12.07 bis 30.3.08). Zu sehen sind fast 200 Gemälde, Fotografien, Skulpturen, Videos und (z.T. eigens für Emden geschaffene) Installationen von 105 Künstlern aus 21 Ländern. Auf nach Emden! Da blüht es. Üppig. Mitten im Dezember.

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