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Rock and Roll Hall of Fame: Axl Rose lässt Ehrung sausen

Der einstige Frontman der Band Guns N' Roses machte seine Drohung wahr und blieb der Einführung in die Heiligen Hallen der Musik fern. Für den Boykott wurde Axl Rose vom Publikum ausgebuht.

Von Frank Siering, Los Angeles

So richtig vermisst wurde er nicht. Und das, obwohl Axl Rose im Vorfeld der diesjährigen Zeremonie zur Einführung in die Rock and Roll Hall of Fame in Cleveland reichlich Stimmung gegen die Veranstaltung gemacht hatte. Nur einmal, als Green-Day-Frontman Billie Joe Armstrong am Samstagabend die Bandmitglieder von Guns N' Roses auf die Bühne bat - Slash, Duff McGagan, Steven Adler und Matt Sorum waren alle artig ins schöne Ohio angereist - wurde es unruhig im Saal. Armstrong rief ins Mikro: "Wen vermissen wir denn noch?" ­7000 Besucher in der Halle buhten laut drauf los.

Rose hatte mit der Begründung, er "fühle sich ungewollt und nicht respektiert" die Einführung in die Hall of Fame abgesagt. Branchen-Insider vermuten allerdings, dass Roses turbulente Vergangenheit mit den Bandmitgliedern und ein anhaltender Streit ihn von der Reise nach Cleveland abgehalten hatte.

Die vielen Fans, die insgeheim gehofft hatten, dass die Rockband doch noch einmal in ihrer Originalbesetzung auftritt und ihre legendären Songs "Welcome to the Jungle" und "Sweet Child O'Mine" singen würde, wurden bitter enttäuscht. Guns N' Roses war zum letzten Mal im Jahre 1993 mit Rose als Frontmann aufgetreten.

Sie haben Kiedis ein Denkmal gebaut

Die Veranstaltung war aber trotz Abwesenheit von Rose ein echter Erfolg. So war mit den Red Hot Chilli Peppers eine der renommiertesten Bands der Gegenwart für die Einführung in die Hall of Fame auserkoren.

Leadsänger Anthony Kiedis fühlte sich - genau wie die anderen Bandmitglieder auch - ob dieser Ehre geschmeichelt, fand es aber eher "komisch, schon jetzt in die Hall of Fame zu kommen, wenn wir doch mitten in einer Tour stecken". Kiedis weiter: "Wir sind doch noch mittendrin, wir sind noch nicht fertig." ­ Aber es sei "schön, hier zu feiern mit so vielen Freunden, die so viele tolle Jahre mit uns verbracht haben", so der Chilli-Peppers-Boss weiter.

Schweigeminute für Hillel Slovak

Neben GNR und den Chilli Peppers wurden auch die Beastie Boys, die Folk-Legende Donovan, die verstorbene Songschreiberin Laura Nyro und die britische Band The Small Faces in die Hall of Fame eingeführt.

Liebling der Fans war allerdings Alice Cooper. Schon auf dem roten Teppich lauschte der US-Rockmusiker immer wieder Sprechchören, die ihn mit frenetischen "Alice, Alice"-Rufen feierten. "New York ist Glitz und Glamour, Cleveland ist wie echtes Handwerk, das gefällt mir an dieser Stadt", so Cooper. Normalerweise wird die Veranstaltung im New Yorker Waldorf Astoria Hotel abgehalten. In Cleveland findet die Feier nur alle drei Jahre statt.

Eine rührende Szene spielte sich ab, als Kiedis an seinen alten Freund und Original-Bandmitglied Hillel Slovak erinnerte. Der Gitarrist war 1988 als Heroinsüchtiger gestorben: "Ich glaube, er hätte sich hier heute Abend köstlich amüsiert", so Kiedis über seinen Freund. "Hillel war jemand, der eine große Liebe für Musik hatte. Und es bedeutete ihm sehr viel, unter Brüdern in einer Band zu spielen. Er wird immer unser Bruder bleiben, egal, was wir auch machen", sagte Kiedis weiter und brachte den gefüllten Saal für eine Minute zum absoluten Stillschweigen.