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Kunstsammlung: Geschmack aus der Nebenniere

In seiner Essener Villa ist jeder Winkel von Kunst besetzt. Wella-Erbe Thomas Olbricht ist ein Adrenalin-Junkie, wenn es um das Sammeln von Kunst geht. In der Wunderkammer des Dr. Kunst gibt es Spektakuläres zu entdecken.

Von Hans-Joachim Müller

Pure Lust ist es, die Thomas Olbricht antreibt, die pure Lust am Sehen. Er formuliert das so: "Ich habe nie mit System gesammelt, nie mit kunsthistorischen Begründungen, mein Haus ist kein Museum nach Regionen und Epochen, Alles, was Sie hier sehen, habe ich sehend gesammelt. Sehen begeistert mich."

Und zu sehen gibt es mehr als genug im Hause Olbricht: Die schöne, traurige "Irène" von Franz Gertsch zum Beispiel. Der Hyperrealist malte die junge Prostituierte 1980 so genau, dass man meint, sie würde gleich aus ihrem Rahmen heraustreten, ihre blonden Locken in den Nacken werfen uns sich mit an den Esszimmertisch setzen, über dem sie sonst so unnahbar thront. Olbricht, der das Bild nur aus einem Katalog kannte, musste lange suchen, bis er den Besitzer von "Irène" gefunden hatte. Ein Jahr lang bearbeitete er einen New Yorker Galeristen, der sie in seinem Schlafzimmer aufbewahrt hatte - dann kam "Irène" zu ihm nach Essen.

Thomas Olbricht, Ende 50, ist ein Augenmensch mit einem verlässlichen Bauchgefühl, auf das er hört, auch wenn Freunde und Familie die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Er gibt zu, dass ihm sein Kunst-Kaufrausch manchmal schlaflose Nächte bereitet, wenn er mal wieder ein Vermögen versenkt hat. Oder wenn er auf seinem Lebensweg einfach kehrt macht und eine andere Richtung einschlägt. Olbricht hat eine Arzt- und Uni-Karriere hinter sich, war Spezialist für Hormonbehandlungen und stand auch ein paar Jahre an der Spitze des Familienkonzerns Wella. Wie er auf die Kunst gekommen ist und zu einer der bedeutendsten Privatsammlungen Deutschlands und was er damit vor hat lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von art.

Zusammenfassung: Barbara Hein

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