Anthony Kiedis "Möchten Sie mit mir Trampolin springen?"


Anthony Kiedis ist erst seit ein paar Jahren clean. Im NEON-Interview erzählt er über seine Kindheit voller Sex und Drogen.

Das Studio, in dem die Red Hot Chili Peppers gerade zwei neue Alben aufnehmen, liegt am Ende einer Privatstraße in West Hollywood. Auf einer Couch sitzt Anthony Kiedis und blinzelt ins Licht.

Herr Kiedis, Sie sind 42 und haben keine Falte im Gesicht. Woran liegt's?

Am Trampolin.

Wie bitte?

Ich springe jeden Tag auf meinem Trampolin herum. Dabei halte ich meine Herzfrequenz konstant auf 141. Möchten Sie mit mir in den Garten gehen und Trampolin springen?

Wünschen Sie manchmal, schon früher so gesund gelebt zu haben?

Absolut. Ich habe als Vierjähriger begonnen, Marihuana zu rauchen, und meine erste Kindheitserinnerung ist, wie ich stoned auf eine Ampel geklettert bin, nachdem mein Vater mir Haschischrauch ins Gesicht gepustet hatte. Es war zwar ein tolles Erlebnis - aber die Lungen eines Vierjährigen sind ja noch im Wachstum. Mit elf habe ich angefangen, Kokain zu spritzen und die Freundinnen meines Vaters zu verführen. Was gewiss ein Fehler war. Wenn Sie so früh so guten Sex haben, wiederholen sich die Stellungen schnell.

In Ihrer Autobiografie stellen Sie diese Erfahrungen als großes Abenteuer dar - etwa, wie Sie als Zwölfjähriger allabendlich Ihren Vater Spider auf den Sunset Strip begleiteten, der die Rock-Aristokratie der 70er-Jahre mit Koks und Heroin versorgte. Haben Sie sich nie einen normaleren Vater gewünscht?

Was kann es für einen Zwölfjährigen Schöneres geben, als im angesagtesten Club der Stadt von hübschen Mädchen umschwärmt zu werden?

Trampolinspringen.

Immerhin hat mir mein Vater stets eine Banane in die Drogencocktailmilch geschnitten, die er mir gab, als ich acht war - um mir das Leben zu versüßen. Ich habe ihn dafür geliebt.

Sie haben nichts an den Erziehungsmethoden Ihres Vaters auszusetzen?

Erziehungsmethoden? Was für Erziehungsmethoden? Ich habe mich ganz alleine großgezogen. Und ich habe mich nie über die Härten meines Lebens beschwert. Ich war schon oft so fertig, so kaputt, so krank in meinem Leben, dass niemand gedacht hätte, ich würde es noch einmal packen. Aber ich habe nie den Glauben verloren, dass ich überleben würde. Ich wusste: Es würde weitergehen. Ich lag nackt und vollgekotzt und halb erstickt auf dem Boden, während irgend so ein Verrückter, dem ich zwanzig Dollar schuldete, mit einem Schneidbrenner versuchte, meine Wohnungstür aufzufräsen, und ich wusste: Er hat eine Knarre dabei. Aber ich habe mich immer irgendwie herausgelabert. Ich kann einen Hund von einem Fleischlaster quatschen. Ich habe mich nie selbst bemitleidet. Das ist eine Tugend, die ich meinem Vater verdanke, und darauf bin ich stolz. Ich bereue nicht, was ich getan habe. Bereuen würde ich, etwas zu unterlassen, und nicht, etwas zu tun, etwa nicht mit meiner Band zu proben oder nicht Vespa zu fahren. Das Leben ist ja furzkurz.

Das vollständige Interview ist in der aktuellen Ausgabe von NEON nachzulesen


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