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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: #tenyearchallenge: Bitte stellen Sie das Welken ein!

Die #tenyearchallenge ist ein Internet-Hype. Und für Micky Beisenherz ein Phänomen, bei dem man binnen weniger Sekunden einen Zeitsprung von zehn Jahren macht - und sich fühlt, als hätte man gerade dreißig Jahre seines Lebens vergeudet. 

Eine Kolumne von Micky Beisenherz

M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier - #tenyearchallenge: Bitte stellen Sie das Welken ein!

Jeder, aber auch jeder Gag, ist zur #tenyearchallenge gemacht worden, findet stern-Kolumnist Micky Beisenherz (kl. Bild)

AFP

Das Schöne an Internet-Hypes ist: Erst kriegt man´s nicht mit. Dann lacht man einmal. Dann noch ein anderes mal. Danach rollt man so häufig mit den Augen, als hätte man im Keller unterm Berghain die falsche Pille genommen.

Es sei denn natürlich, man ist knallwach, weil einem die Alte gerade noch einen Kübel Eiswasser über den Kopf gekippt hat, einen Bleistift ins Auge rammt oder in der Instastory sämtliche persönliche Unterlagen verbrennt, weil das gerade #trendet.

Die #tenyearchallenge ist so ein Phänomen.

Eines, hätte es Gefühle, sich vorkommen müsste wie der Nachwuchs von Kim Kardashian: Gerade mal ein paar Tage alt und selbst für die Schöpfer schon wieder uninteressant. Es kann also nur noch eine Woche dauern, bis es in der "Bild" unter "In" zu finden ist. Oder irgendein rückständiges Unternehmen den mauen Joke für seine Kampagne missbraucht.

Für den neutralen Betrachter ein interessantes Experiment:  Man macht binnen weniger Sekunden einen Zeitsprung von zehn Jahren - und fühlt sich, als hätte man gerade dreißig Jahre seines Lebens vergeudet.

Das ist die Strafe, wenn man sich das absurde Treiben der anderen anschaut. Logo, man will ja schon mal sehen, wie beschissen die anderen vor zehn Jahren ausgesehen haben. Vor allem, weil man selber ja eine kleine Heldenreise hochladen kann. Dummerweise kommen auf jeden interessanten Beitrag circa 87 schlimme.

Im besten Falle sind es sehr, sehr langweilige Menschen, die nun beweisen können, dass sie heute, zehn Jahre später, immerhin sehr, sehr langweilige Menschen mit einer modernen Frisur sind. Oder zumindest dem, was man sich in Braunschweig unter "modern" vorstellt. Fast kommt man sich vor wie auf einem gigantischen Klassentreffen, zu dem man nie eingeladen sein wollte.

Davon ab: Wenn ich Bilder sehen will, wie Menschen vor zehn Jahren herum gelaufen sind, gucke ich MDR. Teilweise war ich mir nicht sicher, ob ich nicht bei dem Ei gelandet bin, dass Kendall Jenner den Fame abjagen soll. Manche kommen rüber wie das "Danach" in einer Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Das sind dann zumeist diejenigen, die es für eine gute Idee halten, sich ungeschminkt und ohne Filter bei Instagram zu posten (Lass das bitte sein. Ernsthaft, das will niemand sehen!).

Fun Fact: Frische Eltern schaffen die #tenyearchallenge bereits innerhalb von vier Monaten.

Kritische Stimmen sehen die neueste Massenbewegung als eine sinistre Methode von Facebook, noch mehr Daten zu sammeln und die Gesichtserkennung zu verfeinern. Ich habe mir viele der Teilnehmer angesehen: Die können unmöglich von Interesse für Niemanden sein! Wobei es dieser Hackfressentsunami-Datenkrake Zuckerberg natürlich völlig recht geschieht. Im Kern ist diese Challenge große Perfidie zur Selbsterhöhung in sozialen Netzwerken: Hier wird das alte Ich zur hässlichen besten Freundin, mit der man sich zeigt, um selbst besser wegzukommen.

Nicht, dass es nicht unterhaltsam sein kann, jemandem beim Altern im Zeitraffer zuzuschauen- der Nazi am Ende von Indiana Jones tut dies äußerst unterhaltsam. Der allerdings war auch ne echte Type. DU nicht!

Der ganzen Aktion fehlt leider komplett die Fallhöhe: Entweder will ich doch einen Prachtbau verrotten - oder eine miese Hütte zum Prachtschloss erblühen sehen. Davon ist nun wahrlich nichts zu erkennen. Warum nur dieses Winterfest der Durchschnittlichkeit.

NIEMAND WILL EUCH BEIM WELKEN ZUSEHEN!

Und bitte, bitte jetzt auch keine Witze mehr mit hängenden Brüsten, dem BER oder diese bequem portionierte Klimabetroffenheitspose: Man rettet nicht die Welt, indem man einen dürren Eisbär postet. Vor allem dann, wenn man danach zur Fashion Week fliegt, um sich Models anzusehen, die denselben BMI haben oder mit dem AMG Avodaco fressen fährt. Ernsthaft. Jeder, aber auch jeder Gag ist gemacht worden.

Sehen wir es positiv: Immerhin hält dieser Quartalshype ein paar davon ab, die #birdboxchallenge mitzumachen. Wobei das "Nachher" vermutlich interessanter wäre. Und wenn ihr mal eine echte Herausforderung meistern wollt: Schreibt erstmal das Wort "Challenge" richtig.

Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.