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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Die Weihnachtsgeschichte (Update)

Es begab sich aber zur der Zeit, dass ein Tweet von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Micky Beisenherz erzählt die Weihnachtsgeschichte für das Jahr 2018.

Weihnachten

Micky Beisenherz erzählt die aktualisierte Weihnachtsgeschichte.

DPA

Es begab sich aber zur der Zeit, dass ein Tweet von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Es sei denn natürlich, man widerspricht bei Facebook. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. (Motiviert durch das "Returning from Germany"-Plakat des Innenministeriums zog es ihn rasch zurück in die herrlich zerbombte Heimat). Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Was praktisch war, da die meisten eh über Weihnachten zu den Eltern wollten, um dort Updates zu machen und dem W-Lan heimlich anzügliche Namen zu geben.

Außerdem: Das Gefühl ungenügend zu sein, können einem eben nur die Erzeuger geben. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa (bekannt aus "Bauer sucht Frau" und "Sommerhaus der Stars"), aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Was ein wenig verwunderlich war für Josef, da es bislang noch kein Einzeldate gab und sie ihm glaubhaft versicherte, auf dieser RTL2-Liebesinsel nur mit zweien gefummelt zu haben. Sei's drum. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. (Der 12qm-Stall steht derzeit für 2200,- warm bei Immobilienscout.)

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde aus nachhaltigen Rindern. Die Zebras hatten nachts die Schlächter von Netto geholt. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. "Geht es um Helene Fischer?", fragte da der eine und der Engel gab zerknirscht zu, dass heute lediglich der Heiland geboren sei, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids, man sich das Ganze ja aber trotzdem mal anschauen könne.

Maria und Josef, wie sie das Kinde in der Krippe unboxten

Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Der eine Engel erinnerte übrigens stark an den Typen aus der DSDS-Jury und faselte was von der Deutschland GmbH und der zionistischen Weltverschwörung. Und als die Engel von ihnen in den Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun fahren nach Bethlehem, dort wo das große Riesenrad steht, Zöpfe flechten, Selfies machen und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Da sie mit ihrem Diesel nicht in die Innenstadt durften, entschlossen sie sich, zu Fuß zu gehen. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, wie sie das Kinde in der Krippe unboxten und für ihre Insta-Kanäle fotografierten, auf dass ihre 180.000 Follower es sehen sollten.(#WerbungdaMarkennennungderKirche)

Obendrein kamen noch diese drei Weisen aus dem Morgenland vorbei, die sich zum Befremden aller pausenlos als "Rockband" bezeichneten. Dabei hatten sie Weihrauch, Halal-Toblerone, die Autobiografie von Friedrich Merz - sowie dieses Zeug namens Myrrhe, das sie für ein Schweinegeld in diesem Superfood-Store gekauft hatten. Außerdem ein paar Päckchen, die der DHL-Bote bei ihnen abgegeben hatte.

Eine wahre Geschichte

Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über den Poetry Slam, den die Hirten gedropt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte, bewegte sie in ihrem Herzen und verarbeitete sie in ihrem Song "Grapefruit".

Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Man war sich dennoch einig, im nächsten Jahr in einem chinesischen Stall vorbeizuschauen. Dort lägen derzeit die eindeutig spannenderen Babys in der Krippe. Auch ohne das Zutun Gottes.

Frohes Fest

Eine wahr ausgedachte Geschichte.