HOME

Brit Awards: «Brits blitz Blair» - Krieg und Frieden bei Verleihung

Robbie Williams, Ms. Dynamite und die Band Coldplay sind bei der diesjährigen Verleihung der Brit Awards als beste britische Interpreten ausgezeichnet worden.

Krieg und Frieden haben diesmal die Verleihung der Brit Awards in London geprägt. Der drohende Militärschlag gegen den Irak inspirierte Popstars wie Ms Dynamite und die Gruppe Coldplay zu Antikriegsbotschaften und Friedensgesängen. «Brits blitz Blair», titelte am Freitag der «Daily Mirror». Was so viel heißt wie: Popstars geben Blair eins auf die Mütze.

Ein Hauch von Frieden

Vergleichsweise friedlich blieb es diesmal auf der Bühne, wo Robbie Williams seinen Intimfeind Liam Gallagher von Oasis sogar einmal zum Boxkampf herausgefordert hatte. Vielleicht lag es am erstmals verhängten Alkoholverbot, dass die anfangs geäußerte Hoffnung der Moderatorin Davina McCall auf «ein bisschen schlechtes Benehmen» unerfüllt blieb.

Eminem sorgt für den üblichen Skandal

Nur US-Rapper Eminem, der als bester internationaler Solokünstler und für das beste internationale Album («The Eminem Show») geehrt wurde, erhörte ihre Bitte und zeigte dem Publikum den emporgestreckten Mittelfinger. So eine Enttäuschung: «Kein Saufen, kein Fluchen, kein Kloppen - die Brits sind tot», kommentierte die «Sun».

Kritik an "Pop Idol"

Shootingstar Ms Dynamite, die «beste britische Solokünstlerin» und der beste «British Urban Act», mokierte sich immerhin über Sänger, die durch die Sendung «Pop Idol» - englische Originalausgabe von «Deutschland sucht den Superstar» - in die Charts katapultiert wurden: «Wir haben diese Aufmerksamkeit nicht, wir arbeiten wirklich, wirklich hart.» Für Verwirrung sorgte die neue «Queen of the Brits» (Daily Express), indem sie sich in ihrer Dankesrede an ihren «Ehemann» wendete. Eine Sprecherin stellte umgehend klar: «Das war eine Metapher.» Die Dame sei weiterhin ledig.

Anti-Kriegs-Song

Und dann wurde es politisch: Ms Dynamite gab eine Neufassung des George-Michael-Hits «Faith» zum Besten. «Ich will kein Blut an meinen Händen», sang die 21-Jährige, die sich am Samstag bereits an der Londoner Massendemonstration gegen einen Krieg beteiligt hatte.

Noch weiter ging Chris Martin von Coldplay, die beste britische Gruppe wurden und den Award für das beste britische Album («A Rush Of Blood To The Head») abstaubten: «Preise sind eigentlich Unsinn», rief der Leadsänger dem Publikum zu. «Wir werden alle sterben, wenn George Bush seinen Willen bekommt.»

Robbie gibt Kontaktanzeige auf

Dagegen war Robbie Williams durch Privatprobleme in Beschlag genommen. Der kürzlich angeblich von seiner Freundin Rachel Hunter verlassene Chart-König, der mit seiner erneuten Proklamation zum besten britischen Solokünstler den 14. Award einheimste, nutzte die Gelegenheit zur Kontaktsuche: «29-jähriger Wassermann, etwas pummelig, Kettenraucher, sucht Jungen oder Mädchen für spaßige Nächte.»

«Sex Bomb»-Veteran Tom Jones (62) wirkte zwischen all dem jungen Britpop-Gemüse wie ein Außerirdischer. Der ehemalige Staubsauger- Vertreter, der seine weiblichen Fans seit nunmehr 40 Jahren mit rauchiger Keuchstimme und herausgekämmtem Brusthaar betört, widmete seine Auszeichnung für besondere Verdienste seiner kürzlich verstorbenen Mutter Freda.

Höhepunkt: Ein Duett von Justin&Kylie

Im übrigen bestätigte die Show: Das Mutterland des Pop hängt zur Zeit an einer amerikanischen Beatmungsmaschine. Höhepunkt des Abends war bezeichnenderweise ein Duett von Kylie Minogue und Justin Timberlake (Ex-Freund von Britney Spears), die beide überhaupt nicht nominiert waren. Sogar in Großbritannien selbst ist der Verkauf britischer Alben hinter US-Produktionen zurückgefallen.

USA bleiben Mutterland des Pop

Kasse machen US-Künstler wie Pink, die den Award als beste internationale Solokünstlerin bekam, und die Red Hot Chili Peppers, die sich beste internationale Gruppe nennen dürfen. «Stars are born in the USA», titelte am Freitag die «Times». Amerikas Präsident mag unbeliebt sein, seine Musiker herrschen auf der Insel unumschränkter denn je.