Metz hofft auf "Bilbao-Effekt" Ein Hauch Paris in Lothringen


Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy hat am Dienstag in der ostfranzösischen Stadt Metz den ersten regionalen Ableger des Pariser Mesuems Centre Pompidou eröffnet. Unter dem Titel "Meisterwerke?" präsentiert das CPM ab Samstag 780 Gemälde, Skulpturen, Fotografien und Video-Installationen berühmter Künstler des 20. Jahrhunderts.

Nach dreijährigen Bauarbeiten ist in der ostfranzösischen Stadt Metz der erste regionale Ableger des weltberühmten Pariser Centre Pompidou eröffnet worden. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy enthüllte am Dienstag vor einigen hundert geladenen Gästen und Journalisten feierlich eine Gedenkplatte, bevor er die erste Ausstellung des Museums besichtigte. Für das Publikum wird das Museum am Samstag seine Pforten öffnen.

Das Centre Pompidou Metz (CPM) werde Lothringen zu einer "Renaissance" verhelfen, betonte Sarkozy, der von Kulturminister Frédéric Mitterrand begleitet wurde. Das rund 10.000 Quadratmeter große und gut 70 Millionen Euro teure Museum präsentiert als erste Ausstellung unter dem Titel "Meisterwerke?" 780 Gemälde, Skulpturen, Fotografien und Video-Installationen berühmter Künstler des 20. Jahrhunderts - unter anderem von Jean Dubuffet, Pablo Picasso, Marc Chagall, Max Ernst, Wassily Kandinsky, Alberto Giacometti, Fernand Léger, Jackson Pollock und Miró.

Zu den Glanzstücken der Exposition gehören riesige Reliefs, die Robert Delaunay für die Pariser Weltausstellung 1937 geschaffen hat. Sie werden nun erstmals in einem Museum zu sehen sein - im Pariser Centre Pompidou konnten sie aus Platzgründen nie ausgestellt werden. Weitere Schmuckstücke sind ein Wandteppich, der nach dem berühmten Gemälde "Guernica" von Picasso gewebt wurde, sowie das "Tryptique Bleu" des Spaniers Miró. Bei den Exponaten handelt es sich um Leihgaben aus den Beständen des Museums für Moderne Kunst im Pariser Centre Pompidou.

Das CPM soll Kunstfreunde auch aus dem Großraum Paris anziehen, der dank des Superschnellzugs Ost-TGV nur noch 80 Minuten von Metz entfernt ist. Die Initiatoren setzen aber auch auf Besucher aus anderen französischen Regionen sowie aus den Nachbarländern Deutschland, Belgien und Luxemburg. Mittelfristig hoffen sie auf rund 400.000 Besucher jährlich.

Das CPM, Prunkstück eines Neubauviertels in der Metzer Innenstadt, ist der erste regionale Ableger eines staatlichen Museums in Paris. Entworfen wurde der futuristisch anmutende Bau von dem japanischen Architekten Shigeru Ban und seinem französischen Kollegen Jean de Castines. Wie das Pariser Mutterhaus mit seinen bunten Metallrohren besticht auch der Ableger in der lothringischen Provinz mit einer kühnen Konzeption: Der rund 10.000 Quadratmeter große Bau gleicht drei übereinander gestapelten Kartons, über denen ein Dach in Form eines chinesischen Hutes schwebt.

Metz habe nun endlich sein neues Wahrzeichen, kommentierte am Dienstag die örtliche Zeitung "Le Républicain Lorrain". Ein Wahrzeichen, das das Image der rund 130.000 Einwohner zählenden Stadt nach Überzeugung seiner Initiatoren radikal verändern wird. Metz, das bisher als nicht gerade anziehende Garnisonsstadt galt, werde nun in den "engen Kreis der Kultur-Metropolen aufsteigen", meint etwa Jean-Marie Rausch, der mehr als 30 Jahre lang Bürgermeister der Stadt an der Mosel war.

Rausch verweist auf das Beispiel der nordspanischen Stadt Bilbao. Dort zieht das 1997 eröffnete Guggenheim-Museum mittlerweile jährlich bis zu einer Million Besucher an, die der Gemeinde Einnahmen in Höhe von rund 184 Millionen Euro bescheren. Außerdem wurden rund 4500 Arbeitsplätze geschaffen.

AFP AFP

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