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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Super GAUdi - es geht noch stumpfer, täterää

Das Oktoberfest läuft: Über zwei Wochen saufen, fummeln und zu Helene grölen. Ach, ist das herrlich. Dagegen ist die Kölner Domplatte sowas wie die stille Treppe.

Oktoberfest

Der Mensch will abschalten, sich gehen lassen, für eine Weile das Primitivste aus sich rausholen: Micky Beisenherz über das Oktoberfest

Junge Männer, die in Gruppen umherziehen, vandalieren und betrunken Frauen belästigen. Sie ignorieren Sanitäranlagen und die allgemeinen Abführmaßstäbe. Wenn sie nicht in der Zeltunterkunft pennen, liegen sie überall im Freien herum! Nicht einmal richtig deutsch sprechen sie! Normalerweise müsste jetzt der bayerische Innenminister hart durchgreifen! Wäre es dieses Mal nicht - Obacht! - "Brauchtum". Und deshalb völlig okay.

Das Oktoberfest findet wieder statt, jawoll! Über zwei Wochen saufen, fummeln und zu Helene grölen. Ach, ist das herrlich. Dagegen ist die Kölner Domplatte sowas wie die stille Treppe. Der Nafri mit den Augen rollt, wenn Seppl auf der Wiesn tollt. Da, wo der gemeine Nordafrikaner von der Polizei erst mal profilaktisch zur Räson geknüppelt wird, lädt der Bafri (bayerisch-frivol) zum fröhlichen Mitschunkeln ein, bis Tisch- und Wadenbein brechen. Noch bis Dienstag zieht es Millionen Menschen aus aller Welt nach München, auf die Theresienwiese.

Der Mensch will abschalten, sich gehen lassen, für eine Weile das Primitivste aus sich rausholen. Der Bayer hat dafür das Oktoberfest, der Kölner den Karneval, der Berliner die Maikrawalle - und der Sachse die Bundestagswahl, klar.

Und es ist ja auch nur zu verständlich. Wenn man der eigenen Filterblase glauben darf, dann ist dieses Land ja wirtschaftlich und humanitär kurz vor dem Kollaps! Einige blicken schon neidisch nach Nigeria. Da tut Ablenkung Not. Die Wiesn ist ein kollektiver Wallfahrtsort für pessimistische Deutsche (Tautologie, oder?): Verschwommen sieht man schöner schwarz.

Nur Amateure betreten das Festgelände am frühen Abend. Zu diesem Zeitpunkt ist es unmöglich, noch mit den anderen auf Flughöhe zu geraten, bzw. gemeinsam zu trudeln. Viele Betankungswillige stehen schon morgens um sieben im Regen vor dem noch verschlossenen Festzelt.

Auch süß: Der Glaube, "nur ein bisschen trinken" zu können. Bei einer Veranstaltung, bei der das kleinste Bierglas in etwa die Größe eines Schweineeimers hat, kannst Du nicht nur ein bisschen trinken! Derweil: Krampfhaft unverkrampfte Fröhlichkeit im Käferzelt. Frauke Ludowig, so etwas wie die Frau Sielmann für Hysterieprominente, schickt ein S.W.A.T.-Team in das Gedränge, auf dass ihre Schergen sie alle abfilmen mögen: Die Uschi, die Simone, den Werner. Die Verona ist auch da. Extra mit dem Flieger angereist. Sie Business Class, die Kinder Economy. Mit der Nanny. Die Kröten sollen ja keine verhätschelten VIP Kids werden. Da muss man schon mal Vorbild sein. Also, die Nanny. Expeditionen ins Celebritierreich.

Oktoberfest: Nur der Rausch kennt keine Obergrenze

Da. Der Boris! Morgen wird eine große deutsche Tageszeitung wieder errechnen, wie viele Biere sich der schamlose Pleite-Beluga wieder auf Pump gegönnt, welche Wurst er sich erschnorrt und welche Summe Lilly jetzt bei einem armen Schneider für das Dirndl offen hat.

Da vorne: Die Tochter von diesem Schlagertypen steigt laut jauchzend auf den Tisch, auf dass sie als optischer Beifang doch noch in eine RTL-Linse geraten möge. Ein paar Lachen weiter, in den Normalbürgerzelten, ist man sich in den Humpta-Humpta-Pausen einig, dass dem deutschen Bürger ja kaum was bleibt.
Aber jetzt erst einmal ein Hendl für 13 und drei Maß für 36 Euro!
Nur der Rausch kennt keine Obergrenze.

Eine derartige Orgie aus Alkohol, Sex und Gewalt lediglich als "die Wiesn" zu bezeichnen ist schon eine spektakuläre Verniedlichung. Als ob man die G20-Krawalle in Hamburgs Schanzenviertel nur "das Gässchen" nennen würde. The Walking Sepp. 

Zu negativ? Vermutlich bin ich nur sauer, weil ich nicht ins Käfer-Zelt durfte.

So teuer wie nie: Preise auf dem Oktoberfest sorgen für Empörung